Mann der schnellen Entschlüsse

Schauspieler Jasper Vogt erzählt von seiner Jugend in Neugraben und seinen zahlreichen Oldtimer-Rallyes in ferne Länder

Andere Leute gehen mit 63 in Rente, Jasper Vogt wurde Jungunternehmer: Der in Neugraben aufgewachsene Schauspieler, Musiker und Autor, der fest zum Ensemble des Ohnsorg-Theaters gehört, ist seit 2008 nun auch als Reiseveranstalter für Oldtimer-Rallyes tätig. Gerade ist er von einer Rallye durch Kambodscha zurückgekehrt. Im Interview verrät er, warum er mit dem Motorrad gerne durch den Kreis Harburg fährt und was die Besucher bei seinem Auftritt in Finkenwerder erwartet.

Hamburger Abendblatt:

Herr Vogt, Sie sind in Harburg geboren...

Jasper Vogt:

Naja, nicht ganz. Meine Eltern wohnten in Harburg, aber ich bin am 10. Mai 1945 geboren und die Geschichtsbewussten wissen, dass am 8. Mai der Krieg zu Ende war. Die Engländer standen damals vor Harburg und unser Krankenhaus war nach Bevensen verlagert worden. Also wurden die hochschwangeren Frauen mit einem Lkw in die Heide gefahren. In meinem Pass steht deshalb Bevensen. Wir sind dann aber ziemlich schnell nach meiner Geburt nach Neugraben gezogen. Mein Vater war Architekt und hat uns dort ein Haus gebaut.

Was verbinden Sie mit Ihrer Kindheit in Neugraben?

Vogt:

Damals war Neugraben noch ein Dorf! Wenn wir in die Stadt wollten, fuhren wir nach Harburg. Dort bin ich später auch zum Gymnasium gegangen. In unserer Aula, der Friedrich-Ebert-Halle, habe ich meine ersten Schritte als Darsteller gemacht. In der fünften Klasse haben wir das Singspiel "Die Wunderuhr" aufgeführt. Als die Rollen verteilt wurden, habe ich nur danach geschaut, wer den meisten Text hat. Und das war die Prinzessin...

Also haben Sie die Prinzessin gespielt?

Vogt:

Ja! Das verbinde ich mit Harburg. Oder die Strecke vom Alten Postweg bis zum Rathausplatz, da musste ich jeden Tag auf dem Weg zum Bus entlang. Da kenne ich jeden Pflasterstein und Briefschlitz. Bei Arko, unten Am Sand, haben wir, als wir älter waren, immer für 20 Pfennig eine Tasse Kaffee getrunken, uns mit den Mädels getroffen und geraucht. Filterlos. Davon ist mir immer schlecht geworden, aber das war natürlich cool. Uncool war, dass ich immer um halb 12 alle Partys verlassen musste, weil da der letzte Bus nach Neugraben fuhr.

Sie sind mittlerweile leidenschaftlicher Motorradfahrer. Fahren Sie manchmal noch durch den Kreis Harburg?

Vogt:

Klar, da ist es wunderschön! Ich hab mal eine Fernsehsendung gehabt, "DAS! reist", für die ich jede Woche mit dem Motorrad in verschiedenen Gegenden unterwegs war. Dadurch habe ich den Landkreis Harburg selbst erst so richtig kennen gelernt. Da gibt es ja alles, hügelige Landschaften, die Lüneburger Heide, die ganzen Museumsdörfer, die Rapsfelder. Und all diese Straßen, auf denen keiner fährt. Das ist ein Traum.

2006 sind Sie mit dem Motorrad von Hamburg nach Shanghai gefahren, 14.000 Kilometer in zehn Wochen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Vogt:

Das war typisch für mich: Die entscheidenden Sachen in meinem Leben habe ich immer spontan gemacht, auch die Schauspielerei. Und es ist immer gut gegangen. Eines Tages lernte ich bei einer Talkshow denjenigen kennen, der diese Oldtimer-Rallye von Hamburg nach Shanghai organisiert hat. Da habe ich sofort gesagt, ich komme mit meinem Motorrad mit. Und weil ich eine schöne alte Harley Heritage Softtail Classic fahre, durfte ich mit. Einige haben gedacht, spätestens in Moskau steige ich aus.

Aber Sie haben bis zum Ende durchgehalten?

