Winsen

Die Störche klappern - aber vor Kälte

| Lesedauer: 4 Minuten
Charlotte Brandes und Joana Harmening

Langer Winter zögert Paarung und Brut hinaus, doch Experten geben Entwarnung

Harburg/Winsen. Die niedrigen Temperaturen und der Schnee machen nicht nur den Menschen zu schaffen. Auch für Vögel und Nagetiere in Garten und Wald dauert der Winter zu lange. Doch offenbar können die Tiere mit den Minustemperaturen weit besser umgehen als wir Menschen es ihnen zutrauen. "Die Natur stellt sich auf die Kälte ein, auch die Vögel hier im Land", erklärt Diedrich Westphal vom Naturschutzbund (Nabu) Hamburg.

So sind die ersten Störche bereits ans ihren wärmeren Winterquartieren zurückgekehrt. Den Anfang machten Rolf und Maria, die bereits Anfang Februar und am 1. März als erste Hamburger Störche ihr Nest in Bergedorf wieder in Besitz genommen haben. Trotz Schnee und Kälte haben sie gleich mit dem Frühjahrsputz begonnen. "Sie sind auch schon dabei, sich zu paaren", sagt Bernd Quellmalz, stellvertretender Geschäftsführer und Pressesprecher des Naturschutzbundes. "Wir vermuten, dass die Störche im Winter nicht mehr so weit weg fliegen, dafür eben auch früher wiederkehren. Sie fliegen nur noch bis nach Spanien und ernähren sich dort auf Mülldeponien. Wieder in der Heimat angekommen, nehmen sie dann aber weitere Strecken für die Futtersuche auf sich."

Im Landkreis Harburg sind bereits acht der rund 30 Storchennester schon wieder besiedelt: sieben in der Winsener Elbmarsch und eines in Salzhausen. Auch in Ramelsloh gibt es ein Nest, das für die Rückkehr der Störche schon bereitgemacht worden ist. Seit Ende Februar fliegen die Vögel wieder ein. "Vielleicht wurden sie durch die ungewöhnlich günstigen südöstlichen Winde unterstützt", sagt Hans Steinert, Storchenexperte im Landkreis Harburg. "Die Segelflieger hatten einfach günstigen Aufwind auf ihrer Route statt des üblichen Gegendwinds aus Westen." Normalerweise seien die Störche zu dieser Jahreszeit noch nicht wieder zurück. In der Regel kommen sie ein, zwei Wochen später.

Die Störche haben derzeit allerdings Probleme, ihre Hauptnahrung - Insekten, Würmer, Frösche oder Mäuse - zu finden. Allerdings sind die Maulwürfe wieder aktiv und bemühen sich um Nachwuchs. "Vielleicht greifen die Störche auf die Maulwurfs-Jungen zurück", sagt Steinert. Der Experte ist sicher, dass alle Störche die kalten Tage überleben werden. Er rechnet mit etwa 30 Paaren in diesem Jahr. 2012 waren es 27 Storchenpaare, 20 davon bekamen Junge und etwa 50 Jungstörche sind ausgeflogen: "In dem Rahmen ist es üblich und wird auch dieses Jahr voraussichtlich so eintreffen", sagt der Fachmann. Das größere Problem sei der schwindende Lebensraum. Störche finden ihre Nahrung auf unberührten Grünflächen. Die sind allerdings immer seltener.

Auch in den Gärten und Parkanlagen machen sich die Vögel daran, ihre Nester auszubauen und für Nachwuchs zu sorgen. Dabei gestalten Schnee und Eis die Futtersuche schwieriger. "Das ist aber nichts Unnatürliches. Durch die Auslese wird letztlich auch die Gesundheit einer ganzen Art gefördert", sagt Dietrich Westphal. Deshalb sei auch das Zufüttern an Vogelhäusern in den Gärten letztlich nicht entscheidend dafür, ob Meisen oder Amseln gut über den Winter kommen. "Die Vogelarten, die extra Futter bekommen, sind nicht die besonders gefährdeten. Wichtiger ist, die Gärten naturbelassen anzulegen mit ausreichend Sträuchern und Bäumen, die Vögeln Schutz und Lebensraum bieten", sagt Westphal. Zufüttern an Vogelhäusern hat nach Ansicht des Nabu-Experten vor allem einen hohen Unterhaltungswert und ist ein guter Weg, Kindern die Artenvielfalt im eigenen Garten nahe zu bringen.

An den Vogelhäusern lassen sich derzeit noch andere Gäste beobachten: Eichhörnchen. Die Nager sind aus ihrer Winterruhe erwacht und wieder verstärkt aktiv. Futtervorräte, die sie vergangenen Herbst unter der Erde versteckt haben, sind größtenteils aufgebraucht. Deshalb weichen sie bei der geschlossenen Schneedecke auf andere Quellen aus und sind eben auch zu beobachten, wie sie sich in Vogelhäusern bedienen. Laut Michael Zahrt, Leiter der Tierpflege im Wildpark Schwarze Berge, ist das Füttern der Eichhörnchen kein Problem. "Niemand muss deswegen ein schlechtes Gewissen bekommen", sagt er. Eichhörnchen seien allerdings sehr ortstreu. Werden sie regelmäßig an einem bestimmten Ort gefüttert, merkt sich das der fixe Nager und kommt immer wieder.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg