Neugraben

Mythos Hamburger Hafen

Die Galerie am Falkenberg in Neugraben zeigt 35 Schwarz-Weiß-Fotos von Walter Haidvogl aus den 60er-Jahren

Neugraben. Wer in diesen überaus hektischen Zeiten seine Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ stillen will, der sollte die Galerie am Falkenberg der Seniorenresidenz Neugraben besuchen. Wer noch dazu ein Liebhaber des Hamburger Hafens ist, für den ist ein Trip an den Falkenbergsweg 3 gewissermaßen ein Muss. Denn bis zum 12. November sind dort 35 eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotos des Fotografen Walter Haidvogl zu sehen.

„Altes Hamburg“ hat der 83-Jährige seine Werkschau kurz und bündig genannt – und dieses Versprechen löst er auch konsequent ein. Wobei sich die Auswahl ganz auf den Hafen in den 60er-Jahren fokussiert und die Menschen, die dort arbeiteten. „Der Hafen hat mich immer fasziniert, er übte auf mich eine geradezu magische Anziehungskraft aus“, sagt Haidvogl: „Weil er eben das Tor zur Welt ist, das Fernweh beflügelt, einen von fernen Ländern und Gestaden träumen lässt.“

Schon als Kind sei er mit seinem Vater, einem gebürtigen Österreicher, oft auf dem Fischmarkt gewesen und habe auch auf den Landungsbrücken viel Zeit verbracht. „Wann immer ich konnte, bin ich dort hin. Stundenlang habe ich beobachtet, wie Schiffe ankamen und abfuhren, be- und entladen wurden“, so Haidvogl. Hafen, das sei für ihn immer der Inbegriff pulsierenden Lebens gewesen: „Mit einem besonderen Flair und so vielen interessanten Menschen. Für einen leidenschaftlichen Fotografen boten sich da spannende Motive in Hülle und Fülle. Vor allem früh und abends, wenn das Licht besondere Effekte ermöglichte.“

Die erste Kamera, eine Juka-Box, bekam Walter Haidvogl 1942, da war er 13 Jahre alt. Deutschland befand sich mitten im zweiten Weltkrieg und Kamerazubehör war rar. So war er ständig auf der Suche nach gebrauchten oder defekten Kameras. Haidvogl: „Ich habe vieles selbst gebaut. Auch deshalb, weil mich die Technik interessierte.“ Bis auf die Juka, die bei einem Bombenangriff 1943 in der elterlichen Wohnung verbrannte, sind noch heute alle anderen sieben Kameras, mit denen er je fotografierte, in seinem Besitz.

Natürlich hat der gelernte Werkzeugmacher, der bis zu seiner Pensionierung für den Schiffsmotorenhersteller Jastram-Werke in Hamburg-Bergedorf arbeitete, alle seine Bilder selbst entwickelt, abgezogen, vergrößert. „Das war zu Zeiten der analogen Fotografie noch eine richtig spannende Angelegenheit. Weil man ja nie sicher sein konnte, ob das Bild auch etwas geworden ist“, so Haidvogl.

Die Arbeit mit den digitalen Apparaten überlässt er heute lieber seinen vier Kindern, die alle selbst gern fotografieren. Für sie hat er individuelle Alben erstellt, die ihre Kindheit aus der fotografischen Sicht des Vaters nachzeichnet. Seinen Bilderfundus hat er unterdessen Schwiegersohn Jörg Dietz übergeben. Der IT-Experte, der selbst einmal Profifotograf werden wollte, soll das lichtbildnerische Werk in die „digitale Welt“ retten.

„Das war ein lang gehegter Wunsch meines Schwiegervaters“, sagt Dietz, der an der Volkshochschule Lüneburg selbst Fotokurse leitet. Also machte er sich daran, den Fundus zu sichten und die mehr als 3500 Negative sukzessive zu digitalisieren. „Das ist eine echte Herausforderung“, so Dietz, „weil sie erst mal hochauflösend eingescannt und viele anschließend auch noch mit speziellen Programmen nachbearbeitet werden müssen.“ Das könne pro Bild schon mal vier Stunden dauern, weshalb er bislang auch erst 450 geschafft habe.

Die Mühen hätten sich aber in jedem Fall gelohnt, sagt Jörg Dietz: „Unter den Bildern meines Schwiegervaters sind einige echte Perlen und einzigartige Zeitdokumente, die in solcher Qualität nicht alltäglich sind.“ So sei die Idee entstanden, die besten Fotos wieder mal einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In den 60er-Jahren hatte Walter Haidvogl bereits einige Ausstellungen, unter anderem in der Abendblatt-Geschäftsstelle in der Mönckebergstraße, im Helms-Museum und im Hamburgischen Museum für Geschichte. Nun, nach mehr als 40 Jahren, gibt es also eine Neuauflage in der Galerie am Falkenberg in Neugraben. Getreu des Haidvogl-Mottos „Willst Du etwas zeigen, dann zeige es groß“ hat Dietz 35 Fotos seines Schwiegervaters aufbereitet und vergrößert. Abzüge aller Motive können übrigens käuflich erworben werden und kosten je nach Größe zwischen elf und 27 Euro.

„Talent ist in der Fotografie wichtiger als Technik“, sagt Jörg Dietz. Für diese These seien die Fotos von Walter Haidvogl ein schöner Beweis. Doch nicht nur deshalb lohnt ein Besuch in Neugraben. Denn wie gesagt: Schöner als in Haidvogls Hafenfotos lässt sich eine nostalgische Zeitreise ins Hamburg der 60er-Jahre kaum denken.

Fotoausstellung „Altes Hamburg“, 35 Schwarz-Weiß-Bilder von Walter Haidvogl in der Galerie am Falkenberg, Falkenbergsweg 3, in Neugraben. Bis 12. November montags bis freitags 9 bis 17 Uhr und sonnabends von 12 bis 16.30 Uhr. Weitere Infos im Internet unter www.altes-hamburg.de