Moment mal!

Die abgehängte Cyber-Mutter

Eine Glosse von Beatrice Maaß

Ohne soziales Netzwerk bist Du heute ein Nichts. Der moderne Mensch braucht Freunde. Nein, nicht solche, die er zum Grillen trifft, sondern digitale Facebook-Freunde. Darum habe auch ich mich - allen Bedenken zum Trotz - eingeloggt und bin auf die Suche nach Freunden im Netz gegangen, um sie zu "adden".

Das heißt: Facebook-User (Nutzer) schicken anderen Mitgliedern Freundschaftsanfragen. Wenn diese zustimmen, ist man "geadded", kann sich gegenseitig "liken", Nachrichten posten oder seiner Community einfach mitteilen, was man macht, für was man sich interessiert oder sonst etwas. Ist das nicht toll?

Auf meiner Suche nach Freunden im Netz traf ich auf alte Bekannte, Kumpels meiner Kinder - und meinen Sohn. Ein Klick, und ich hatte ihm eine Freundschaftsanfrage geschickt.

Der Fehler meines Lebens!

Hatte mein Sohn mir noch zum Muttertag ein leckeres Frühstück bereitet, blieb er im Internet jetzt stumm. Er ließ eine freundschaftliche Verbindung per Facebook mit der Frau, die ihm das Leben geschenkt hat, nicht zu.

Stattdessen stürzte er in der realen Welt empört auf mich zu: "Mama, wie peinlich ist das?!" Der Tonfall war unmissverständlich: Er wird mich nie "adden". Als seine Mutter soll ich mich aus seiner Cyberwelt heraushalten und ihm dafür lieber in der realen Welt sein Lieblingsessen kochen.

Sohnemann, ich habe verstanden!