Lübberstedt

Wer darf bei Charly Reinhardt landen?

Der Musikentertainer Charly Reinhardt, 61, lädt Gäste im Internet ein, mit dem Hubschrauber nach Lübberstedt zu fliegen.

Lübberstedt . Das Lieblingswort von Charly Reinhardt ist Begeisterung. "Man kann nur mit Menschen kommunizieren, wenn man sie begeistert", sagt der 61-Jährige aus Lübberstedt. Der Mann mit den gepflegten grauen Haaren war einmal Elektromechaniker; er studierte Kriminologie, Psychologie und Pädagogik und war 22 Jahre bei der Hamburger Polizei, zum Schluss als Polizeihauptkommissar. Dann machte sich Charly Reinhardt mit seiner Frau Gabriela, 51, selbstständig.

Jetzt touren beide als Musikentertainer und Moderatoren durch die Lande zwischen Hannover und Kiel. Mit ihren High-Tech-Musikanlagen fahren sie seit 15 Jahren zu Hochzeitsveranstaltungen. "Denn eine Hochzeit, die gibt es nur einmal, das ist ein sehr sensibler Tag", sagt Charly Reinhardt, "wir machen sie mit penibler Planung zu einem gelungenen Event."

Und, da ist der Pall-Mall-Mentholzigarettenraucher wieder bei seinem Lieblingswort, auf diesen Veranstaltungen sei er "mit Begeisterung" dabei, da gebe er alles, von der Abfahrt um 14 Uhr bis zur Ankunft daheim in Lübberstedt am nächsten Tag um 6 Uhr in der Früh. "Wenn ich auf der Bühne nicht begeistert bin", sagt Charly Reinhardt, "dann ist das Publikum auch nicht begeistert."

Begeistert ist Charly Reinhardt auch von seinem Seminarraum im 1927 erbauten Bahnhof von Lübberstedt, den er 2009 erworben hat, samt einem Wirtschaftsgebäude und 6000 Quadratmeter "Ländereien", so bezeichnet er sein großes Gründstück. Das Wirtschaftsgebäude ist jetzt das "Haus der Hochzeiten", dort können Gesellschaften bis zu 50 Personen feiern.

Und weil manche Paare zwar feierlich, aber nicht in einer herkömmlichen Kirche eine Hochzeitszeremonie begehen wollen, hat Charly Reinhardt neben das Wirtschaftshaus auch gleich noch ein kleines Kirchengebäude für bis zu 14 Gäste bauen lassen. Dort trauen sich außerhalb der Kirche eine Handvoll Paare im Jahr - freie Redner, aus der Kirche ausgetretene Pastoren und Reinhardt selbst führen hier die Hochzeits-Zeremonien durch.

Stolz und natürlich "begeistert" ist Charly Reinhardt auch über einen sechs mal sechs Meter großen mit Kieseln bedeckten Platz auf der Wiese hinter der Mini-Kirche. Es ist sein Hubschrauber-Landeplatz. Aber hier landet nicht Reinhardt selbst. Es landen Gäste, die etwas Kleingeld in der Tasche haben und nicht mit der Kutsche oder einer Stretch-Limousine ankommen wollen.

"Nächster Flughafen HH-Fuhlsbüttel, mit dem Hubschrauber Hamburg-Lübberstedt", hatten die Reinhardts auf ihrer Homepage geworben. Noch immer steht dort unter dem Link "Haus der Hochzeiten": "Besuchen Sie uns mit dem Auto, der Bahn oder dem Hubschrauber."

Dieser Hubschrauberlandeplatz in Lübberstedt ist jetzt für die Pilotin Martina S., 35, aus Norderstedt zu einem Problem geworden. Das Amtsgericht Winsen hatte sie angeklagt, im Mai 2010 "in zwei Fällen jeweils als Führerin eines Luftfahrzeuges ohne die erforderliche Erlaubnis gelandet oder gestartet zu sein". Die Staatsanwaltschaft bezeichnete den Reinhardtschen Hubschrauberlandeplatz als "Helipad der Marke Eigenbau". Die Pilotin kam am vergangenen Donnerstag mit einem blauen Auge davon: Das Verfahren wurde eingestellt. Das Gericht hielt sie nur für gering schuldig. Die Gerichtskosten muss sie dennoch tragen. Da die 35-Jährige sich erst nach der Landung bei der Luftfahrtbehörde nach einer Genehmigung erkundigte, hatte diese die Frau angezeigt.

Nach Angaben des Landkreises Harburg lief für Reinhardts Helipad ein baurechtliches Anhörungsverfahren. "Wir haben Herrn Reinhardt deutlich gemacht, dass sein Platz kein baurechtlich genehmigter Helikopterlandeplatz ist", sagte Sprecher Bernhard Frosdorfer dem Hamburger Abendblatt auf Anfrage. "Ein Hubschrauberlandeplatz ist dort nicht genehmigungsfähig. Unserer Kenntnis nach sind seit dem Anhörungsverfahren keine Landungen und Starts erfolgt. Im Wiederholungsfall würden wir Maßnahmen wie einen Rückbau oder eine Nutzungsuntersagung prüfen." Der Landkreis Harburg wird sich nun bei einer Besichtigung vor Ort ein Bild machen und weitere Maßnahmen prüfen.

Charly Reinhardt selbst will sich dem Abendblatt gegenüber nicht dazu äußern, wie viele Hubschrauberlandungen und -starts es in den vergangenen Jahren gab. Fakt ist aber: Noch am 28. Juni 2012 bestätigte der Gödenstorfer Gemeindebürgermeister Eckard Schröder der Firma Heli Trans Hamburg GmbH & Co. KG, "dass von Seiten der Gemeinde Gödenstorf als Ordnungsbehörde gegen die Durchführung mehrerer Starts und Landungen mit einem Hubschrauber auf dem Gelände Am Bahnhof 9, Wiese, im Ortsteil Lübberstedt keine Bedenken bestehen".

Charly Reinhardt versteht seinen Landeplatz indes nicht als "amtliches Helipad, sondern als Ort mit der Beschaffenheit einer Hubschrauberlandung". Er wolle keinen Antrag bei der Luftfahrtbehörde stellen, die Piloten sollen sich dort Einzelgenehmigungen holen. "Wenn bei mir ein Hubschrauber landet, erhält die Firma von uns die uneingeschränkte Benutzergenehmigung", sagt Charly Reinhardt. Und da taucht es wieder auf: das Wort Begeisterung: "Ich war begeistert, als die Pilotin die Gäste zur Hochzeit nach Lübberstedt geflogen hat."