Fleestedt

Fallende Äste gefährden Anwohner

Am Waldrand in Fleestedt ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Im November beginnt eine große Fällaktion

Fleestedt. Alles für die Sicherheit der Anwohner: Ab dem 4. November finden am südlichen Waldrand des Waldgebiets „Höpen“ in Fleestedt umfangreiche Baumfällarbeiten statt. Die Maßnahmen sind unumgänglich, weil die Sicherheit auf den Grundstücken, die direkt an das Waldgebiet grenzen, nicht mehr gewährleistet ist. „Die Waldränder des Höpen werden regelmäßig kontrolliert. Im südlichen Bereich hängen viele Bäume stark in Richtung Wohnbebauung, einige mit gefährlichen Gabelungen und Rissen“, erklärte der stellvertretende Forstamtsleiter Peter Wendt am vergangenen Dienstag bei einer Begehung des betroffenen Gebiets.

Rund 40 Interessierte und Anwohner hatten sich am Wanderweg, der direkt am Südrand des Höpen verläuft, eingefunden und informierten sich vor Ort über die anstehenden Maßnahmen. Unter ihnen war auch Inge Steuben, deren Grundstück direkt an den Wald grenzt. „Wir haben vor 12 Jahren unser Haus gekauft, damals konnten wir unseren Garten noch richtig nutzen“. Doch im Lauf der Jahre wuchsen die Äste immer weiter in Richtung Licht. Jeden Herbst bedeckt inzwischen ein dicker Blätterteppich den Rasen, ein Sonnenbad auf der Wiese ist schon lange nicht mehr möglich: „Wir hatten ja immer Angst, dass uns ein Ast auf den Kopf fällt“ berichtet die Seniorin. Im kommenden Jahr kann sie nun wieder unbesorgt ihren Garten nutzen. Ihr Haus wurde wie viele hier in den 70er-Jahren gebaut. Alle Grundstücke grenzen direkt an den Wald. Damals übersah man allerdings, dass die Bäume in diesem Bereich nicht in die Höhe wachsen, sondern viel Astwerk in Richtung Licht entwickeln und damit zur Seite wachsen würden. Viele sind im Lauf der Jahre morsch geworden und fallen in die Gärten, für die Anwohner sind sie eine echte Gefahr.

Das geplante Vorgehen wurde mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg, der Gemeinde Seevetal und dem zuständigen Fledermausbeauftragten abgestimmt. „Wir mussten im Vorfeld abklären, ob es in den Bäumen Winterquartiere des Großen Abendseglers gibt“, berichtet Revierförster Burchard Scholz. Hätte die Fledermausart in den Bäumen gesiedelt, wären an den betroffenen Bäumen gesonderte Maßnahmen notwendig geworden. Als klar war, dass der Abendsegler nicht im südlichen Bereich des Höpen überwintert, konnte konkret geplant werden.

Auf rund 800 Meter Länge zwischen Marquardtsweg und Am Försterland werden nun die Arbeiten ausgeführt. Rund 200 Bäume werden gefällt, die 130 Jahre und älter sind. Die Buchen und Eichen sind 30 bis 35 Meter hoch, nicht einfach für die Arbeiter, die, die Riesen so gefahrlos wie möglich fällen müssen. „Für die Maßnahmen wird der Wanderweg voraussichtlich für vier Wochen gesperrt“, erläutert Revierförster Scholz, „wenn wir eine Regenphase haben, kann es etwas länger dauern“.

Gearbeitet wird in Etappen. Zunächst werden marode Äste und Baumkronen, die bei der Fällung auf Grundstücke oder gar Hausdächer stürzen könnten, mit der Motorsäge angenommen. Diese gefährliche Arbeit werden Baumkletterer übernehmen. Anschließend zieht ein Seilschlepper jeden Baum in Richtung Wald und sichert ihn, damit die Fällung gefahrlos für die Anrainer vonstatten gehen kann. „Sollten dennoch Zäune oder Gartenhäuser eventuell beschädigt werden, kommen wir natürlich dafür auf“, verspricht Revierförster Scholz.

Das Holz, das bei der Aktion geerntet wird, steht zum Verkauf. Anwohner, die kaufen möchten, wird es sozusagen vor die Tür geliefert.

Nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind, muss der Wanderweg für Spaziergänger und Radfahrer wieder hergerichtet werden. „Die schweren Maschinen werden den weichen Waldboden natürlich in Mitleidenschaft ziehen“, so Scholz. Voraussichtlich nach den Winter soll dann aber alles wieder soweit begehbar sein, dass die Fleestedter den Weg wieder nutzen können.