Winsen

Wie der Landkreis Energie sparen kann

Auf der Klimakonferenz im Winsener Kreishaus machen 60 Experten Vorschläge

Winsen. Der Landkreis Harburg treibt die Energiewende voran. Auf der Klimakonferenz im Winsener Kreishaus haben rund 60 Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden am Mittwochabend Vorschläge gemacht, welche Schritte als nächstes angegangen werden sollen, um den Energieverbrauch zu senken und Energie umweltverträglich und zu bezahlbaren Preisen zu produzieren. Die vier Bereiche, auf die sich der Landkreis konzentrieren will, sind erneuerbare Energien, Gebäudesanierung, Klimaschutz in Unternehmen und Verkehr.

So regten die Teilnehmer beispielsweise an, Winsen und Buchholz in den HVV-Großbereich mit aufzunehmen, um mehr Anreize für die Bahn zu schaffen. Die Ampelschaltungen könnten verbessert werden, und es müssten Bürokratiehindernisse abgebaut werden, damit mehr Firmen die Fördermittel für besseren Klimaschutz nutzen. Neubaugebiete sollten ausschließlich energieeffizient geplant und die Bebauungspläne entsprechend angepasst werden. Außerdem sollte bei Windkraftanlagen die Akzeptanz der Bürger vor Ort gesichert sein.

Dass Energieeinsparungen generell möglich sind, zeigt das von der Firma B.A.U.M. consult erstellte Energiekonzept für den Landkreis Harburg. Die CO2-Emissionen lägen bei durchschnittlich 9,5 Tonnen pro Jahr und Einwohner, sagte Michael Wedler von B.A.U.M. consult. Der Wert liegt damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Vor allem der Verkehr ist für die Verschmutzung verantwortlich, sein Anteil beträgt 48 Prozent.

Wedler begründete das unter anderem mit der hohen und steigenden Pkw-Dichte im Pendler-Landkreis. 0,7 Fahrzeuge gibt es durchschnittlich pro Einwohner, der Bundesdurchschnitt liegt bei 0,6. Auf den Strom fallen 25 Prozent der CO2-Emissionen und auf die Wärme 27 Prozent.

"Bis zum Jahr 2030 kann zum Beispiel der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung bei 124 Prozent liegen", sagte Wedler. Der Landkreis könnte dann mit Hilfe von Windkraft, Biomasse und Co. seinen Bedarf aus eigenen Mitteln decken. Bei der Wärme könnte der Anteil der erneuerbaren Energien laut Wedler auf 33 Prozent erhöht werden. Die CO2-Emissionen könnten bei der Wärmeerzeugung bis 2030 somit je nach Szenario um bis zu 58 Prozent und der Verbrauch um bis zu 40 Prozent sinken, bei der Stromerzeugung wäre eine CO2-Reduktion von bis zu 93 Prozent und eine Verbrauchsreduktion bis zu 23 Prozent möglich.

Einzig der Mobilitätssektor als größter Energieverbraucher bildet eine Ausnahme. "Eine Wende ist dort nicht in Sicht", sagte Wedler. Ziele ließen sich in diesem Bereich nur schwer festlegen und umsetzen, man könne lediglich an die Fahrer appellieren, Fahrten zu vermeiden oder auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Dennoch könnten Kommunen seiner Meinung nach mit Hilfe von Carsharing oder der Planung einer Stadt der kurzen Wege einen Beitrag leisten.

Als nächstes wird die Kreisverwaltung die Ergebnisse der Klimakonferenz zusammenfassen, damit sie im Juni in Expertenworkshops zu den vier ausgewählten Themen intensiver diskutiert werden. Mit einfließen werden dabei sowohl die Erkenntnisse des Energiekonzeptes als auch des vorliegenden Klimaschutzkonzeptes des Landkreises, das insgesamt 66 Punkte umfasst und von Klimaschutzmanager Oliver Waltenrath bereits Schritt für Schritt umgesetzt wird. Voraussichtlich Ende des Jahres soll dann ein vom Kreistag beschlossenes integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept vorliegen, das als Leitfaden für die Energiewende im Landkreis Harburg dient, an der auch Kommunen, Wirtschaft und private Haushalte mitwirken.