Harburg
Protestcamp

Mahnwache mit Teekannen gegen Tierversuche

Die Protest-Aktion der „Kampagne LPT schließen“ ist nicht spekatkulär, aber das soll sie auch nicht sein. Sie soll nach Willen der Aktiven ein Bewusstsein schaffen.

Neugraben Das „Laboratory for Pharmacology and Toxicology“, kurz: LPT liegt nicht in einer Gegend, in der man eine Tierversuchsanstalt vemuten würde. Auf der dörflichen Seite Neugrabens kuschelt sich die Firma unauffällig zwischen gutbürgerlichen Einzelhäusern ins Stadtgrün. Dieser Tage weist allerdings etwas darauf hin, was hinter den Firmentoren passiert: Tierrechtsaktivisten haben ein Protestcamp aufgebaut und halten eine Mahnwache ab.

Ein Gartenpavillon am Ende einer Sackgasse, Teekanne, ein Informationstisch, drumherum Schlafsäcke, ein Dutzend Leute und viele Plakate. Die Mahnwache der „Kampagne LPT schließen“ ist nicht spekatkulär, aber das soll sie auch nicht sein. Sie soll nach Willen der Aktiven ein Bewusstsein schaffen für Tierrechte im Allgemeinen und die Situation der Versuchstiere im Besonderen.

„Proteste, die so klein angefangen haben, haben beispielsweise in Italien auch schon dazu geführt, dass Labore geschlossen wurden, weil die Sache wuchs“, sagt Dorothee Fuchs, eine derer, die hier ausharren. Das Bewusstsein-Schaffen funktioniert: „Es sind hier schon Anwohner vorbeigekommen und haben uns etwas zu Essen und Thermoskannen mit Tee vorbeigebracht“, sagt Dorothee Fuchs. „Einige hatten vorher gar nicht gewusst, dass hier Tierversuche stattfinden.“

Nicht nur bei den Anwohnern möchten die Aktivisten etwas erreichen. Auch bei den Angestellten wollen sie für ein Umdenken sorgen. Deshalb stellen sie sich vor allem morgens zu Schichtbeginn neben das Werkstor, halten die Plakate hoch und versuchen, mit den LPT-Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Die geben sich allerdings verschlossen und kommen zum Teil im Taxi oder in Fahrgemeinschaften, um nicht zu Fuß an den Protestierenden vorbei zu müssen. Die Polizei rundet diese Szenerie mit gelassener Präsenz ab.

„Darüber, ob ich in den Köpfen der Mitarbeiter etwas erreiche, kann ich nur spekulieren,“ sagt Franziska Klein, die, wie Frau Fuchs vor dem Tor ausharrt, „aber wenn ich etwas erreichen will, muss ich auch etwas tun.“

Die Firma LPT äußert sich nicht zu den Protesten. Am Haupttor hängt ein Plakat mit der Aussage, dass durch Pharmaforschung böse Krebsarten bekämpft werden können, aber eine persönliches Stellungnahme war auch auf schriftliche Nachfrage nicht zu erhalten.

Nach Aussage der Kampagne ist LPT mit seinen Standorten in Neugraben und Mienenbüttel eines der größten Tierversuchslabore Deutschlands. Die Firma forscht im Auftrag von Pharmaunternehmen, Chemie- und Nahrungsmittelkonzernen u. a. an Mäusen, Hamstern, Katzen, Hunden und Menschenaffen. Besonders die Hundeversuche am Standort Mienenbüttel sorgten schon häufiger für Proteste.