Harburg

Streetart an der Flutschutzwand

Erstmals beim Harburger Kulturtag ist die Gaffiti-Wand Hall Of Fame dabei. Zwei namenhafte Künstler kommen zu Besuch

Harburg. Es ist ein geradezu idyllischer Ort. Hinter uns eine kleine Grünfläche und ein paar Bäume, in der Ferne der Seehafen und die Süderelbe – und vor uns eine fünf Meter hohe Flutschutzwand, voll mit beeindruckenden Graffitis. Da sind Papageien und Drachen, Schriftzüge und Comicgestalten in den buntesten Farben. Die Hall of Fame am Bostelbeker Hauptdeich ist die größte legale Graffiti-Wand in Norddeutschland. Seit dem 1. Januar dürfen Sprayer ihrer Kreativität hier freien Lauf lassen. Grund genug, dass die Hall of Fame dieses Jahr Ehrengast beim Hamburger Kulturtag ist.

„Es gibt ja jedes Jahr einen speziellen Act“, sagt Alexander Grieschat. Gemeinsam mit Nandor Olah leitet er nicht nur das Stellwerk, sondern gehört auch zu den Initiatoren des Vereins GrossstadtRaum e.V., der sich um die Graffiti-Wand kümmert. „Letztes Jahr war Gunter Gabriel der Spezialgast“, so Grieschat weiter, „und dieses Mal ist es eben die Hall Of Fame.“ Grieschat und Olah haben deshalb zwei namenhafte Graffiti-Künstler nach Harburg eingeladen, die während des Kulturtages am 26. Oktober gemeinsam ein Bild malen werden. Einer von ihnen ist Flying Förtress aus Hamburg. „Er ist sehr umtriebig und für seine Bären bekannt“, so Grieschat.

Tatsächlich dürften diese kleinen Bärenfiguren mit Helmen den meisten schon mal irgendwo begegnet sein. Die „Teddy-Troops“, wie Flying Förtress sie nennt, eroberten seit 2004 Galerien, Bücher und den öffentlichen Raum. Mittlerweile gibt es etliche verschiedene Versionen der Teddysoldaten. Sie zieren nicht nur Wände in vielen internationalen Städten, sondern sogar als Spielzeugfiguren kann man sie sammeln.

Der zweite Künstler ist Base 23. Der Berliner, der 1989 die Sprühdose entdeckte und später Grafikdesign und Typographie studierte, hat bereits in Barcelona, London, Melbourne, Paris und in diversen deutschen Städten ausgestellt. Zu seinen Schöpfungen gehören grell leuchtende Kreaturen, eine Mischung aus Maschine und Mensch. An bunten Farben spart der Künstler dabei nicht. So kreiert er seine ganz eigene künstlerische Welt, die er als Aerosol Universum bezeichnet.

„Zum Kulturtag werden die beiden bereits einen Tag vorher anreisen und mit ihrer gemeinsamen Arbeit beginnen“, sagt Grieschat. „So können die Gäste an der Wand schon am Sonnabendvormittag die ersten Ergebnisse erkennen.“ Außerdem wird es an der Hall of Fame ab 11 Uhr einen Infostand geben, an dem Grieschat und Olah über das Projekt informieren. Stolze vier Jahre haben sie für die Graffiti-Wand gekämpft. Lange hatte der zuständige Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) Bedenken gegen das Bemalen der Flutschutzmauer. „Wir haben uns dafür stark gemacht, weil der regionale Bedarf sehr hoch ist“, so Grieschat. „In Hamburg wurden viele legale Flächen geschlossen und es gibt nur noch wenige Wände, zu denen Nachwuchskünstler zum Teil kaum Zugang bekommen. Deswegen war uns klar, dass Hamburg so eine Wand dringend braucht.“ Der Erfolg gibt den beiden Recht.

Zur Eröffnung am 1. Januar kamen trotz Minustemperaturen rund 100 Künstler. Seitdem haben sich zwischen 1000 und 1500 Künstler auf der 560 Meter langen Wand verewigt. Sie stammen nicht nur aus Harburg und dem Umland, sondern auch Sprayer aus Österreich, Spanien, Belgien, Australien und Amerika kamen schon vorbei. „Es ist der reine Wahnsinn, was da passiert“, so Grieschat. „Da entstehen unheimlich tolle Werke.“ Wer an der Hall of Fame malen möchte, muss sich zuvor eine Genehmigung des Vereins Großstadtraum einholen. Sie gilt für drei Tage und ist im Graffitistore „Sprühkopf“ in der Nobléestraße 39 erhältlich.

Vom Kulturtag erhoffen Grieschat und Olah sich eventuell sogar einen Sponsoren zu finden, der es ihnen möglich macht zusätzlich ein weiteres Teilstück der Flutschutzwand nutzen zu dürfen. „Den vorderen Teilabschnitt würde man uns nur dann überlassen, wenn wir für die Reinigung aufkommen, falls die LSBG die Flutschutzwand irgendwann auf Risse begutachten muss“, erklärt Olah.

Das würde wohl so 40.000 bis 50.000 Euro kosten. Wenn es also jemanden gibt, der so viel Geld übrig hat, darf er sich gerne bei uns melden! Zusammen mit dem vorderen Abschnitt hätten wir hier in Harburg dann die größte Hall of Fame Deutschlands!“

Harburger Kulturtag am 26. Oktober 2013: Hall of Fame, Bostelbeker Hauptdeich. Künstler aus der Graffiti-Szene präsentieren ihre Werke an der Flutschutzwand. Infostand ab 11 Uhr. www.fb.com/grossstadtraum