Wilhelmsburg

Türkischer Unternehmer in Schmähbrief übel beleidigt

Der Unternehmer Oktay Akkaya erhält ein rassistisches Hetzschreiben und wendet sich an Bürgermeister Olaf Scholz. In dem Brief fordert der anonyme Schreiber den Unternehmer auf, seinen Betrieb aufzugeben.

Wilhelmsburg . Der Unternehmer Oktay Akkaya aus Wilhelmsburg hat einen anonymen Schmähbrief erhalten, in dem er wegen seiner Herkunft als Türke verunglimpft wird. Der 35 Jahre alte Diplom-Informatiker und Inhaber eines Autoteile-Handels hat daraufhin am Wochenende in einem Schreiben Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) informiert. Darin prangert er die Diskriminierung von Migranten im Alltag an, der auch er und seine Frau ausgesetzt seien. Oktay Akkaya hat nach Erhalt des Briefs auch bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

In dem beleidigenden Brief, der dem Abendblatt vorliegt, fordert der anonyme Schreiber den türkischen Unternehmer auf, seinen Betrieb aufzugeben. Er wünscht ihm eine "gute Heimreise". Anlass für den Hetzbrief ist offenbar Akkayas Engagement gegen den geplanten Neubau von Fundus und Werkstätten der Hamburgischen Staatsoper auf dem Gelände der früheren Zinnwerke in Wilhelmsburg. Das Unternehmen Autoteile Akkaya müsste dem Neubau weichen. Die Eigentümerin des Grundstücks, die Sprinkenhof AG, hat bereits dem Autoteile-Handel und weiteren Unternehmen die Mietverträge gekündigt.

Der Schmähbrief sei abscheulich, sagt Oktay Akkaya, aber zugleich auch ehrlich und direkt. Er habe vor allem mit einem Schreiben an Bürgermeister Olaf Scholz reagiert, um auf die seiner Meinung nach weit verbreitete Diskriminierung von Türken und Muslimen im Alltag hinzuweisen. "Das fängt schon damit an, dass ein Sachbearbeiter das Gesicht verzieht, sobald man einen Raum betritt und er seinen Ton ändert", heißt es in dem Brief an den Ersten Bürgermeister.

Oktay Akkaya empfindet es auch als Diskriminierung, dass seine Frau keine Anstellung als Lehrerin findet, weil sie ein Kopftuch trage. Und das, obwohl in Hamburg kein Kopftuchverbot für Beschäftigte im öffentlichen Dienst existiere. Akkaya fordert eine Chance für sein Frau und Freundinnen von ihr: "Diese Frauen sind hoch motiviert, hervorragend ausgebildet und würden nie religiös missionieren", sagt er.

Der türkische Unternehmer wirft den Hamburger Behörden und Politikern auch vor, seinen Betrieb und die benachbarte Lackiererei eines Landsmannes zu benachteiligen. Während anderen, von dem geplanten Opernfundus-Neubau betroffenen Betrieben zumindest Hilfe bei der Suche nach Ersatzstandorten angeboten worden sei, habe niemand mit ihm und seinem Nachbarn gesprochen. Nach dem die städtische Sprinkenhof AG den Mietvertrag gekündigt hat, muss der Autoteile-Handel das 2400 Quadratmeter große Werkstattgelände bis zum 30. September verlassen. In der kurzen zeit, sagt Akkaya, sei es nahezu unmöglich, mit einer Werkstatt umzuziehen. Er sei verantwortlich für die Familien von fünf Beschäftigten.

Oktay Akkaya appelliert an Bürgermeister Olaf Scholz, auf die Sprinkenhof AG einzuwirken, damit sie die Kündigungen der Mietverträge aller Unternehmen auf dem Gelände der früheren Zinnwerke zurücknimmt. Der Regionalausschuss Wilhelmsburg, der Beirat für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg und der Sanierungsbeirat haben sich gegen einen Opernfundus-Neubau auf dem Gelände ausgesprochen. Laut einer Expertise sind zwei städtische Grundstücke in Billbrook und Moorfleet besser geeignet.

Oktay Akkaya ist in Hamburg aufgewachsen, bezeichnet sich als "wachechter Hamburger Jung". Er habe Abitur gemacht, Informatik studiert und führe seit zehn Jahren sein Unternehmen. Er zahle seine Steuern, und seine Familie habe noch keinen einzigen Cent Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld erhalten, betont er.

Bereist am Sonntag hat der SPD-Politiker Klaus Lübke, Mitglied in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, den Hetzbrief gegen Oktay Akkaya scharf verurteilt. Er sei entsetzt über die Dummheit und den Rassismus, der in den Briefen zum Ausdruck komme. "Es muss für Sie persönlich eine niederschmetternde Erfahrung sein, ein solches Schreiben zu erhalten, insbesondere da wir wissen, dass es im Alltag viel zu oft Diskriminierungen gibt", zeigt sich Lübke solidarisch mit dem türkischen Unternehmer. Reaktionen aus der Türkei zu Beginn der Woche dürften sicher sein: Zwei türkische Journalisten haben Kenntnis von dem beleidigenden Brief. Oktay Akkaya hat auch das türkische Konsulat informiert.