Winsen

Kriminalitätsstatistik ist ungenau

Landeskriminalamt Niedersachsen startet im März eine erste Bürgerbefragung in 90 Kommunen

Lüneburg/Winsen . Einbruch, Diebstahl, Gewaltdelikte. Was die Polizei in ihrer jährlichen Kriminalstatistik zu Papier bringt, entspricht vermutlich nur der Spitze des Eisbergs dessen, was Menschen im Laufe des Jahres an Kriminalität tatsächlich erleben. Viele Straftaten werden nach Einschätzung der Polizei nämlich nicht angezeigt. So liegt ein Teil der Wahrheit im Verborgenen. Um Licht ins Dunkel zu bringen, startet das Landeskriminalamt Niedersachsen im März eine bundesweit bislang einmalige "Dunkelfeldstudie".

Gut 40.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger im Alter von über 16 Jahren aus rund 90 niedersächsischen Kommunen erhalten in den kommenden Tagen per Post zunächst ein Ankündigungsschreiben und bis Ende des Monats einen zehnseitigen Fragebogen zugeschickt, mit 50 Fragen zu den Themenkomplexen Lebenssituation, Opfererfahrungen, Anzeigeverhalten, Kriminalitätsfurcht, Wahrnehmung und Bewertung der Polizeiarbeit sowie Erfahrungen mit und Auswirkungen von Partnergewalt. In der südlichen Hamburger Metropolregion werden Bewohner in Lüneburg, Bardowick, Winsen, Salzhausen, Buchholz, Seevetal, Horneburg, Harsefeld und Himmelpforten an der Umfrage beteiligt sein. Die Teilnahme ist freiwillig und die Befragung erfolgt anonym, teilt die Polizei mit.

Zur Befragung sagt der Leiter der Kriminologischen Forschung und Statistik im Landeskriminalamt Niedersachsen, Hartmut Pfeiffer: "Wir wollen eine Basis schaffen, um zielgenauere Präventionskonzepte zu erstellen, Maßnahmen zur Erhöhung der Anzeigebereitschaft zu initiieren, den Einsatz von personellen und sachlichen Ressourcen bei der Polizei zu verbessern und die Forschung als Indikator für die Wirkung polizeilicher Schwerpunktsetzungen zu nutzen." Ziel sei eine verbesserte Kriminalitätsbekämpfung in Niedersachsen und ein verbesserter Schutz der Bevölkerung durch vorbeugende Maßnahmen.

Nach der ersten Befragung und den daraufhin beabsichtigten Veränderungen in der Polizeiarbeit ist eine weitere Untersuchung in zwei Jahren geplant und möglicherweise zusätzliche Befragungen in weiteren Zweijahresabständen. Pfeiffer: "Nachdem wir die Befragung durchgeführt haben werden, werden die Antworten ausgewertet und analysiert. Die erstellten Statistiken werden veröffentlicht und die Erkenntnisse polizeiintern für Planungsaufgaben genutzt. Zur Analyse gehört auch ein kritischer Umgang mit dem Verfahren insgesamt. Die Erfahrungen werden wir nutzen, um nach zwei Jahren eine weitere hierauf aufbauende Befragung durchführen zu können. Spannend wird es sein, dann, also 2015, die Ergebnisse mit denen aus dem Jahr 2013 zu vergleichen. Einen besonderen Wert erhält eine solche Studie dann, wenn sie in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird und so Trends erkennbar werden." Beteiligt an der "Dunkelfeldstudie" ist der niedersächsische Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie sowie die Universität Hamburg.

Uwe Kolmey, Präsident des Niedersächsischen Landeskriminalamts: "Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt uns an, was bei der Polizei an Straftaten bekannt geworden ist. Wir haben noch keine Erkenntnisse dazu, was nicht angezeigt wird und damit das Dunkelfeld der Kriminalität dargestellt."

Bei der Dunkelfeldstudie handelt es sich nach Angaben der Polizei um eine wissenschaftliche Forschung zum Thema Sicherheit und Kriminalität, die anhand einer groß angelegten Bevölkerungsbefragung als zusätzliche Informationsquelle neben der etablierten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) durchgeführt wird. Die PKS zeigt auf, was der Polizei angezeigt wurde, die Dunkelfeldforschung erfragt nach den Worten von Kolmey, was nicht angezeigt wurde.