Harburg

Fahrgastunterstand bereitet Ärger

Radfahrer und Fußgänger sind durch Werbetafel gefährdet. SPD-Politiker fordert Rückbau

Harburg. „Wer hat denn das genehmigt“, fragt sich Michael Dose. Der SPD-Politiker in der Bezirksversammlung Harburg ist als Fachsprecher für Inneres, Bürgerservice und Verkehr viel mit dem Fahrrad in Harburg unterwegs und konnte kaum glauben, welche Art von gläsernem Fahrgastunterstand vom Stadtmöblierer JCDecaux an der Bushaltestelle Heimfelder Straße, Höhe Eißendorfer Pferdeweg, vergangene Woche neu installiert worden ist.

Dose: „Da ragt eine Seitenwand des Unterstands mit ihrer Werbetafel soweit in den Geh- und Radweg hinein, dass für Fußgänger wie für Radfahrer eine echte Gefahr entstanden ist.“ Um die Gefahrenstelle möglichst rasch beseitigt zu bekommen, hat Dose deshalb umgehend einen Antrag formuliert, der von seiner Fraktion voll unterstützt wird und in der kommenden Sitzung der Bezirksversammlung, am Dienstag, 29. Oktober, behandelt werden soll.

Dose erklärt zum Antrag: „Grundsätzlich sind Warteunterstände an Bushaltestellen zu begrüßen. Sie dürfen aber nicht unnötig den Fuß- und Radwegverkehr behindern. An dieser Haltestelle sind Durchfahrt und Durchgang durch die Werbetafel auf einen Meter Breite reduziert. Bereits ein bis zwei Wartende verhindern ein reibungsloses Durchkommen in diesem Bereich. Wir beantragen, dass die Werbetafel an der Haltestelle durch eine Glaswand halber Breite ersetzt wird.“

Dose erinnert daran, dass die SPD die bereits vom schwarzgrünen Vorgänger-Senat getroffenen Entscheidungen fortführt, Verbesserungen für den Fahrradverkehr erreichen zu wollen. Der Anteil der Radfahrer am Verkehrsgeschehen soll 18 Prozent erreichen. Derzeit liege er bereits bei zwölf Prozent. Dose: „Und die Zunahme an Elektro-Fahrrädern wird sicherlich die 18 Prozent realistisch werden lassen. Da passt es überhaupt nicht, wenn in Harburg die Verkehrswege derart unüberlegt zugebaut werden. Unmittelbar vor der Bushaltestelle weist ein Schild darauf hin , dass Radfahrer auf der Südseite der Heimfelder Straße, in Fahrtrichtung Innenstadt, den gemeinsamen Geh- und Radweg befahren können.“

Auf der Nordseite der etwa 6,6 Meter breiten Heimfelder Straße, zwischen Nobleestraße und Eißendorfer Pferdeweg ist vergangenes Jahr für rund 80.000 Euro der Radweg aus dem Gehwegbereich, zurückgebaut worden. Radfahrer sollen in Zukunft auf der Straße fahren. Ein 1,25 Meter breiter Schutzstreifen soll für die Radler noch auf die Fahrbahn gepinselt werden.

Dose: „Es gibt immer noch sehr viele Radfahrer, die sich auf dem Gehweg sicherer fühlen. Wir hatten nach dem Rückbau eine heftige Diskussion und eine Informationsveranstaltung in der Schule Grumbrechtstraße, an der auch Vertreter von ADAC und ADFC teilgenommen hatten. Die hatten gesagt, dass es bei einer Straße bis 5000 Fahrzeuge täglich Sinn mache, die Radfahrer auf der Straße fahren zu lassen. Die Verkehrsbelastung der Heimfelder Straße liegt bei 4000 Fahrzeugen. Der Anteil der Radfahrer liegt bei etwa 400.“

Nach den Worten von Dose steht die Entscheidung, den kombinierten Geh- und Radweg auf der Südseite der Heimfelder Straße, stadteinwärts, vorerst nicht zurückzubauen. Somit müsse der Verkehrsraum freigehalten werden von Wartehäusern mit derart ausladenden Werbetafeln. 50 Jahre lang sei in Hamburg wenig für Radfahrverkehr getan worden. Das habe sich inzwischen glücklicherweise geändert. 1998 wurde mit der Novelle der Straßenverkehrsordnung festgelegt, dass Fahrräder auch Fahrzeuge sind und damit, wenn möglich, auf die Straße gehören.