Harburg

Neue Zentrale für den Binnenhafen

Becker Marine Systems will Platz für Mitarbeiter schaffen. Chancen für Einstieg in Fährverkehr

Harburg. Bis zum Jahreswechsel will der Harburger Schiffbauzulieferer Becker Marine Systems seine neue Zentrale im Binnenhafen beziehen. Auf den geplanten 4000 Quadratmetern will Firmenchef Dirk Lehmann in einem ersten Schritt bis zu 150 Mitarbeiter beschäftigen. Noch arbeiten die derzeit 100 Angestellten am Neuländer Kamp. „Die Baugenehmigung haben sich über sieben Monate hingezogen. Das hat uns behindert. Wir können derzeit nicht so schnell einstellen wie wir wollten, weil uns der Platz fehlt“, sagte Lehmann, der geschäftsführende Gesellschafter von Becker Marine dem Abendblatt.

Insgesamt wird das Unternehmen für den Neubau auf dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück zehn Millionen Euro investieren. Im Binnenhafen werden Vertrieb, Entwicklung und die zentralen Funktionen zusammengefasst. Lehmann setzt weiter auf Expansion. Nach rund 70 Millionen Euro Umsatz 2011 stiegen die Erlöse des Unternehmens, das zu den Weltmarktführern bei Schiffs-Rudersystemen zählt, im vergangenen Jahr auf 86 Millionen Euro. „In diesem Jahr geht es weiter bergauf“, sagte Lehmann.

Ein Grund dafür ist auch die neue Becker-Marine-Produktion in China. „Hier liefen die Genehmigungen schneller als in Deutschland“, sagte Lehmann. So begannen zwar die Planungen für die neue Montagehalle in der Nähe von Shanghai ebenfalls Ende 2012, doch im Reich der Mitte wird schon gefertigt. 50 Mitarbeiter von Becker Marine stellen dort Komponenten für die Ruder sowie für den von Lehmanns Partner Friedrich Mewis entwickelten Mewis-Tunnel her. Die weltweit patentierte Ringkonstruktion für Schiffspropeller, die jetzt zum 500. Mal verkauft wurde, spart bei Frachtern und Tankern Treibstoff ein.

„Guter Hoffnung“ ist Lehmann für die Becker-Marine-Tochter Watten Fährlinien GmbH. Sie soll künftig mit einem von den Harburgern entwickelten Fährschiff-Typ Verbindungen zwischen den den nordfriesischen Inseln und Halligen anbieten. Bisher gab es aber Schwierigkeiten einen Anleger im Hafen von Wyk auf Föhr zu finden.

„Wir führen jetzt Gespräche mit potenziellen Kunden. Das Interesse ist groß“, sagt Lehmann. Eine Entscheidung für den Start könnte bis zum Jahresende fallen. Der Clou der Fähren: Sie werden mit Flüssiggas betrieben, das auf Lkw-Anhängern an Bord transportiert wird. Beim Verbrennen entstehen keine Schwefelemissionen und Ruß gelangt nicht in die Luft. Für die zwei Fähren rechnet Lehmann mit einem Bauzeit von jeweils 18 Monaten und einem Preis von je gut zehn Millionen Euro. Noch ist der Auftrag nicht vergeben. Er soll in Nordeuropa bleiben.