Jesteburg

"Kalt, todt, unausstehlich" - Das Bild der Heide in der Kunst

Sonderausstellung der Kunststätte Bossard verzichtet auf Kitsch

Jesteburg. In einer neuen Sonderausstellung geht die Kunststätte Bossard in Jesteburg-Lüllau, Bossardweg 95, der Inspiration Heide nach. Die Vernissage ist am Donnerstag, 8. August, 19 Uhr. Gezeigt werden bis zum 20. Oktober Werke aus dem 19. bis 21. Jahrhundert, die den immer wieder neuen künstlerischen Blick auf die Kulturlandschaft der Lüneburger Heide veranschaulichen.

"Alles war leer, einförmig, trocken, kalt, todt, gleichgültig, unausstehlich." Mit diesen Worten beschrieb etwa der dänische Dichter Jens Baggesen 1794 seine Reiseeindrücke von der Heide. Bis ins 19. Jahrhundert hinein galt die karge Heide als Ödnis und Wüste, die Durchreise war beschwerlich, und für die Landwirtschaft war der Boden denkbar ungeeignet. Diese Eindrücke schlugen sich auch in der Malerei nieder, Eugen Bracht zum Beispiel schuf mit seinem Gemälde "Der Erschlagene" ein solches Zeugnis. Sein Werk ist auch eines der zentralen Elemente der Sonderausstellung.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Epoche der Romantik Einzug erhielt, änderte sich das Bild der Heide. Man lernte sie als unberührte Natur und Idylle zu schätzen, als Gegenpol zur industriellen Entwicklung und städtischen Expansion. Die Heideblüte und das idealisierte bäuerliche Leben inspirierten schließlich Künstler wie Carl Coven Schirm, Friedrich Schwinge oder Hermann de Bruycker zu ihren Landschaftsimpressionen, die die Schönheiten der Gegend anschaulich machten. Doch sie sollten die Heide nicht nur malen, sie nutzten sie auch als Rückzugsort für Künstlerkolonien. Johann Michael Bossard und Hans Henny Jahnn sind solche Künstler gewesen.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein spielte die Heide eine zentrale Rolle im Werk vieler norddeutscher Maler. Doch schon wieder sollte es einen Wandel in der Wahrnehmung geben - die Auseinandersetzung mit dem romantischen Heideidyll wurde dabei zunehmend kritischer. "Die Sonderausstellung macht deutlich, dass es neben den romantischen, heute als kitschig empfundenen Heidebildern eine Vielzahl weiterer künstlerischer Positionen zur Heide gibt", sagt Kuratorin Magdalena Schulz. Zu sehen seien fantastische Gemälde wie Brachts Werk oder die expressiven Bilder, die sich den Naturgewalten in der Heide widmen, sowie zeitgenössische Werke, die einen nüchternen oder kritischen Blick auf die Heide werfen.

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt sieben Euro, Besucher unter 18 haben freien Eintritt.