Hochwasserschutz

Die Harburger Hafenschleuse ist dicht

Mit Vollsperrung von Oktober bis Dezember werden für den Hochwasserschutz höhere Tore eingebaut. Vor einem Jahr war mit den Arbeiten angefangen worden. Dann erlebten die Ingenieure einige Überraschungen.

Harburg. Tagsüber ist die Harburger Hafenschleuse derzeit dicht. Da kann kein Schiff zur Elbe raus und keins in den Harburger Binnenhafen hineinfahren. Die Harburger Hafenschleuse wird als letztes Glied im Hamburger Hochwasserschutz bis Ende dieses Jahres auf die neue Schutzhöhe von 8,60 Meter über Normalnull (NN) ausgebaut.

Vor einem Jahr war mit den Arbeiten angefangen worden. Dann erlebten die Ingenieure bei den Untersuchungen an dem technischen Bauwerk einige Überraschungen. Pläne mussten geändert und Termine verschoben werden. Und immer galt es, die neuen Termine mit den gut 40 gewerblichen Hafennutzern abzustimmen. Nun gibt es für vorbereitende Arbeiten eine erste, bis 7. August dauernde Teilsperrung während der Tageszeit, von 7 bis 20 Uhr. Nachts kann geschleust werden. Aber die große Sperrung, von Mitte Oktober bis Mitte Dezember, während der die Schleuse komplett geschlossen sein wird und kein Schiff passieren kann, die steht noch bevor.

"Wir haben uns mit unserem Betrieb auf die große Sperrung eingerichtet", sagt Simon Sommerfeld, Chef der Jöhnk Werft im Binnenhafen, "und wir hoffen darauf, dass bis Jahresende alles planmäßig verläuft und es keine weiteren unvorhersehbaren Überraschungen gibt." Sommerfeld ist einer der 40 Hafennutzer. Auch die für den Schleusenbetrieb und den Umbau zuständige Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) ist als Werftbetreiberin im Binnenhafen selbst Leidtragende der Schleusensperrung, ebenso wie die beiden im Binnenhafen ansässigen Harburger Firmen HC Hagemann und Aug. Prien, die als Arbeitsgemeinschaft von HPA mit dem Umbau der Schleuse beauftragt sind. "Wir haben alle Interesse an einer kurzen Sperrzeit und einer zügigen Fertigstellung der Schleuse", sagt HPA-Sprecherin Sinje Pangritz.

HPA-Wasserbauingenieurin Caroline Radegast, 31, sagt, dass derzeit die vorbereitenden Arbeiten im Zeitplan liegen. Bis zum 7. August sollen auf der zur Elbe gelegenen Außenseite der Schleuse die Vorrichtungen für eine Spundwand hergestellt sein, die ab Mitte Oktober das Schleusenbauwerk vom Hoch- und Niedrigwasser der Elbe abschotten soll. Im Schutz der Spundwand können dann beide alten Schleusentore, deren Schutzhöhe noch 7, 20 Meter (NN) beträgt, ausgebaut werden. Radegast: "Die Schleusenkammer wird während der Bauarbeiten dauerhaft zum Binnenhafen geöffnet sein. Im Binnenhafen liegt der Wasserstand ständig bei 1,50 Meter über NN. Ein Teil der Arbeiten wird unter Wasser ausgeführt werden müssen."

Eine Problemzone befindet sich beim Schleusentor auf der Hafenseite. Die Schiene, auf der das Schleusentor zum Öffnen und Schließen hin- und her geschoben wird befindet sich auf einem schadhaften Fundament, dem sogenannten Drempel. Die Schäden waren erst zu Beginn der Arbeiten erkannt worden und hatten den gesamten Zeitplan über den Haufen geworfen. Überhaupt ist der Zeitplan des Schleusenumbaus bereits mehrfach geändert worden. Das hängt damit zusammen, dass HPA die Planung ursprünglich gemacht hatte, ohne die betroffenen Hafennutzer rechtzeitig über die Sperrzeiten zu informieren. Das hatte zu heftigen Protesten und einer neuen Terminplanung geführt.

Ursprünglich war der Umbaubeginn für Mitte Juni 2011 geplant. Drei Sperrzeiten waren vorgesehen, bis Anfang 2012. Wegen des Protests und der Neuplanung war dann erst im Juni 2012 Baubeginn mit den folgenden Planungsverzögerungen und den Terminverschiebungen durch den Drempel-Schaden. "Nun dürfte es keine Überraschungen mehr geben", sagt Wasserbauingenieurin Caroline Radegast. Rechts und links der Schleusenkammer, die ihre bisherige Höhe behält, werden Hochwasser-Schutzwände gebaut. Hinzu kommen die höheren Schleusentore, für deren Mehrgewicht stärkere Schienen in die Torkammern und die Drempel eingebaut werden müssen.

Die Maschinenhäuser der beiden Torkammern, in denen sich Elektromotoren und Seilwinden befinden, werden durch neue, höher gelegene Maschinenhäuser aus Stahl und dunkler Blechfassade ersetzt. In gleicher Optik zeigt sich bereits das fast fertiggestellte Gebäude, in dem sich der künftige Steuerstand der Schleuse befindet.

Die Harburger Hafenschleuse ist zwischen 1876 und 1880 als "Große Hafenschleuse" gebaut worden. Mit einer Länge von 70 und einer Breite von 17 Meter existierte sie rund 100 Jahre. Dann wurde die Schleusenkammer im Zuge des damaligen Hochwasserschutzes auf 90 Meter verlängert und noch Ende der 1970er Jahre auf 117 Meter Länge und 17,50 Meter Breite ausgebaut. Monatlich passieren etwa 700 Schiffe die Schleuse.