Harburg

Bodenständig international

Vor 30 Jahren gründete Friseur Ronald Reinholz sein Harburger Unternehmen. Auch in den Modemetropolen kennt man ihn

Harburg. Das Friseurgeschäft in der ersten Etage des Phoenix-Centers misst ganze 71 Quadratmeter. Doch an einer Wand erfassen drei Uhren drei Zeitzone: Hamburg, New York, Tokio. Das Ausstattungsdetail ist ein dezenter Hinweis darauf, dass der Inhaber nicht nur in der Metropolregion zu Hause ist. Denn Ronald Reinholz schneidet auch in den weltweiten Modezentren, zu denen auch Mailand, Amsterdam, Paris oder London zählen, die Haare. So zählt der 54jährige seit Jahren zu den 35 Deutschen, die in den weltweiten Branchen-Club Haute Coiffure Francaise aufgenommen wurden und prägt damit internationale Trends mit. In Norddeutschland kann dies außer ihm nur die Hamburger Unternehmerin Marlies Möller von sich sagen. Seine Wurzeln hat der Meister jedoch nicht aus den Augen verloren. Am kommenden Dienstag feiert sein Unternehmen sein 30jähriges Bestehen.

Reinholz startete in Harburg nach einer Lehre bei der Hamburger Firma Rolf&Bernd in die Selbstständigkeit. Der junge Meister mietete sein erstes Geschäft in der Hölertwiete und vergrößerte den Laden nach und nach bis er gleich gegenüber eigene Räume erwerben konnte. Danach wechselte er in den Harburger Ring, wo sich die Zentrale noch heute auf 300 eigenen Quadratmetern befindet. An seinen danach neu eingerichteten Standorten bringt Reinholz nun vor allem junge Friseure unter, die bei ihm gelernt haben. Sie schneiden mit einer von ihm erfundene Technik, die sich nicht nur schnell erlernen lässt, sondern es auch erleichtert, Schnitte ohne Probleme zu wiederholen. „Auch heute sind von unseren 40 Angestellten zehn Lehrlinge, mit denen wir unsere Zukunft absichern“, sagt Ronalds Sohn Christoph, der ebenfalls zur Geschäftsführung gehört. Der Hintergrund: Zuletzt hatten sich nach seiner Beobachtung deutlich weniger junge Leute für eine Lehre entschieden.

Das Familienunternehmen, das nach einer Untersuchung 96 Prozent der Menschen in Harburg kennen, hat heute neben den beiden Salons in Harburg einen in Neu Wulmstorf und den neuesten in der Hafencity. Die Expansion in Standorte im Landkreis hat sich als wenig erfolgreich erwiesen. „Wir sehen heute gute Standorte dort, wo viele Menschen leben und arbeiten“, sagt Christoph Reinholz. Der Junior-Chef kann sich so weitere Läden in Blankenese, Eppendorf oder in Lüneburg vorstellen. Schon jetzt würde er gern neue Mitarbeiter einstellen. „Zwei bis fünf könnte ich schon gebrauchen“, sagt er.

Vater und Sohn Reinholz setzen im Gegensatz zu Discountern auf ein Angebot, für das die Kunden bereit sind, höhere Preise zu zahlen. Ein Herrenschnitt mit Waschen kostet 28,50 Euro, bei den Damen sind es 46,50 Euro. Dafür bietet das Geschäft aber besonders ausgebildetes Personal. So dürfen die Angestellten vier Mal im Jahr eine Weiterbildung besuchen und werden über Tarif bezahlt. Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Insgesamt werden pro Monat in allen Filialen 3000 bis 4000 Kunden bedient. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt der Senior über seine Strategie, die das Familienunternehmen auch durch die Wirtschaftskrise geführt hat. „Den Hang mich selbstständig zu machen, habe ich wohl von meinem Großvater geerbt. Der hatte ein Fuhrgeschäft in der Nähe von Wismar.“

Klar ist: Das Können von Ronald Reinholz fiel früh auf. Schon bei seinem ersten Arbeitgeber arbeitete er mit dem französischen Haarpflegemittel-Hersteller L’Oreal zusammen. Als Selbstständiger gründete er eine Akademie, die heute in der Zentrale am Harburger Ring Schulungsräume für 30 Friseure sowie zehn Plätze für die praktische Ausbildung bereithält. Vater und Sohn gehen aber auch zu Salons vor Ort, um dort ihre Schneidemethode zu lehren. Zusammen mit L’Oreal sind die beiden Meister auf internationalen Bühnen in New York, Mailand, London oder Paris unterwegs, wenn dort neue Trends vorgestellt werden. Auch bei den Europa Kollektionen der Franzosen waren die Reinholz schon gefragt. „Dabei werden Fotografien von Modells mit neu kreierten Frisuren gemacht, die dann zusammengefasst zu Heften für die Saison als Trendsetter gelten“, sagt Reinholz-Junior. „Mit L’Oreal gingen für uns die Türen zu den großen internationalen Shows für Friseure auf.“ Kein Wunder, dass die Feier zum Jubiläum am Dientag nun auch in der Hamburger Akademie von L’Oreal stattfindet. Am selben Tag wird Reinholz Senior 55.

In den nächsten fünf Jahren soll Christoph nach und nach das Unternehmen vom Vater übernehmen. Reinholz zweiter Sohn Dominik hat sich bereits vor zwei Jahren in der Hamburger Innenstadt selbstständig gemacht. „Mein Ziel ist es, das Geschäft als florierendes Unternehmen zu übergeben“, sagt der Senior. Irgendwann, nach seinem 65. Geburtstag, will er dann nur noch frisieren, wenn es ihm Spaß macht. Aber für die eine oder andere Urlaubsvertretung hat er sich künftig bereits angemeldet.