Buchholz

Musikschule Buchholz muss umziehen

Durch den drohenden Abriss des Hauses von Prosper-Christian Otto fehlen nun die Büroräume. Gebühren müssen erhöht werden

Buchholz. In den Streit zwischen Prosper-Christian Otto und der Stadt Buchholz um Ottos Schwarzbau im Sprötzer Wald könnten jetzt auch die 800 Buchholzer Musikschüler gerissen werden. „Die Gebühren für den Musikunterricht müssten um acht Prozent steigen, wenn das Büro der Musikschule in neue Räume verlegt wird“, sagt Otto. Bislang war sein umstrittenes Wohnhaus an der Straße Dependahl offizielle Geschäftsadresse, ab dem 26. September soll das aber abgerissen werden (das Abendblatt berichtete).

Ottos Ehefrau Christiane hatte bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand im März 29 Jahre lang die Musikschule geleitet, Otto selbst ist Vorsitzender des Musikschulvereins. Zwar gab es schon immer ein Büro im Dachgeschoss des Buchholzer Standesamts als öffentliche Anlaufstelle. Der eigentliche Sitz des Schule war aber im Hause Otto und damit recht kostengünstig. Dass die zwei engen Dachgeschosszimmer, die seit vergangenem Sonntag als Ausweichquartier genutzt werden, langfristig nicht in Frage kommt, verdeutlicht auch Schulleiter Thomas Hansen. „Wie soll man von hier aus vernünftig arbeiten?“, fragt er.

Er sehe es nun als seine Aufgabe an, adäquate Büroräume für die Musikschule zu finden, sagt Hansen. Eine normale Mietwohnung könne das jedoch nicht sein, denn zusätzlich zur Geschäftsstelle soll die neue Unterkunft auch über einen Unterrichtsraum verfügen. Die Musikschüler werden bisher in Schulgebäuden unterrichtet. Steht dort aber beispielsweise eine Veranstaltung oder ein Elternabend an, weiß man oft nicht, wohin. „Für uns wäre es deshalb wichtig, einen Ersatzraum zu haben.“ Eine mittelgroße Wohnung, die all diese Anforderungen erfülle, sei nur leider schwer zu finden, sagt Hansen. Er geht deshalb davon aus, noch mindestens bis Jahresende im Standesamt zu bleiben.

Generell bezeichnet es der Leiter als „sehr unglücklich“, dass die Musikschule in den Konflikt hineingeraten sei. Er befürchtet, dass das „tolle Engagement“ der 42 Lehrer Schaden nehmen könnte. Zwar hätten es viele Eltern bisher geschafft, zwischen dem Schwarzbau-Streit und der Arbeit der Musikschule zu trennen. Wenn das Ganze für sie aber eine Gebührenerhöhung zur Folge habe, weil der Verein die steigenden Kosten für die Miete nicht anders auffangen könne, höre das Verständnis vielleicht auf. „Die Eltern fragen sich dann, warum sie für einen Streit zwischen der Stadt und einem Privatmann zahlen müssen.“ Bisher kosten beispielsweise 45 Minuten Einzelunterricht im Normaltarif 60 Euro pro Monat, Gruppenunterricht ist ab 35 Euro zu haben.

Auch Prosper-Christian Otto bedauert die Gebührenerhöhung, sieht aber keine andere Möglichkeit. Ohnehin steht für ihn persönlich noch viel mehr auf dem Spiel. Jahrelang hat er mit der Stadt Buchholz um den Abriss seines Hauses gerungen, das er 1983 gekauft hatte. Zunächst weigerte er sich, den Bebauungsplan zu akzeptieren, mit dem die Stadt den größtenteils nach dem Zweiten Weltkrieg illegal errichteten Schwarzbauten in der Waldsiedlung Rechtssicherheit geben wollte – laut Bebauungsplan hätte Otto sein Haus verkleinern müssen. Er klagte und bekam Recht. Trotzdem wurde die Abrissverfügung der Stadt Buchholz vom Gericht für gültig erklärt.

So kam es, dass die Nebengebäude bereits im Herbst des vergangenen Jahres beseitigt wurden. Nur der Abriss seines Hauses, der eigentlich Ende März erfolgen sollte, verzögerte sich, parallel dazu liefen mehrere Klagen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht jetzt die jüngsten drei Einsprüche abgewiesen hat, deutet alles darauf hin, dass am 26. September das letzte Kapitel des Streits aufgeschlagen wird. Auch wenn Otto sagt, dass der „Drops noch nicht gelutscht ist“ und er weitere Rechtsmittel einlegen will, bereitet er seinen Auszug aus der idyllischen Siedlung vor.

Er habe bereits eine Unterkunft an der Hand, die zwar außerhalb von Buchholz liege, aber noch in der Nordheide, sagt der Opernsänger. „Ich spiele außerdem mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen.“ Er bezeichnet das, was sich abgespielt hat, als „Stück aus dem Tollhaus“. In den vergangenen Tagen habe er so viel Zuspruch von Bekannten und Unbekannten erfahren, das sei für ihn ein echter Trost.