Kommentar

Keine bürgernahe Verkehrspolitik

Die Präsentation neuer Planungsvarianten für die Tempo-30-Zone Jäger-/Vogteistraße ist ein neues, finsteres Kapitel in der Endlosdiskussion um dieses Wohnviertel.

Da hat sich die Politik im September 2011 schon zu einem einstimmigen Votum zur baulichen Ausgestaltung des Bereichs durchgerungen und dafür sogar 250.000 Euro bewilligt. Bis 19 Monate später ein vom Bezirksamt beauftragtes Ingenieurbüro um die Ecke kommt, und den politischen Konsens quasi durch die Hintertür wieder aushebelt. Die Vision einer Vorfahrtsstraße mit Tempo 50 muss die vom dauernden Durchgangsverkehr gestressten Anwohner brüskieren.

So wird der Umgang mit diesem Thema zum Beleg für die Unfähigkeit der Verwaltung, solch gravierender Verkehrsprobleme Herr zu werden. Oder ist es nur Unwillen?

Es entsteht der Eindruck, dass die Anrainer des Straßenzugs nur das Pech haben, das unter ihnen offenbar kein halbwegs Prominenter mit Einfluss wohnt. Wie sonst ist zu erklären, dass andere Straßen längst als Hauptverkehrsadern entwidmet sind? Wenn dann auch noch der Verdacht "bestellter Untersuchungsergebnisse" mit völlig irrelevanten Zahlenvergleichen im Raum steht, wirkt das ganze Verfahren mehr denn je fragwürdig und überdies auch noch bürgerfern.

"Es wird Zeit, dass auch in Harburg endlich moderne Verkehrspolitik gemacht wird", hat Grünen-Fraktionschef Kay Wolkau nach der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses gefordert. Dem ist nichts hinzuzufügen.