Vogt:

Ja, das war echt aufregend. Ich hatte sogar einen Unfall. Ein betrunkener Russe hatte mich übersehen. Aber zum Glück ging es glimpflich aus, ich konnte weiterfahren. Das war mein Crash-Kurs, da hab ich alles erlebt, was man auf einer Rallye erleben kann.

Mittlerweile sind Sie selbst unter die Reiseveranstalter solcher Oldtimer-Rallyes gegangen. 2008, in einem Alter, in dem andere in Rente gehen, haben Sie die Firma Namipenda GmbH gegründet.

Vogt:

Ich wurde mit 63 Jungunternehmer. Der Veranstalter der Shanghai-Reise brachte mich darauf, so eine Reise mal durch Namibia zu organisieren. Namibia habe ich 1991 als meine zweite Heimat entdeckt, seitdem bin ich jedes Jahr dort. Bei meiner nächsten Reise habe ich also Kontakte gemacht. Wenn sich in meinem Leben eine Chance für etwas so Besonderes ergibt, greife ich auch zu. Wir haben dann 20 Autos in einem Wert von über einer Million in Bremerhaven verschifft. Da waren zwei Rolls Royce und ein Mercedes-Benz 300 SL dabei. Verrückt eigentlich.

Trotzdem haben Sie danach weitere Reisen organisiert.

Vogt:

Ja, mittlerweile fahren wir aber mit Oldtimer-Jeeps. 2009 ging es wieder nach Namibia, begleitet vom NDR, der für "Länder, Menschen, Abenteuer" filmte. Danach sagte jemand "wie wäre es mal mit Indien". Wir sind dann drei Wochen durch Radjastan getourt und haben die Oldtimer-Sammlungen der Maharadjas inspiziert. Und dann schlug mit jemand Kambodscha vor, ich bin jetzt gerade zurück nach 15 Tagen.

Erzählen Sie uns von der Reise!

Vogt:

Man sagt ja, wenn man Asien noch erleben will, wie es ursprünglich ist, muss man nach Laos, Vietnam oder Kambodscha. Wir sind da richtig durch den Urwald gefahren. Vorbei an Bananenstauden und über staubige Pisten. Überall standen winkende Kinder, die so etwas noch nie gesehen hatten, zehn Jeeps hintereinander. Wir waren natürlich auch in Angkor Wat. Besonders schön war es aber am Golf von Siam. Da lebt ein völlig verrückter Bayer, der sich ein zweistöckiges Schiff hat bauen lassen, mit dem wir zu einer Insel raus gefahren sind. Dort sah es aus wie im Bilderbuch. Sandstrand, Palmen, dazu ein Gin Tonic. Herrlich!

Und wo geht Ihre nächste Rallye hin?

Vogt:

Ich wollte immer schon mal entlang der Seidenstraße fahren. Das machen wir im August. Mit russischen Oldtimer-Jeeps durch Usbekistan, auf den Spuren von Alexander dem Großen und Marco Polo. Und im Oktober geht es dann wieder nach Namibia. Solange ich das noch machen kann, mache ich es auch! Ich will mit 80 noch auf der Harley sitzen und die Leute werden dann sagen "Guck mal, der Spinner da".

Am 26. April sind Sie mit Ihrem plattdeutschen Programm "Jümmer lustig mit Geföhl" in Finkenwerder zu Gast. Was erwartet die Besucher? Erzählen Sie auch von Ihren Reisen?

Vogt:

Nein, das wäre eine andere Veranstaltung. "Jümmer lustig mit Geföhl" besteht aus drei Teilen: Von mir selbst verfasste Geschichten, Geschichten von anderen Autoren, in Finkenwerder natürlich auch von Rudolf Kinau, und zwischendurch singe ich zur Gitarre norddeutsche Lieder. Die Zeile "Jümmer lustig mit Geföhl" stammt aus einem Lied von den Brüdern Wolf und beschreibt ganz gut, was ich auf der Bühne mache. Es ist lustig, aber mit Gefühl.

Jasper Vogt tritt am 26. April um 19.30 Uhr in der Finkenwerder Landungsbrücke, Benittstraße 9, auf. Karten kosten 8 Euro, erhältlich sind sie bei der Heimatvereinigung Finkenwerder e.V. unter Telefon 040/742 65 01.