Kries Harburg

Stadtentwicklung: Seevetal soll attraktiver werden

Angst vor dem Schrumpfen. Die Gemeinde Seevetal setzt sie bei der Suche nach Lösungen auf den Flächennutzungsplan.

Seevetal . In den Städten und Gemeinden im Landkreis Harburg ist derzeit ein wahrer Zukunftskonzept-Boom ausgebrochen. Von Neu Wulmstorf über Buchholz bis Jesteburg, überall sind Politik und Verwaltung mit tatkräftiger Unterstützung der Bürger dabei, sich für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu rüsten. Wie locken wir neue Bürger und Firmen an, wie bleiben wir für Senioren und Jugendliche attraktiv und was können wir tun, um uns ein Alleinstellungsmerkmal unter den zahlreichen anderen Orten der Region zu geben?

Diese Fragen spielen in den Zukunftskonzepten oder Integrierten Stadtentwicklungskonzepten eine maßgebliche Rolle und gehen auf eine große Sorge zurück: der Angst vor dem Schrumpfen. Sinkt die Zahl der Einwohner und der Gewerbeansiedlungen, gehen auch die Steuereinnahmen zurück und ganze Infrastrukturen geraten in Gefahr. Kurz gesagt, jeder Ort steht im Wettstreit mit seinen Nachbarorten, denn es geht um die Überlebensfähigkeit eines jeden.

Auch an der Gemeinde Seevetal ist diese Problematik nicht vorbeigegangen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen setzt sie bei der Suche nach Lösungen aber nicht auf ein Zukunftskonzept, sondern geht den klassischen Weg über den Flächennutzungsplan, kurz F-Plan. Er regelt Grundsätzliches für Seevetals zukünftige Entwicklung und beinhaltet ein Leitbild, das zu Wohnbau- und Gewerbeflächen, zur demografischen Entwicklung, der technischen Infrastruktur, zum Verkehr und zum Naturraum Stellung nimmt. Unterstützung bei der Ausarbeitung haben Politik und Verwaltung vom Planungsbüro Claussen-Seggelke erhalten.

"Ob man das Ganze jetzt Leitbilddiskussion oder Zukunftskonzept nennt, ist letztlich nur Wortklauberei", sagt Seevetals Bauamtsleiter Gerd Rexrodt. Letztlich gehe es vor allem darum, auf welchen Flächen was gebaut werden dürfe, und das regele nun mal der F-Plan. Dass sich die Seevetaler Bürger nicht ausreichend beteiligt fühlen, weil es anders als bei Zukunftskonzepten keine Workshops oder runden Tische gibt, glaubt er nicht. Jeder der sechs Ortsräte werde gehört. Die dezentrale Struktur der Gemeinde erweist sich in diesem Fall also als Vorteil.

Ende des Jahres soll die Politik entscheiden, ob eine Änderung des bestehenden Flächennutzungsplans aus dem Jahre 2000 nötig ist und wenn ja, wie sie aussehen soll.

Grundsätzlich betrachtet gelten für Seevetal folgende Aussagen: Die Bevölkerung von derzeit 42.500 - der Zensus ergab zwar, dass es nur knapp 40.000 sein sollen, aber die Gemeinde will dieses Ergebnis überprüfen lassen - soll moderat wachsen, um einer Überalterung entgegenzuwirken. Angepeilt ist ein Anstieg um sechs Prozent binnen zehn Jahre. Um Zuzug zu ermöglichen, müssen Wohnbauflächen entstehen. Dabei will die Gemeinde darauf achten, dass die Ortsteile nicht zusammenwachsen, sondern genügend Freiflächen erhalten bleiben. Weitere Gewerbeflächen sind ebenfalls geplant, sie sollen aber ortstypisch sein, nicht in Siedlungen liegen und keine großflächigen und verkehrsintensiven Betriebe anlocken. Außerdem soll der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden.

Als die vier zentralen Ortsteile gelten Meckelfeld, Maschen, Hittfeld und Fleestedt. Auf sie legt die Gemeinde das Hauptaugenmerk, deshalb fassen wir für sie die wichtigsten Punkte zusammen. Für die anderen Ortschaften, von Bullenhausen im Norden über Beckedorf im Westen bis hin zu Helmstorf im Südwesten, kommt fast ausschließlich eine behutsame Nachverdichtung und das Schließen von Baulücken in Frage.

Meckelfeld

Die schon jetzt angespannte Verkehrssituation und die Unsicherheit um die Autobahnraststätte sind die Gründe dafür, dass sich Meckelfeld etwas restriktiver entwickeln soll als die anderen drei Zentren. Die einzige größere potenzielle Wohnbaufläche im Ort wären die 8,5 Hektar großen Erdbeerfelder zwischen Meckelfeld und Glüsingen. Eine Bebauung dort würde dazu führen, dass die beiden Ortsteile nahtlos ineinander übergehen. Gewerbe soll nicht weiter angesiedelt werden, möglicherweise will die Gemeinde die bisher ungenutzten, aber für Gewerbe ausgewiesenen Flächen aus dem F-Plan wieder herausnehmen.

Maschen

Um die vorhandene Infrastruktur zu erhalten, soll Maschen eine verdichtetere Siedlungsstruktur als bisher erhalten. Potenziale für neue Wohnflächen gibt es südlich des Ortskerns sowie nördlich der Siedlung Maschen-Heide. Denkbar wären circa sechs und sieben Hektar große Flächen westlich und östlich der Homsstraße. Horst und Hörsten sollen ihren dörflichen Charakter erhalten. Weitere Gewerbeflächen könnten an den Straßen Unner de Bult und Rübenkamp entstehen, zumal der Anschluss zur Autobahn sehr günstig ist. Eine Verlagerung des derzeit nördlich der Gleise gelegenen Bahnhaltepunktes auf die südliche Seite könnte Maschen als Wohnstandort attraktiver machen.

Hittfeld

Für eine Siedlungserweiterung kommt nur der westliche Teil des Ortes in Frage. Möglich wären zwei jeweils circa zwölf Hektar große Areale an den Straßen Schwarzer Weg und Am Küstergarten, die nahe des Schulzentrums liegen.

Die Anbindung des Bahnhofs Hittfeld im Ortsteil Emmelndorf sollte verbessert werden. Denkbar wäre, dass dort ein Grundversorger angesiedelt wird, der den Bahnhof attraktiver macht. Was Emmelndorf generell angeht, wird empfohlen, vorab die Rolle des Orts innerhalb der Gemeinde zu definieren - also die Frage zu klären, ob er weiter wachsen soll oder nicht.

Die Kirchstraße sollte als überörtlich genutzte Einkaufsstraße nachhaltig weiterentwickelt werden. Eine Erweiterung der Gewerbeflächen an der Maschener Straße in nördliche Richtung ist in Vorbereitung, weitere Potenziale bestehen nördlich der Ortsumfahrung auf circa 15 Hektar.

Fleestedt

Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen nördlich und östlich des alten Fleestedter Dorfkerns könnten auf circa elf Hektar rund um die Dorfstraße größere Wohngebiete entstehen. Bei der Entwicklung sollte die Gestaltung des alten Dorfkerns ebenso eine Rolle spielen wie der Erhalt einer Grünverbindung um ihn herum. Die "Grünzäsur" zwischen Fleestedt und Glüsingen soll erhalten bleiben.