Harburg

Neue Stadthistorikerin legt los

Melanie Leonhard will die Zusammenarbeit des Helms-Museums mit den Harburger Schulen intensivieren

Harburg. Jeder Schüler, der eine Schule in Harburg besucht, sollte einmal im Helms-Museum gewesen sein. Das hat sich Harburgs neue Stadthistorikerin Melanie Leonhard als ambitioniertes Ziel gesteckt. Die 36-Jährige plant, die Zusammenarbeit mit den Schulen zu intensivieren. Kinder und Jugendliche könnten sich in Wettbewerben mit der Stadtgeschichte Harburgs auseinandersetzen. Das sei in der Vergangenheit schon einmal mit Erfolg probiert worden.

Mit Beginn dieses Monats ist die promovierte Historikerin und Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Melanie Leonhard die neue Leiterin der Harburger Stadtgeschichte am Archäologischen Museum Hamburg, zu dem das Stadtmuseum Harburg, im Volksmund besser als Helms-Museum bekannt, gehört. Die Stelle ist seit September 2012 vakant.

Harburgs neue Stadthistorikerin nimmt heute, Montag, 7. Oktober, ihre Arbeit auf. Der Grund für den verspäteten Dienstantritt liegt in ihrer Doppelfunktion als Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft. Die SPD-Politikerin gehörte zusammen mit elf anderen Abgeordneten einer Bürgerschaftsdelegation an, die vergangene Woche an drei Tagen Hamburgs Partnerstadt Marseille besucht hat. Die Harburgerin gehört dem Stadtentwicklungsausschuss des Hamburger Parlaments an. Die Delegation hat sich mit der Hafenkonversion in Marseille beschäftigt, die mit der Entwicklung der Hamburger HafenCity vergleichbar ist.

Die französische Hafenstadt ist in diesem Jahr Europas Kulturhauptstadt. Ein gefördertes kulturelles Projekt ist es, anhand einer im Hafen entdeckten, etwa 2500 Jahre alten römische Galeere die Stadtgeschichte Marseilles zu schildern. Melanie Leonhard weist auf die Parallele zu Harburg hin: „Wir wollen ja auch ausgehend von einem archäologischen Fund die Stadtgeschichte Harburgs neu erzählen.“ Gemeint sind die archäologischen Ausgrabungen auf der Schlossinsel im Harburger Binnenhafen, die voraussichtlich im Frühjahr 2014 beginnen werden. Die Archäologen hoffen, ein Fenster bis zu dem Ursprung Harburg öffnen zu können.

Das Kellergewölbe des sogenannten Harburger Schlosses, heute ein frisch renoviertes Mietshaus, stammt aus dem 12. Jahrhundert, vermutlich wurde es sogar im 11. Jahrhundert gebaut. Der Keller mit tavernenartigen Deckenverzierungen gilt als das älteste nicht-kirchliche Bauwerk der Freien und Hansestadt Hamburg. Das Archäologische Museum Hamburg verfolgt das Ziel, in dem Schlosskellergewölbe eine Dauerausstellung einzurichten. Der neue Schlosseigentümer, der Garten- und Landschaftsbauunternehmer Norbert Heymann, unterstützt das Vorhaben. Etwa 500.000 Euro würde die Dauerausstellung kosten.

Wegen des finanziellen Kraftaktes auf der Schlossinsel dürfte sich ein anderes, seit Jahren geplantes Vorhaben weiter verschieben: der Aufbau einer Dauerausstellung der Harburger Stadtgeschichte im Helms-Museum. Die Exponate lagern im Archiv. Zurzeit hat Melanie Leonhard das Dilemma, Harburgs Stadtgeschichte nicht zeigen zu können. Der Aufbau einer Dauerausstellung zu Geschichte Harburgs sei aber nach wie vor das Ziel, betont Melanie Leonhard. Langfristig solle das Haupthaus am Museumsplatz zu umgestaltet werden, dass das Stadtmuseum Harburg wieder eine Ausstellung erhält.

Trotzdem sieht Harburgs neue Stadthistorikern keine Konkurrenz zu den Archäologen – im Gegenteil: „Der Schlosskeller ist der Weg zu mehr Aufmerksamkeit für die Stadtgeschichte“, sagt Melanie Leonhard. Sie lege wert darauf, dass sie im Binnenhafen mit den Archäologen zusammen arbeite. Ein Miteinander der beiden Abteilungen Stadtgeschichte und Archäologie also. „Lasst uns die archäologische Chance beim Schopfe packen und ein Fenster in die Stadtgeschichte öffnen“, sagt Melanie Leonhard.

Seit bekannt ist, dass Melanie Leonhard Leiterin der Stadtgeschichte wird, hat sich schon ein Stapel Korrespondenz in ihrem Büro angesammelt. „Die Harburger haben ihre Stadtgeschichte vermisst“, sagt sie. Die Geschichtswissenschaftlerin zählt zu den Historikern, die auch in die Zukunft denken. Ein Museum dürfe nicht nur seine Aufgabe darin sehen, zu erhalten und zu bewahren. „Ein stadtgeschichtliches Museum soll Ort des Nachdenkens und der Weiterentwicklung sein“, sagt Melanie Leonhard, von ihm sollten Impulse ausgehen.“

Auch bei ihrem Hobby zeigt Melanie Leonhard eine Vorliebe zu alten, schönen Dingen. Sie sammelt Hörspiele – aber nur auf Audiokassetten. „MP3-Dateien lade ich nicht runter“, sagt sie. Ihre Favoriten sind die Krimireihe „Die drei ???“ und Radiohörspiele der BBC wie die Reihe um den Privatdetektiv Paul Temple.