Heimfeld

Das Fest kann kommen

Bestsellerautorin Dora Heldt hat jetzt „Wiehnachten as jümmers...“, ihr erstes Buch auf Platt, vorgelegt

Heimfeld. Wenn es Dora Heldt in einen Heimfelder Hinterhof verschlägt, muss sich Besonderes anbahnen. Anfang dieser Woche war die 51-Jährige zu Gast beim kleinen Quickborn-Verlag, der ziemlich versteckt in einem idyllischen Gartenhaus am Alten Postweg beheimatet ist. Dorthin hatte Verleger Peer-Marten Scheller die Bestsellerautorin eingeladen, um 400 Exemplare eines etwas anderen Heldt-Buches zu signieren.

„Wiehnachten as jümmers…“ heißt das neunte Werk der gebürtigen Sylterin. Es ist klein, handlich und, der Titel lässt es bereits erahnen, erstmals op platt. Damit könnten sich Heldt-Fans zu Weihnachten nun doppelt beschenken (lassen), frohlockt Scheller: „Zum einen, weil es sich um das erste Heldt-Buch auf Plattdeutsch überhaupt handelt. Zum anderen, weil sich die drei Erzählungen rund um das heilige Familienfest selbst drehen.“

Als die Idee erst einmal geboren war, ist er sich mit Dora Heldt schnell einig geworden. Da störte es auch nicht weiter, dass sich die Autorin nicht zutraute, ihre Geschichten selbst ins Niederdeutsche zu übertragen. „Ich verstehe alles, kann es aber selbst nicht sprechen“, sagte Dora Heldt dem Abendblatt. Dabei sei zu Hause viel Platt gesnackt worden: „Meine Großmutter beherrschte es, meine Mutter auch.“

Natürlich werden die Leser wieder auf manche Figur treffen, die ihnen bereits aus den Erfolgsbüchern „Urlaub mit Papa“, „Tante Inge haut ab“ oder „Unzertrennlich“ bekannt vorkommen dürfte. Auch die drei Weihnachtsgeschichten seien alle irgendwie familieninspiriert. Oder es gebe Ähnlichkeiten zu Freundinnen und guten Bekannten. „Ich habe halt Probleme etwas zu beschreiben, das ich nicht selbst erlebt habe“, sagt Dora Heldt.

Alle Texte lagen übrigens vor, bevor das Projekt zum plattdeutschen Buch entstand. Die Erzählungen „Schwesterntag“ und „Ein Weihnachtsjob“, in dem eine sitzen gelassene Detektivin an Heiligabend einen vermissten Hunde aufspüren soll, sind vor einigen Jahren schon mal in Zeitschriften veröffentlicht worden. Die Titelgeschichte „Weihnachten wie immer“ ist bislang allerdings unveröffentlicht, wurde indes auch für ein E-Book aufbereitet.

„Die drei Erzählungen passen wunderbar in die norddeutsche Landschaft, weil sie alle auf Sylt oder in Hamburg spielen. Deshalb wirkt Platt hier auch besonders authentisch“, sagt Verlagschef Peer-Marten Scheller, der neben Heike Thome-Scheel für die Übertragungen ins Niederdeutsche verantwortlich zeichnet.

Mit ihrem neunten Buch ist Dora Heldt gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Denn eine Weihnachtsgeschichte war es auch, mit der sie als Autorin ihr allererstes Honorar verdient hat. „Ich war zwölf Jahre alt und es war ein Schulaufsatz“, erzählt Bärbel Schmidt, wie die Erfolgsautorin mit bürgerlichem Namen heißt. „Meine Deutschlehrerin Eike Kränz gefiel er so gut, dass sie ihn, ohne mich zu fragen, an die ,Lübecker Nachrichten’ schickte. Die Zeitung druckte meinen Text und überwies mir dafür 20 Mark.“

Für diesen eigenmächtigen Akt ist Dora Heldt ihrer einstigen Lehrerin noch heute dankbar: „Sie hat meine Lust am Schreiben angefacht. Und mir früh das Bewusstsein vermitteln, dass ich das wirklich kann.“ Bis zum großen Durchbruch sollten dann aber noch 30 Jahre vergehen. Erst mit Anfang 40 traute sich die Tochter eines Berufssoldaten ihr erstes eigenes Buch („Ausgeliebt“) zu, nachdem sie zuvor als Verlagsvertreterin unzählige Fremdmanuskripte betreut hatte.

Inzwischen sind fast alle ihre Werke auch verfilmt worden, ausnahmslos vom ZDF und Regisseur Mark von Seydlitz. Ihr persönliches Lieblingsbuch ist noch immer „Urlaub mit Papa“. Das erfolgreichste war „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“, das bis dato eine halbe Million mal verkauft wurde.

In solche Sphären wird „Wiehnachten as jümmers...“ wohl kaum vordringen können. „Die erste Auflage umfasst 3000 Exemplare“, sagt Peer-Marten Scheller. Der sich aber sicher ist, dass diese auch über den Ladentisch gehen werden: „Wir haben jedenfalls schon eine zweite Auflage mit weiteren 2000 Exemplaren vorbereitet.“

Wer nicht bis zum Weihnachtsgeschäft warten und seine Neugier schon jetzt stillen will, dem sei ein Besuch von „Leichers Buchhandlung“, Meyerstr. 1, empfohlen. Dort liegen ab sofort 20 der handsignierte Exemplare von „Wiehnachten as jümmers...“ bereit. Dass Inhaberin Regine Schneider aber jederzeit lieferbereit ist, was das erste plattdeutsche Buch von Dora Heldt angeht, gilt als sicher. Denn Schellers Quickborn-Verlag sitzt ja gleich um die Ecke.

„Wiehnachten as jümmers…“, drei weihnachtliche Erzählungen op platt von Dora Heldt, ISBN 978-3-87651-381-2, Preis: 10,80 Euro.