Harburgs Stadtimker

Honig-Ernte vom Rathausdach ist fast ausverkauft

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Thomas Sulzyc

Harburgs Rathaus-Bienen haben 45 Kilo Honig produziert. Die erste Ernte der Aktion „Hamburg summt“ ist schon fast vergriffen. Stadtimker Thomas Krieger hat noch 20 Gläser der Harburger Spezialität

Harburg. Von der hektischen Stadtatmosphäre haben sich die 150.000 Bienen auf dem Dach des Sozialen Dienstleistungszentrums im Harburger Rathausforum nicht stören lassen. Harburgs Rathaus-Bienen haben 45 Kilo Honig produziert. Das gilt als ordentliche Ausbeute. Kaum war die erste Ernte der Aktion „Hamburg summt“ in 180 Gläser abgefüllt, ist sie schon beinahe vergriffen. Stadtimker Thomas Krieger aus Hausbruch hat noch 20 Gläser der neuen Harburger Spezialität.

Neben dem Imker selbst vertreibt bisher nur noch „Die Hafenkiste“ von Uschi Tisson in Ehestorf den Honig der Marke „Hamburg summt“. Die Journalistin vermarktet Spezialitäten aus Harburg in rustikalen Holzkisten in der Form von Seekisten. 20 Gläser hat sie sich von Thomas Krieger gesichert. Drei Euro kosten 250 Gramm Honig der Harburger Rathaus-Bienen. Die erste Ernte ist ein Lindenhonig mit Noten von Brombeere, Mauerpfeffer, Essigbaum und Lavendel. Das sind Blüten von Pflanzen, die Bienen im Sommer in Harburgs Zentrum aussuchen.

Die Kundschafter eines Bienenvolkes spüren die beste Nahrung in der Umgebung auf, erklärt Thomas Krieger. Anschließend bringen sie den übrigen Bienen Geschmacksproben mit. „In Harburg haben die Bienen dann die Linden angeflogen, das schmeckt man eindeutig heraus“, sagt der Imker. Bei der nächsten Ernte im Mai 2014 erwartet Thomas Krieger einen hohen Kastanienanteil in dem Honig. Der Geschmack werde kräftiger, herber sein, sagt er. Im nächsten Jahr will der Vorsitzende des Imkervereins Harburg, Wilhelmsburg und Umgebung beim Bieneninstitut Celle eine exakte Analyse der Inhaltsstoffe in Auftrag geben.

Die Initiative „Hamburg summt“ ist teil einer Deutschlandweiten Aktion, die Bevölkerung auf die Bedeutung der Honigbiene und der Wildbiene aufmerksam zu machen. Die Initiatoren wollen Menschen dazu anregen, heimische Pflanzen in ihren Gärten wachsen zulassen, damit wichtigen Lebensraum zu schaffen und den Bienen etwas Gutes zu tun. Am Ende hilft es dem Menschen selbst, denn Bienen sind für die Landwirtschaft als Bestäuber unersetzlich.

Um Aufmerksamkeit zu erzielen, wählt „Hamburg summt“ spektakuläre Orte für das Stadtimkern aus. Harburg machte im Juli auf dem Dach der Bezirksverwaltung mit drei Bienenvölkern den Anfang. Ein zweiter Standort ist inzwischen ein unter Denkmalschutz stehender Lastenkran auf dem Gelände des Kulturzentrums Kampnagel in Barmbek. Dort sei der Honig aber noch nicht ausgeschleudert worden, sagt Thomas Krieger. Im Gespräch sei zurzeit ein dritter Standort im Hamburger Hafen.

Aus Harburg stammt also der bisher einzige Honig der Marke „Hamburg summt“. Der natürliche Süßstoff fand reißenden Absatz: Von den 45 Kilo der ersten Ernte seien gerade einmal sechs bis sieben Kilo übrig, sagt Thomas Krieger. 86 Gläser gingen bei einem Verkaufsstand auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau (igs) in Wilhelmsburg weg. Mit 30 Gläsern startete der Testverkauf bei der igs schnell musste Ware nachgeordert werden. Meist hätten auswärtige Gäste den Honig als Mitbringsel gekauft, sagt Thomas Krieger.

20 Gläser hat Harburgs Bezirksamtsleiter Thomas Völsch erworben. Zusätzliche 36 Gläser gingen an die Mitarbeiter im Bezirksamt. Sie sitzen direkt and er Quelle, konnten Imker Thomas Krieger sehen, wenn er einmal die Woche die Schwarmstimmung seiner Bienenvölker kontrollierte und nach der Königin schaute. Winzige Gläschen mit jeweils 50 Gramm ließ er der Initiative „Hamburg summt“ zu Werbezwecken zukommen. Übrig ist lediglich Honig für rund 40 Gläser, jeweils 20 beim Imker und für die „Hafenkiste“-Vertriebsschiene.

Die Vermarktung des Honigs stehe nicht im Vordergrund der Aktion „Hamburg summt“, sondern die Kampagne für die Biene, sagt Thomas Krieger. Er sei kein Großimker und könne deshalb Supermärkten keine größeren Mengen garantieren. Im nächsten Jahr könne er sich aber vorstellen, dass ausgesuchte Händler den Honig vom Verwaltungsdach in Harburg verkaufen. „Mit Spezialitätengeschäften und Bäckereien könnte man ins Geschäft kommen“, sagt er.

Harburgs Rathaus-Bienen indes gehen in den Urlaub. Imker Thomas Krieger bereitet seine Saisonarbeiter, die im Jahr Honig für zwei Ernten produzieren, auf den Winter vor. Jedes der drei Bienenvölker auf dem Dach erwartet 15 bis 25 Kilo Futter in Form von Sirup oder Zuckerwasser. Die Bienen überwintern, in dem sich die Tiere zu einer Traube zusammenziehen und auf dem Futter sitzen. „Sie klinken ihre Flügel aus dem Bewegungsapparat aus und bewegen die Muskeln, um Wärme zu erzeugen“, erklärt der Imker eine hochkomplexe Überlebensstrategie. Trotzdem verzeichnen die Völker in der kalten Jahreszeit einen enormen Schwund: Sind es im Sommer noch 150.000 Bienen auf dem Verwaltungsdach, werden es im Winter nur noch 15.000 sein.

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