Harburg

Schüler fahndet nach Fahrraddieb

| Lesedauer: 4 Minuten
Jochen Gipp

Der 13 Jahre alte Lars Flamme aus Heimfeld wünscht Gerechtigkeit und fordert vom Täter Rad und Posaune zurück

Harburg. Er ist richtig sauer und auch wütend. Der 13 Jahre alte Lars Flamme aus Heimfeld möchte sein Fahrrad und seine Yamaha-Posaune zurück haben. Ein Dieb, vermutlich Gelegenheitstäter, hat sich beides am 13. August am Fahrradständer vor der Budnikowsky-Filiale an der Heimfelder Straße 46 unter den Nagel gerissen. Mit Rad und Posaune ist er innerhalb weniger Sekunden Richtung Harburger Innenstadt verschwunden. Zeugen beobachteten den Diebstahl. Und inzwischen liegen auch Video- und Fotoaufnahmen aus einer Überwachungskamera vor. Lars Flamme hatte sofort, nachdem der Dieb mit dem Fahrrad verschwunden war, die Polizei gerufen. Die Beamten nahmen alle Daten zu Protokoll und suchen nun auch nach dem Dieb, der auf dem Foto gut zu erkennen ist. Besonders auffallend ist seine leuchtend grüne Armbanduhr. Und Friedhelm Schneider, Kripo-Chef am Harburger Polizeikommissariat 46, könnte sich vorstellen, dass der Dieb schon bald gefasst werden kann. Bleibt nur die Frage, ob Lars dann sein Fahrrad und die Posaune noch wiederbekommt oder ob der Dieb seine Beute in der Zwischenzeit bereits verscherbelt hat.

„Natürlich trage ich auch selbst eine Mitschuld am Diebstahl“, sagt der 13-Jährige, „ich war in Eile, wollte nur kurz eine Besorgung bei Budni machen und hatte ganz einfach versäumt, mein Fahrrad abzuschließen. Damit habe ich dem Dieb die Möglichkeit geschaffen, ohne großen Aufwand das Fahrrad stehlen zu können. Zu dumm, dass ich auch noch den Koffer mit der Posaune auf dem Gepäckträger des Rades gelassen habe. Der Diebstahl von Fahrrad und Musikinstrument ist für mich ein großer Verlust.“

Laut Kripo-Chef Schneider zählt Harburg innerhalb des Hamburger Stadtgebiets zu den Hochburgen des Fahrraddiebstahls. Im Sommer ist die Zahl der Fahrraddiebstähle deutlich höher als in den Wintermonaten. Und was bringt die Fahrrad-Codierung, die von der Polizei angeboten wird? „Mit der Codierung des Rades wird auch der rechtmäßige Besitzer registriert“, sagt Schneider, „das schützt zwar nicht vor dem Diebstahl des Fahrrads, aber wenn ein gestohlenes Fahrrad gefunden wird, lässt es sich dem rechtmäßigen Besitzer schnell wieder zuordnen.“

Das Fahrrad von Lars Flamme war nicht codiert. Kommenden Monat wird der Schüler der neunten Klasse des Harburger Friedrich-Ebert-Gymnasiums 14 Jahre alt. „Das Fahrrad hatte ich zu meinem elften Geburtstag geschenkt bekommen“, sagt er. Und Lars hatte sein schwarzes Fahrrad der Marke Pegasus, 26 Zoll-Radgröße und Achtgang-Shimano-Nabenschaltung, seitdem gut gepflegt. „Ich bin mit dem Rad jeden Tag zur Schule gefahren“, sagt er, „jetzt muss ich zu Fuß gehen. Ich ärgere mich über die Skrupellosigkeit des Täters. Der hat mich beobachtet und mit voller Absicht bestohlen. Das war bestimmt nicht seine erste Straftat. Mein Gefühl für Gerechtigkeit ist verletzt.“

Lars Flamme betont, dass er sehr gern zur Schule geht und eigentlich alle Fächer liebt, am liebsten aber Mathe, Latein und Musik hat. Er besucht eine Musikklasse, spielt seit der fünften Klasse Posaune, gehört am Gymnasium auch der Bigband an und geht einmal pro Woche zusätzlich zum Posaunenunterricht. „Ich will mein Fahrrad zurück haben“, sagt er, „denn die Wege die ich täglich zu bewältigen habe sind ohne Fahrrad schon recht lang“.

Der Tag des Diebstahls, der 13. August, war der Dienstag der vergangenen Woche. Die Tatzeit war gegen 15.40 Uhr. Und Lars möchte sein Rad nicht so einfach aufgeben: Er organisierte sich die Bilder, mit denen auch die Polizei fahndet. Und er sucht nun auf eigene Faust nach dem Täter oder weitere Zeugen, die ihm helfen könnten, das Rad zurück zu bekommen. „Ich war gerade 20 Sekunden in der Filiale, da packte er das Fahrrad und fuhr davon“, sagt er.

Zeugen beobachteten, dass der Täter in Richtung S-Bahnhof Heimfeld verschwand. Er kann nach kurzer Zeit aber auch in eine Seitenstraße abgebogen sein. Wer zum Täter, dem Verbleib des Fahrrades und auch der Posaune Angaben machen kann, wird gebeten, sich an das Polizeikommissariat, Telefon 428654610 zu wenden.

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