Harburg

Im Dienste der Engelbek

Beim Sommerfest für den Fluss arbeiten die Schüler des Humboldt-Gymnasiums am Bachbett

Harburg. Ast übers Knie, einmal an den Enden biegen – knack – und er zerbricht. Dann rein in den Bach. Die Jungen und Mädchen vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium stehen mit Wathosen im knietiefen Wasser der Engelbek und arbeiten emsig im Bachbett. Alle paar Meter haben sie bereits Astbündel, so genannte Strömungslenker, in der Engelbek angehäuft. Was für manche aussehen mag, als hätte irgendjemand Gartenabfall im Bach Engelbek abgelegt, sind professionelle Arbeiten am Ökosystem des Gewässers.

Was genau hinter den Arbeiten steckt, wollen die Akteure, die sich um die Revitalisierung und Renaturierung des Baches kümmern, Besuchern näher bringen. Deshalb haben sie zum Sommerfest der Engelbek eingeladen. Wer will, kann an diesem Tag selbst aktiv werden. Und so vermischt sich der Geruch vom gespaltenen Holz mit dem Duft von gebratenen Würstchen, der von der wenige Meter entfernten Festwiese am Krönenbarg zum Bach herüberzieht. Viele der Gymnasiasten stehen nicht zum ersten Mal in der Engelbek. Bereits im Frühjahr, als sie die fünfte Klasse besuchten, bauten sie Strömungslenker und beteiligten sich an dem Projekt „Lebendige Engelbek“.

Zur Feier des Baches setzen sie die Arbeiten fort. Ziel der Aktion ist, die Engelbek zu revitalisieren. Das heißt: Kleine Organismen sollen sich in dem Bach wieder ansiedeln, so dass die Fische mehr Futter vorfinden und sich ebenso vermehren. „Auf feinem Sand wächst nichts, an Steinen und Holz aber schon“, sagt Timm Geissler, Inhaber vom Ingenieurbüro Wasserland und Koordinator der Arbeiten am Bachbett. Je lebendiger es wird im Gewässer, desto höher die Chance, dass sich die Wasserqualität verbessert. Zu den Aktionen des Sommerfestes zählt auch, sich mit der Wasserqualität auseinander zu setzen. Einige Besucher nutzen die Chance und werfen einen Blick ins Mikroskop.

Seit 2005 läuft das Projekt „Lebendige Engelbek“, an dem sich unter anderem das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, das Bezirksamt Harburg und der Naturschutzbund beteiligen. Das Projekt ist auf die gemeinsame Initiative vom Wasserbauingenieur Timm Geissler und der Lehrerin Christa Grimm vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium zurückzuführen. „Die Schüler sollen sich nicht erzählen lassen, wie ein Fisch gut lebt, sondern mitarbeiten“, sagt Christa Grimm. Also wurden die Schüler direkt am Bach aktiv. Mit Erfolg. „Die Schule hat erkannt, wie viel Spaß es den Schülern bringt, und der Lernerfolg ist auch sehr hoch“, sagt Christa Grimm.

Und so hat das Gymnasium jedes Jahr Fünftklässler an die Engelbek gebracht. Ein Halbjahr lang beschäftigen sich die Schüler mit der Revitalisierung des Gewässers sowie mit den morphologischen, biologischen und chemischen Zusammenhängen. „Sie gehen also nicht nur einen halben Tag lang an den Bach und buddeln“, sagt Lehrerin Yvonne Musolff-De Nardo, die jetzt zusammen mit ihrer Kollegin Dagmar Bertholter das Projekt verantwortet. Vielmehr wird das Thema in den Regelunterricht eingebunden. „Die Schüler lernen beispielsweise, wie sie das Wasser wieder sauber bekommen“, erläutert Yvonne Musolff-De Nardo.

Später, wenn die Fünftklässler in die Oberstufe wechseln, erläutern sie den jüngeren Schülern, wie sie bei den Bachbettarbeiten vorgehen sollten. Auch heute beim Engelbek-Sommerfest sind einige Oberstufenschüler in die Wathosen geschlüpft und leiten die jüngeren Kinder an, darunter Pia, 17, und Damian, 18.

Sie erläutern, warum die Äste wo abgelegt werden müssen und referieren über den Sinn von Strömungslenkern. „Irgendwann wird jeder Kleine groß und kann dann seine Erfahrungen weitergeben und helfen, und lernt so, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Yvonne Musolff-De Nardo.

Dadurch gelingt es den Initiatoren, das Gewässer ins Blickfeld der Harburger zu rücken. „Die Schüler sprechen von ihrer Engelbek und das zieht immer weitere Kreise“, sagt Timm Geissler. Das ist auch einer der Gründe, weshalb Geissler mit Schülern und nicht mit Experten wie etwa Wasserbauingenieuren arbeitet.

Die Schüler haben sichtlich ihren Spaß daran, in der Engelbek herumzuwaten. „Mir gefällt es, dass ich in der Natur arbeiten kann“, sagt Mathis, der unter Anleitung von Damian Strömungslenker baut, während Lea und Charlotte wenige Meter entfernt Holzpfähle ins Flussbett rammen, damit die Äste nicht gleich fortgeschwemmt werden. Luis, Reyk, Alex, Marvin und Joey wiederum bepflanzen das Ufer.

Die über Jahre geleistete Arbeit am Bachbett zeigt bereits erste Erfolge. „Die Wasserqualität hat sich verbessert“, sagt Timm Geissler. „Wir haben Organismen vorgefunden, die vorher nicht da waren.“ Das ist vor allem den Schülern des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums zu verdanken. Um so mehr haben sie ein Recht, von „ihrer Engelbek“ zu sprechen.