Harburg

Linke: Saga fördert Wohnungsnot

Allein in Harburg 500 Obdachlose durch Zwangsräumungen? 2012 wurden im Bezirk nur 49 Sozialwohnungen gebaut

Harburg. Die Fraktion Die Linke in der Bezirksversammlung Harburg schlägt Alarm. Sie fordert einen sofortigen Stopp der Zwangsräumungen beim städtischen Vermieter Saga/GWG. Von insgesamt 313 Zwangsräumungen von Wohnungen im Bezirk Harburg im vergangenen Jahr, so Die Linke, habe die Saga/GWG alleine 180 Sozialwohnungen räumen lassen, weil die Mieter ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. Es sei davon auszugehen, dass durch diese Räumungen im Jahr 2012 insgesamt etwa 500 Menschen ihr Dach über dem Kopf verloren hätten. Diese Menschen landeten zum Großteil entweder auf der Straße oder in einer städtischen Wohnunterkunft. „Und die sind katastrophal überbelegt. Wer einen Dringlichkeitsschein hat, muss im Durchschnitt mindestens eineinhalb Jahre auf eine neue Wohnung warten, auch wenn diese Menschen die Wartezeit auf der Straße verbringen müssen“, sagt Sabine Boeddinghaus (Die Linke).

Wie im gesamten Bereich Hamburg, so Boeddinghaus weiter, würden auch in Harburg mehr Wohnungen aus der Sozialbindung heraus fallen, als neue aufgenommen werden. „Im Jahr 2012 fielen in Harburg 199 Wohnungen aus der Sozialbindung. Nur 49 neue Sozialwohnungen wurden in diesem Zeitraum gebaut. Das ist nicht hinnehmbar. Diese Zahlen lassen den Schluss zu, dass auch in Harburg nur noch Wohnungen für Großverdiener gebaut werden“, so die stellvertretende Fraktionschefin der Linken in der Bezirksversammlung.

Die Saga/GWG, so die Bezirksabgeordnete, solle sich „endlich wieder ihrer originären Aufgabe widmen, bezahlbare Wohnungen zu bauen und ihre soziale Verantwortung ernst zu nehmen, anstatt ihren Fokus darauf zu legen, mit dem Wohnungsbau und den Vermietungen möglichst hohe Gewinne einzufahren“. Dass ein öffentliches Unternehmen in dieser Weise dazu beitrage, die Not der Menschen noch zu verschärfen, sei ein Skandal. „Ein städtischer Träger müsste andere Lösungen für die Menschen finden, als sie auf die Straße zu setzen“, so Boeddinghaus. Die Kosten, die durch die Unterbringung in öffentlichen Wohnunterkünften, entstehen, dürften, so höher sein, als die Rendite, die die Saga/GWG einfahre und an die Stadt Hamburg abführe, so die Abgeordnete weiter. Ihre Fraktion rechne in diesem Jahr mit einer drastischen Verschärfung der Situation im Bezirk Harburg.

Christiane Schröder, Sprecherin des städtischen Unternehmens Fördern und Wohnen, bestätigt die angespannte Situation in den Unterkünften in Harburg. „In der Tat sind unsere Einrichtungen im Moment sehr gut belegt“, sagt Schröder. In Harburg unterhält Fördern und Wohnen – dessen Aufsichtsratsvorsitzender der Staatsrat der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), Jan Pörksen ist – drei Wohnunterkünfte. In der Wetternstraße und in der Winsener Straße leben Wohnungslose und Asylsuchende gemeinsam. In der neuen Unterkunft Lewenwerder leben derzeit ausschließlich Asylsuchende. Laut BASFI bleiben Obdachlose im Durschnitt 21 Monate in der Wetternstraße, 22 Monate sind es in der Winsener Straße. Verzeichnet werden allerdings auch Verweildauern von mehreren Jahren. In der Winsener Straße sind außer den Flüchtlingen wohnungslose Familien mit Kindern im Alter von null bis 17 Jahren untergebracht. „Teilweise leben Menschen viele Jahre in Notunterkünften, die als Übergangslösung für ein paar Wochen gesetzlich ausgelegt sind. Psychisch und physisch Kranke haben oft keinen Rückzugsraum, da es nicht möglich ist, ihnen Einzelzimmer zur Verfügung zu stellen“, kritisiert Boeddinghaus.

In einer Antwort auf eine Anfrage der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft heißt es dazu: „Die in der öffentlichen Unterbringung vorhandene Kapazität an Einzelzimmern ist begrenzt. Sie kann derzeit nicht erweitert werden, weil hierfür keine frei verfügbaren Kapazitäten zur Verfügung stehen und der Bedarf an öffentlicher Unterbringung zu groß ist. Die vorhandenen Einzelzimmer sind in der Regel belegt, so dass nicht jeder, der die Voraussetzungen erfüllen würde (belegbare Erkrankung, die eine Unterbringung im Einzelzimmer erforderlich macht), ein Einzelzimmer erhalten kann.“ Die Linke in Harburg fordert, statt Wohnungen zu räumen, die Menschen durch sozialpädagogischen Unterstützung zu stabilisieren. Die Saga/GWG wollte sich zum Thema nicht äußern.