Harburg
Archäologie

Raubgräber sind meistens männlich und trinken viel Cola

In seiner neuen Sonderausstellung nähert sich das Archäologische Museum Hamburg in Harburg dem Phänomen Schatzsucher an. Die Ausstellung ist ein Plädoyer für unser kulturelles Erbe. Beginn ist am 26. Oktober.

Harburg. Auf der Suche nach der Hammaburg haben die Archäologen keine spektakulären Gegenstände gefunden. Anhand der entdeckten Gräben, Gruben und Pfosten, dunkelbraunen, hellbraunen und braun-grauen Erden aber gelang es den Wissenschaftlern, die Geschichte Hamburgs mit völlig neuen Einsichten zu rekonstruieren. „Hätten Grabräuber die Grabungsfläche mit Sonden zerpflügt, wären diese Erkenntnisse verloren gewesen“, sagt der Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, Rainer-Maria Weiss.

Das Archäologische Museum Hamburg in Harburg nähert sich mit seiner neuen Sonderausstellung ab Sonnabend, 26. Oktober, dem Phänomen Schatzsucher an. Die von dem Landesmuseum Natur und Menschen übernommene Ausstellung „Raubgräber – Grabräuber“ dokumentiert anhand von faszinierenden Fundgeschichten, wie Schatzsuche aus Profitgier kulturelles Erbe gefährden oder gar zerstören kann.

Die beiden Kuratoren , der Archäologe Michael Merkel und die Museumspädagogin Yvonne Krause, haben die Ausstellung in Harburg um den Antipoden des Grabräubers erweitert: den Archäologen. Das Museum erklärt, mit welchen Methoden die Wissenschaftler arbeiten und wie Laien mitarbeiten können. Mehr als 70 ehrenamtliche Helfer beteiligen sich an Ausgrabungen des Archäologischen Museums. Menschen, die ihren Urlaub opfern, um als „Trüffelschweine“, so der Szene-Jargon, das Erdreich sorgfältig abzusuchen.

Seit dem April schützt ein neues Gesetz die Arbeit der Archäologen in Hamburg. Seitdem enthält das Denkmalschutzgesetz das sogenannte „Schatzregal“. Diese rechtliche Reglung bedeutet, dass Funde, die ihren ursprünglichen Eigentümern nicht mehr zugeordnet werden können – wie bei einem Schwert aus der Bronzezeit oder Goldmünzen aus der Römerzeit – dem Staat gehören und an dessen Museen fallen.

Vorher durften Finder mit ihren Fundstücken handeln. Im Jahr 1993 führt das dazu, dass die Freie und Hansestadt Hamburg einem damaligen Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes und dem Grundstückseigentümer in Wilhelmsburg einen Münzfund mit 10.000 Stücken aus napoleonischer Zeit abkaufen musste, um ihn der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im benachbarten Niedersachsen dagegen gilt das Schutzregal bis heute nicht. Im Jahr 2011 haben der Münzhändlerverband und der Verband der Grundbesitzer eine entsprechende Novelle des Denkmalschutzgesetzes verhindert. In dem Bundesland müssen lediglich Fundstücke von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung gemeldet werden.

Etwa zweimal pro Woche melden Hamburger Fundstücke beim Archäologischen Museum in Harburg: alte Münzen, Keramiken oder auch Bilder. Etwa 30 Prozent, sagt Michael Merkel, seien davon von wissenschaftlichem Wert.

Grabräuber, das zeigt die Ausstellung, seien nach Schätzungen übrigens zu 90 Prozent männlich. Ihre Hinterlassenschaften zeigen: Plünderer scheinen viel Cola zu trinken.

Ausstellung „Raubgräber – Grabräuber“, Archäologisches Museum Hamburg in Harburg, 26. Oktober 2013 bis 26. Januar 2014. Eintritt: 6 Euro, bis 17 Jahre frei.