Wilhelmsburg

"Bloß keine Zockerbar!"

Wilhelmsburger Politiker wollen ein Wettbüro im neuen Luna Center verhindern, eine Genehmigung liegt schon vor

Wilhelmsburg. Wilhelmsburgs Politiker wollen verhindern, dass ein Wettbüro im zukünftigen Einkaufszentrum Luna Center eröffnet. Rechtlich hat der Bezirk Mitte aber offenbar keine Möglichkeit, eine Zockerbar in der neuen Wilhelmsburger Mitte zu verhindern. Der Antragsteller habe einen Rechtsanspruch auf Genehmigung, so die Verwaltung. Der Regionalausschuss Wilhelmsburg hat jetzt Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) einstimmig aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass der Eigentümer des Einkaufszentrums bei der Vermietung freiwillig auf Wettbüros und Spielhallen verzichtet.

Ein Betreiber hat am 13. März den Ausbau einer Fläche in dem Einkaufszentrum für die Sportwetten-Bar beantragt. Das bestätigte das Bezirksamt Hamburg-Mitte auf Anfrage des Abendblattes. Bisher ist das Vorhaben nicht-öffentlich im Unterausschuss für Bauangelegenheiten des Regionalausschusses Wilhelmsburg vorgestellt worden.

Das Bildungszentrum "Tor zur Welt", eines der größten Schulbauprojekte Hamburgs, liegt in der unmittelbaren Nachbarschaft des Luna Centers, das zurzeit am S-Bahnhof Wilhelmsburg entsteht. Nur wenige hundert Meter entfernt steht der Verwaltungsneubau der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Die neue Wilhelmsburger Mitte ist Hauptschauplatz der Internationalen Bauausstellung. Futuristische Gebäude wie das sogenannte Algenhaus, experimentelle grüne Architektur, symbolisieren den Wandel eines Stadtteils, der sein Schmuddelimage ablegt.

Ein zusätzliches Wettbüro auf der Elbinsel sei das falsche Signal, sagt der Wilhelmsburger SPD-Politiker Michael Weinreich. "Wir sehen in einer Bar für Sportwetten im Luna Center einen Rückschritt und sind sehr enttäuscht", heißt es dem Antrag der Sozialdemokraten im Regionalausschuss. Da ein Verbot rechtlich nicht möglich ist, bauen die Fraktionen im Regionalausschuss, die CDU hat sich bei der Abstimmung enthalten, mit einem Appell an den Eigentümer öffentlichen Druck auf.

Spielsucht sei eine Krankheit und berge großen sozialen Sprengstoff in sich, sagt Michael Weinreich. Ein Spielsüchtiger könne sich und seine Familie in den Ruin treiben. Die Sucht entwickle sich schleichend. Irgendwann glaube der Süchtige unbeirrt daran, tatsächlich Geld gewinnen zu können. Er beginne, seinen ganzen Tagesablauf daran auszurichten.

Die SPD im Bezirk Mitte hatte bereits im Jahr 2011 einen Versuch zur besseren Regulierung des gewerblichen Glücksspielangebots gestartet. Mehrere Stadtteile in Hamburg-Mitte sähen sich mit einem zunehmenden Angebot gewerblichen Glücksspiels konfrontiert. Die Genehmigungsbehörden könnten die Ausbreitung nur unzureichend steuern, heißt es in dem SPD-Antrag vom 6. Oktober 2011.

Eine Aneinanderreihung von Spielhallen habe negative Auswirkungen auf das Wohnumfeld des Stadtteils. Mehrere Spielhallen in "bestimmten Gegenden" zögen die Ansiedlung von Wettbüros nach sich. Ein Viertel der insgesamt 405 Spielhallen Hamburgs habe sich im Jahr 2011 im Bezirk Mitte, zu dem auch das Vergnügungsviertel St. Pauli gehört, befunden.

Im Kampf gegen zusätzliche Spielhallen und Wettbüros hatte das Bezirksamt damit begonnen, Bebauungspläne zu überarbeiten, um Anträge ablehnen zu können. Dennoch ist es den Bezirkspolitikern aus Hamburg-Mitte im Herbst 2012 nicht gelungen, einen neuen Spielhallenkomplex an der Möllner Landstraße in Billstedt zu verhindern. Die Verwaltung kam mit der Planänderung zu spät.

Hat das Bezirksamt in der Wilhelmsburger Mitte versäumt, den Bebauungsplan zu ändern, um Vergnügungsstätten für Glücksspiel zu verhindern? Nein, teilt die Behörde mit, eine Änderung des Bebauungsplanes wäre unverhältnismäßig gewesen. Eine störende Häufung von Vergnügungsstätten läge in der Wilhelmsburger Mitte nicht vor. Somit sei keine zwingend erforderliche, schlüssige städtebauliche Begründung vorhanden, ein Wettbüro zu verhindern. Ein Wettbüro im Bereich des S-Bahnhofes Wilhelmsburg ist nach Angaben des Bezirksamtes zulässig, weil es sich um eine kerngebietstypische Vergnügungsstätte handele.

Der künftige Betreiber benötige aber noch die Erlaubnis der Glücksspielaufsicht in Hamburg, die bei der Behörde für Inneres und Sport angesiedelt ist. Eine Erlaubnis für Sportwetten werde derzeit von dort noch nicht erteilt, da das Vergabeverfahren für die Konzessionen noch nicht abgeschlossen sei, heißt es aus dem Bezirksamt.

Wilhelmsburgs Politiker hoffen, dass der Eigentümer des Luna Centers doch noch von einem Wettbüro als Mieter absieht. Eigentümer des Einkaufszentrums ist die Luna HJS Verwaltungsgesellschaft des Investors Hans-Jürgen Schneider. Das Einkaufszentrum am S-Bahnhof Wilhelmsburg wird auf insgesamt 19.500 Quadratmetern Platz für 50 Läden bieten. Die Textilkette C&A will dort einziehen, auch mehrere Arztpraxen und eine Kindertagesstätte. Eröffnung: Ende 2014.