Harburg

Nach der Pleite auf Erfolgskurs

Die SBB Gruppe machte aus Jugend in Arbeit eine gemeinnützige GmbH und rettete den wichtigen Ausbildungsbetrieb

Harburg. Noch vor zwei Jahren sah es ganz danach aus, als müsse die Harburger Institution Jugend in Arbeit für immer die Tore schließen. Wie berichtet, musste der Verein, der sich in der Ausbildung und Fortbildung von Jugendlichen ohne Perspektiven engagierte, 2011 Insolvenz anmelden. Ein Insolvenzverwalter wurde bestellt. Der Verein, der die Jugendlichen zu Bootsbauern ausbildete, war zahlungsunfähig. Harburg drohte ein wichtige Institution im Binnenhafen für Jugendliche mit besonderem Förderungsbedarf zu verlieren.

Jetzt gehört Jugend in Arbeit im Binnenhafen zur SBB Gruppe, einer Hamburger Stiftung, die seit mehr als 30 Jahren auf dem Weiterbildungsmarkt tätig ist. Jetzt ist Jugend in Arbeit eines von insgesamt vier gemeinnützigen Unternehmen und auf klarem Erfolgskurs. „Der Schnitt war damals sehr hart. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren sehr viel Arbeit in die Struktur des Unternehmens investiert, um Jugend in Arbeit zukunftsfähig zu machen. Jetzt haben wir hier ein großartiges Team, mit dem man auch etwas Neues entwickeln kann. Das zahlt sich langsam aus. Aktuell stehen bei uns 15 Jugendliche und Jungerwachsene kurz vor der Prüfung zum Facharbeiter oder zum Gesellen, und zwölf Umschüler sind derzeit bei uns“, sagt Olav Vavros, 45, einer der drei Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH, die sich auf Fort- und Weiterbildung von jungen Menschen im klassischen Bootsbau, aber auch im Tischler- und Elektrohandwerk spezialisiert hat. Außerdem bietet Jugend in Arbeit auch sogenannte Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose.

„Diese Insolvenz war damals ganz bitter für den Bezirk Harburg und auch für den Bootsbau. Denn es gibt nicht mehr viele Ausbildungsbetriebe in diesem wunderschönen Handwerk, das Jugendlichen eine immense Bandbreite an beruflichen Perspektiven bietet. Und der Bezirk drohte einen Ausbildungsträger im Binnenhafen zu verlieren“, so Vavros, der selbst gelernter Maschinenbauer ist und derzeit an der Uni Hamburg Sozialökonomie studiert. Im Januar 2012 übernahm die SBB Gruppe den Betrieb Jugend in Arbeit vom Insolvenzverwalter, machte aus dem zahlungsunfähigen Verein eine gemeinnützige GmbH und strukturierte um.

Leider, so Vavros, mussten damals auch einige Mitarbeiter des Vereins gehen. Allerdings war das Ziel, Jugend in Arbeit wieder marktfähig zu machen, das bedurfte einiger Umstrukturierungen. Nach wie vor haben bei Jugendliche in Arbeit junge Menschen, die auf dem ersten Bildungsweg gescheitert sind, die Chance mit ihren Fähigkeiten in der Berufswelt Fuß zu fassen. Es gehe in erster Linie darum, so Vavros, ihnen Strukturen und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Kaum einer dieser Jugendlichen hat einen geraden Weg hinter sich. In der Werkstatt von Jugend in Arbeit in der Zitadellenstraße lernen die Azubis oder Umschüler nicht, und das hält Vavros für eines der Erfolgsheimnisse, an „toten Werkstücken, die am Ende kein Mensch braucht, sondern sie arbeiten an Kundenaufträgen, an Schultischen für die Bestellung einer Schule, an einem Jollenkreuzer, den ein Kunde zum Aufarbeiten oder Reparieren zu uns gebracht hat“.

Bei Jugend in Arbeit kümmern sich einerseits Handwerksmeister um die Azubis, aber auch Pädagogen. Und die Kunden auf dem freien Markt müssen Zeit mitbringen, wenn sie beispielsweise ihr Segelboot zur Reparatur in die Werkshalle in der Zitadellenstraße bringen. Als gemeinnützige GmbH kann es sich Jugend in Arbeit leisten, den Jugendlichen bei der Arbeit die Zeit zu geben, die sie brauchen. „Wir müssen keine Gewinne machen, wir müssen lediglich kostendeckend arbeiten“, erklärt Olav Vavros. Dennoch, auch ein Betrieb wie Jugend in Arbeit, der eng mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter zusammen arbeitet, müsse sich am Markt behaupten können. Und dass das auch in heutiger Zeit mit Qualität statt Geschwindigkeit und Dumpingpreisen geht, das zeigt sich ganz offensichtlich bei der Erfolgsgeschichte von Jugend in Arbeit.

Wenn die Bootsbauer und Tischler aus dem Binnenhafen ihren Facharbeiter- oder Gesellenbrief in der Tasche haben, brauchen sie die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt nicht zu fürchten. „Handwerk hat goldenen Boden, und der Fachkräftemangel, insbesondere im Bootsbau, bietet den jungen Menschen, die ihre Prüfungen vor der Handelskammer oder der Handwerkskammer ablegen, die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. für die kommende Umschulung zum Bootsbauer ab 1. November 2013 hat Jugend in Arbeit noch Plätze frei. Weitere Infos unter Telefon: 7679518-22 oder Telefon: 7679518-11.