Salzhausen

Ex-Chefarzt will Klinik retten

Christoph Schlichting stellt eigenes Konzept für Salzhausener Krankenhaus vor. Mediziner geht vor das Arbeitsgericht

Salzhausen. Für das Gespräch mit der Zeitung hatte sich hatte er sich einen sicheren Platz weit ab vom Hauptschauplatz augesucht. „Aber ich bin noch da und ich kämpfe“, sagt Christoph Schlichting. Für ihn geht es nicht nur um seine, sondern auch um die Zukunft des Krankenhauses Salzhausen. Wie weit seine Pläne aber realistisch sind, ist ungewiss. Der ehemalige Chefarzt, der zum 1. Oktober auch geschäftsführender Vorstand des in deutliche Schieflage geratenen Hauses werden sollte, ist fristlos entlassen.

Es war ein unerwartet kurzes Arbeitsverhältnis zwischen den Krankenhaus und dem Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, der in den USA an der Stanford-Universität geforscht hat und zudem über einen Fachhochschulabschluss im Krankenhaus-Management verfügt. Der 47jährige hatte seine Tätigkeit am 1. April begonnen, als das Krankenhaus bereits nach einem Insolvenzantrag im Schutzschirmverfahren geführt wurde. Schlichting kam, weil ihm zugesichert wurde, dass er in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) aufbauen sollte, wie er sagt. Das geht auch aus seinem Arbeitsvertrag hervor, der dem Abendblatt in Auszügen vorliegt. In dem Zentrum sollten Ärzte mit umfangreichen Spezialkenntnissen angesiedelt werden, zu denen auch Neuro-Chirurgen, Internisten und allgemeine Chirurgen gehören sollten. Doch dann kam alles anders.

Einige Tage nach der Aufsichtratssitzung im Krankenhauses vom 12. Juni erfuhr der Arzt mitten in den Verhandlungen mit einem Kollegen, dass für das MVZ „kein Geld mehr da war. Angeblich gab es im Krankenhaus eine Liquiditätslücke von rund 500.000 Euro“, erinnert sich Schlichting. Er reagierte, bat am 25. Juni die beiden Vorstände der Träger-Genossenschaft, Jürgen Meinberg und Andreas Engel sowie einen Vertreter des Aufsichtsrats zu einem Gespräch. Dann unterbreitete er einen überraschenden Vorschlag: Wenn man künftig auf die Beratung des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) verzichten und damit gut 550.000 Euro einsparen würde, könnte das Krankenhaus unter seiner Führung mit neu angeworbenen Ärzten gerettet werden. Dafür müsste nur seine geplante Beförderung an die Spitze des Krankenhauses vom 1. Oktober auf den 1. Juli vorgezogen werden.

Freude löste er damit nicht aus. Denn IGSF-Geschäftsführerin Ute Golbach, die nach der Insolvenz ein Sanierungskonzept für das Krankenhaus entwickelt hat, leitet derzeit die Einrichtung mit gut 200 Beschäftigten. „Es begann eine Zeit der Auseinandersetzungen, in der ich aber durchgehend und mit sehr gutem medizinischen und betriebswirtschaftlichen Erfolg operiert habe“, versichert Schlichting. Es habe weder Wundheilungsstörungen noch Infektionen gegeben.

Doch das Tischtuch zwischen ihm und dem Krankenhaus-Management war zerrissen. Am 29. August wurde Schlichting freigestellt. Ein paar Tage später, Anfang September, schickte man ihm die fristlose Kündigung. „Die geht darauf zurück, dass ich Ende August mit einem Partner als externer Investor dem Gläubigerausschuss ein Konzept vorgestellt habe“, sagt Schlichting. Zu diesem Zeitpunkt musste er jedoch ohne aktuelle Geschäftszahlen argumentieren, so dass sein Vorschlag wenig Widerhall fand.

Wie es jetzt jedoch in Salzhausen weitergehen soll, ist offen. Der Vertrag von Golbach sollte bisher zum 1. Oktober auslaufen, weil dann neben den beiden ehrenamtlichen Vorständen aus der Genossenschaft ein ärztlicher Direktor die Leitung übernehmen sollte. Am heutigen Donnerstag tagt nun erneut der Gläubigerausschuss. Landrat Joachim Bordt hat für den Kreis angekündigt, „sich an Überlegungen zur Stabilisierung der wirtschaftlichen Perspektive des Krankenhauses konstruktiv zu beteiligen. Denn um „die Versorgungsstrukturen im Landkreis unter medizinisch fachlichen wie ökonomischen Gesichtspunkten zukunftsfähig zu entwickeln“ sei es „unverzichtbar, die Leistungsangebote des Krankenhauses Salzhausen sowie der Krankenhäuser Buchholz und Winsen eng aufeinander abzustimmen.“ Johannes Freudewald, der Sprecher des Kreises, hält es zudem für möglich, dass beide Häuser künftig Personal aus Salzhausen einstellen könnten.

Schlichting sieht die Perspektive Salzhausens als möglicherweise an die beiden Kreiskrankenhäusern angedockte Einrichtung skeptisch. „Dann wäre das Haus nur noch ein Satellit der anderen Häuser. Ich sehe kaum Chancen, die Belegschaft von 200 Mitarbeitern zu halten“, sagt der Ex-Chefarzt. Seine Vision, an der er festhält, wäre dagegen, Salzhausen zu einem Facharztzentrum und als lokales Traumazentrum auszubauen. „Wir könnten künftig die akute Erstversorgung in Notfällen übernehmen und für schwerere Fälle mit den Kliniken in Lüneburg und Hannover zusammenarbeiten. Ich stehe weiter zur Verfügung, um Kollegen dafür zu werben“, sagt er. Das Krankenhaus sei ein „Rohdiamant“, der nur noch geschliffen werden müsse.

Von der Krankenhaus-Geschäftsführung gab es am Mittwoch auf Anfrage des Abendblatts keine Stellungnahme zur aktuellen Lage. Die ungewisse Zukunft des Hauses wird am 17. September auch Thema bei der Generalversammlung der Genossenschaft in Rüter’s Hotel in Salzhausen sein. Schlichtings nächster Schritt dagegen steht fest. Er wird gegen seine fristlose Kündigung vor dem Arbeitsgericht in Lüneburg klagen.