Neugraben

Zwei preiswürdige Kirchenarbeiter

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Christiane Tauer

Der diesjährige Süderelbe-Thaler geht an Rosemarie Wente aus Moorburg und Horst Drägerhof aus Neugraben

Neugraben. Es war der erste Süderelbe-Thaler aus der neuen Prägung, der beim diesjährigen Süderelbe-Empfang verliehen wurde, und es gab gleich zwei Preisträger, die ihn für ihre besonderen Verdienste um das Gemeinwohl erhielten. Rosemarie Wente, 56 Jahre alt und aus Moorburg, sowie Horst Drägerhof, 78 Jahre alter Neugrabener, waren die Glücklichen, die am Freitagabend die Auszeichnung im Neugrabener Bildungs- und Gemeinschaftszentrum (BGZ) entgegennahmen.

"Ist meine Frau denn schon alt genug für so was?", habe der Ehemann leicht erstaunt gefragt, als er von der Ehrung seiner Frau erfuhr, erzählte Achim Gerdts, Regionalbeauftragter Süderelbe, unter dem Gelächter der etwa 300 geladenen Gäste aus Kultur, Sport, Wohlfahrt, Kirche, Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Die Auszeichnung habe aber nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Leistung, betonte Gerdts. Und die sei bei Rosemarie Wente auf jeden Fall preiswürdig.

Seit 1997 engagiert sie sich im Vorstand der Kirchengemeinde Moorburg, seit 2004 als Vorsitzende des Kirchengemeinderats. "Sie kann nicht nur reden, sondern auch überzeugen", sagte Gerdts. Im Ort sorge sie dafür, dass es zwischen Kirchengemeinde und den anderen Vereinen und Einrichtungen wie Feuerwehr, Schützenverein oder Gesprächskreisen eine enge Verbindung gebe. "Sie ist keine Selbstdarstellerin, sondern ihr liegt der Erhalt der dörflichen Gemeinschaft am Herzen."

Über ihren Mann, mit dem sie ein Fuhrunternehmen führt, soll sie laut Gerdts einen Satz sagen, den man traditionell eher aus dem Munde von Männern über ihre Ehefrauen hört: "Er gibt mir Kraft und unterstützt mich, wo er kann." Kennengelernt hat sie ihn übrigens auch über die Kirchengemeinde, und zwar in der Kollex-Jugendgruppe, die nach dem ehemaligen hauptamtlichen Jugendwart Karl-Friedrich Evers benannt ist.

Der zweite Preisträger Horst Drägerhof ist ursprünglich Berliner, lebt aber seit 47 Jahren in Neugraben-Fischbek. Der ehemalige Leiter des deutschlandweiten Kundendienstes im Bereich Unterhaltungselektronik für Philips ist vor allem in der Kirchengemeinde ehrenamtlich aktiv. Nach seinem Eintritt in den Vorruhestand im Jahr 1992 hat er unter anderem am Zukunftsbild des Kirchenkreises Harburg mitgewirkt. "In der Seniorenresidenz Neugraben, in der er heute lebt, setzt er sich für die Belange der Bewohner ein", sagte Laudator Arend Wiese, Vorsitzender des Regionalausschusses Süderelbe. Das barrierefreie Wohnen sei sein großes Thema, für das er sich auch als Mitglied des Bezirksseniorenbeirats engagiere.

Der Geehrte selbst bezeichnete sich als "jungen Alter", der sich selbstverständlich für die "alten Alten" einsetzt: "Vielleicht brauche ich diese Hilfe eines Tages ja selbst ebenfalls." Den Süderelbe-Thaler will er einrahmen und an die Wand hängen - neben die Bugenhagen-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Nordelbischen Kirche für ehrenamtliches Engagement, die er bereits im Jahr 2007 erhalten hat.

In seiner Festrede vor der Preisverleihung hatte Dietrich Wersich, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, unter anderem die Bedeutung des Respekts in einer Gemeinschaft hervorgehoben. Eine Gesellschaft dürfte es nicht hinnehmen, dass der Respekt vor Menschen, vor Polizei, Schule oder sogar Rettungskräften fehle. Auch Verwahrlosung im Stadtbild sei etwas, mit dem man sich nicht arrangieren dürfe: "Im Mittelpunkt muss der Mensch stehen."

Wie viele andere Besucher aus dem nördlichen Stadtgebiet sprach er vom "Sprung über die Elbe, der eigentlich ein Dreisprung über Norder- und Süderelbe ist" und auf keinen Fall stecken bleiben dürfe. Der Süderelberaum sei die "unterschätzte oder verkannte Schöne", er wünsche sich, dass Hamburg eines Tages so ein Verhältnis zu Niedersachsen entwickele, wie es zu Schleswig-Holstein bereits bestehe.

Bei der traditionellen Sammlung für einen guten Zweck zeigten die Gäste des Süderelbe-Empfangs, wie sehr sie sich für die Region tatsächlich einsetzen. Sie spendeten rund 730 Euro für die Restaurierung der historischen Arp-Schnitger-Orgel in Neuenfelde.

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