Buxtehude

Urteil gegen Branchenbuch im Internet ist rechtskräftig

IHK-Jurist Eike Thiel warnt Unternehmer vor neuen Tricks

Stade/Buxtehude. Die so genannte "Gewerbeauskunftszentrale" (GWE) überzieht seit Jahren bundesweit Tausende Unternehmen mit Angebotsformularen zur Eintragung in völlig nutzlose Online-Branchenbuchverzeichnisse und gibt sich dabei formal und optisch einen amtlichen Anstrich. "Viele Unternehmer, gerade diejenigen, die sich in der Gründungsphase befinden, unterschreiben daraufhin diese Formulare, weil sie glauben, es sei Behördenpost. Das Ergebnis dieses Irrtums sei oft jahrelanger Papierterror mit der GWE, so Eike Thiel, Jurist bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade. "Besonders perfide: Die Unternehmen werden mit Formularen angeschrieben, auf denen die Firmierung absichtlich leicht verfälscht wird. Scheinheilig bittet GWE darin um Korrektur und Rücksendung - natürlich unterschrieben", beschreibt Thiel die Masche. Die GWE beschränkt sich nicht nur auf Unternehmen, auch bei Schulen, Kindergärten, Feuerwehren und sonstige Behörden wollen sie Kasse machen.

Formal gesehen ist damit jetzt Schluss. Denn nachdem der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) die GWE erfolgreich in zwei Instanzen auf Unterlassung verklagt hatte, hat nun auch der Bundesgerichtshof die Nichtzulassungsbeschwerde von GWE zurückgewiesen. "Damit ist das Urteil gegen die GWE rechtskräftig und muss von ihr beachtet werden. Andernfalls drohen Ordnungsgelder bis zu 250.000 Euro pro Verstoß oder bis zu sechs Monate Ordnungshaft für ihren Geschäftsführer Sebastian Cyperski", sagt Thiel. Nach Informationen der IHK Stade hat die GWE nun ihre Angebotsformulare leicht abgeändert und verschickt diese weiterhin an Unternehmen in der Hoffnung, dass deren Geschäftsführer auf den Trick hereinfallen. Darüber hinaus versucht die GWE, angebliche alte Forderungen über verschiedene Anwaltskanzleien sowie das Inkassobüro "Deutsche Direkt Inkasso" einzutreiben. "Die IHK Stade rät allen Betroffenen, ihre abgegebenen Erklärungen wegen arglistiger Täuschung anzufechten und sich im Übrigen nicht einschüchtern zu lassen. Zahlungen sollten unter keinen Umständen erfolgen", sagt Thiel. Ausführliche Informationen gibt Eike Thiel unter Telefon 04141/52 41 52 oder per E-Mail: eike.thiel@stade.ihk.de.