Harburg

Eiskalt genießen - ein letztes Mal

Groß und klein nimmt langsam Abschied vom Winter. Der zeigt sich im Hamburger Süden von seiner besten Seite

Harburg . Rote Wangen, laufende Nasen und aufgeregtes Lachen: Bei Sonne und tiefem Neuschnee genossen große und kleine Kinder am Dienstag eine der wohl letzten Chancen auf heimischen Wintersport in dieser Saison. Ruhe, unberührten Schnee und leises Knirschen unter den Sohlen erlebten viele, die es konnten, gleich daneben auf ausgedehnten Sonnen-Spaziergängen. Die Kombination aus klarer Luft und viel frischem Weiß lockte vor allem Kinder, junge Familien und Senioren als auch Sportler, Hobbyfotografen und Naturbegeisterte ins Freie. Der Winter, er zeigte sich zum langsamen Abschied noch einmal von seiner prächtigsten Seite.

Im Harburger Stadtpark glitzert der noch unberührte Schnee in der Sonne. Hier spielen Kinder, sie schaukeln oder bauen Schneemänner. Eltern sind mit ihren Kleinen zum Schlitten fahren her gekommen. Einer von ihnen ist Michael Fröhlich. "Für uns ist das heute ein Heimspiel, wir wohnen direkt um die Ecke in Marmstorf", berichtet er. Vom Spielen im Schnee hat sein Sohn Julian bereits rote Wangen. "Bei dem Wetter muss die letzte Gelegenheit zum Rodeln einfach genutzt werden", sagt Michael Fröhlich. Lachend schnappt er sich seinen Sohn, setzt ihn auf den Schlitten und saust mit ihm gemeinsam den Berg hinunter. Auf der anderen Seite des Stadtparks, an einem weiteren Rodelhang, schliddert gleich eine ganze Gruppe fröhlicher Kinder auf Schlitten den Berg hinunter. Gernot Knösel ist mit seinen Kindern Saniya und Simon da. "Heute muss vorsichtiger gerutscht werden, weil Saniya einen gebrochenen Arm hat", erzählt Knösel. Das kleine Mädchen im rosa Skianzug packt sich demonstrativ ihren Schlitten und stapft den Berg wieder hinauf. Es scheint, als wolle sie von Vorsicht nichts hören.

"Das ist wie Österreich vor der Haustür!", schwärmt Elga Steinhoff. Sie ist in den Harburger Bergen unterwegs und geht regelmäßig an der Kärntner Hütte einen der verschneiten Wege hoch. Diesmal haben sie und ihr Begleiter Herr Häse sich für die rechte Abbiegung entschieden. "Früher war hier mal ein Skilift, da kam man einfacher hoch", erinnert sie sich. Beiden ist die Naherholung sehr wichtig.

Die Ruhe verfliegt, sobald man den Weg zum Rodelgebiet hinaufstapft. Wanderte man eben noch zwischen Gleichgesinnten und Skilangläufern, muss man hier fast aufpassen, nicht von übermütigen Schlittenfahrern umgefahren zu werden. Vom klassischen Holzschlitten bis zu modernen lenkbaren Hartplastikschlitten ist alles dabei.

Die 50 Kinder des Kindergartens "Zwergenhof" zischen am liebsten auf ihren "Poporutschern" den Hang hinunter. "Bei diesem wunderbaren Schnee können die Kinder den Hang natürlich zum Rodeln nutzen", sagt die Leiterin des Kindergartens, Gerda Seipold. Im Sommer wachsen hier Äpfel und Birnen. Sie ruft den Kindern zu, dass sie sich jetzt alle am Hang einfinden sollen. Wildes Geschrei und "ahh"- und "ohh"-Rufe der Vorfreude sind zu hören. Alle suchen ihre "Poporutscher" zusammen und stellen sich in Reih und Glied zum Rodeln auf. Ein kleiner Junge in grüner Schneehose stimmt das Lied "Es schneit, es schneit, kommt alle aus dem Haus" an und alle anderen Kinder singen - mehr oder weniger laut - auf einmal mit. Erzieherin Alexandra Jacobsen muss schmunzeln. "Das Rodeln ist heute das Highlight des Tages", erzählt sie. Nacheinander rutschen die Kinder mit Jubelrufen den Berg hinunter. Es scheint, als wüssten sie, dass der lange Winter sich bald verabschieden wird und als würden sie den letzten Schnee der Saison deshalb um so mehr genießen.