Harburg

Abriss und Neubau – Aufwertung für die Wetternstraße

Investor plant 43 Reihenhäuser im Wohnquartier. Frühere Behelfsheime werden wohl noch in diesem Jahr abgerissen.

Harburg. "Wir sind sehr glücklich", sagt Iwona Mazurkiewicz, Sprecherin der Siedlungsgemeinschaft Wetternstraße in Harburg. Und dass das so ist liegt vor allem an der endlich in greifbare Nähe rückenden Aussicht auf eine Aufwertung ihres Wohnquartiers. Lange Jahre hatten die Siedler sich um Veränderung bemüht. Nun geht ihr Wunsch wohl bald in Erfüllung.

Die Siedlung befindet sich zwar nur etwa 800 Meter Luftlinie südöstlich des Harburger Bahnhofs zwischen Hörstener Straße, Großmoordamm und der Stadtautobahn A 253, liegt aber trotzdem im Abseits, eingesäumt von Industrie und dem Autobahnwall. Wenn von der Wetternstraße die Rede ist, dann zumeist von der Wohnunterkunft für Obdachlose und von den vier Behelfsheimen an den Siedlungsstraßen Flutende/Zehntland. Glücklich sind die Anwohner vor allem, dass die Tage der schon seit geraumer Zeit leer stehenden Behelfsheime gezählt sind. Ihr Abriss steht bevor, der Neubau von Eigentums-Reihenhäusern ist geplant.

Mazurkiewicz: "Wir haben die Aufwertung gefordert, die Verwaltung und alle politischen Fraktionen haben uns unterstützt. Es gibt eine sehr enge und konstruktive Zusammenarbeit, und wir werden über alle Planungsschritte informiert. Darüber sind wir sehr zufrieden. Für den Neubau liegt schon ein Bauvorbescheid vor." Muammer Kazanci, SPD, Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses: "Wir bemühen uns, die Entwicklung positiv voran zu bringen". Und Harburgs Baudezernent Jörg Heinrich Penner geht davon aus, dass der Bauantrag schon bald gestellt wird.

Verhandlungspartner sind das städtische Hamburger Wohnungsunternehmen Saga, das die Grundstücke mit den abbruchreifen Behelfsheimen übernommen hatte und der Investor, die Deutsche Reihenhaus AG in Köln. Saga-Sprecherin Kerstin Matzen: "Die Saga will die Grundstücke an den Bauinvestor verkaufen. Die Verhandlungen laufen noch." Und Achim Behn, Sprecher der Deutschen Reihenhaus AG, sagt: "Es gibt noch einige Detailfragen zur Planung mit dem Bezirk zu klären. Wir befinden uns in guten, konstruktiven Gesprächen. Die Zusammenarbeit läuft insgesamt sehr positiv - auch mit dem Grundeigentümer, der Saga. Bei weiterhin gutem Verlauf können wir vermutlich Ende dieses Jahres mit dem Neubau beginnen. Insgesamt sollen 43 Reihenhaus-Wohneinheiten entstehen".

Die Deutsche Reihenhaus AG (www.reihenhaus.de) bietet Wohneigentum in Standardbauweise zum Festpreis, schlüsselfertig, inklusive Grundstücksanteil und Anschlusskosten. Um Fliesen, Malerarbeiten und Bodenbeläge muss sich der Käufer selbst kümmern. In Harburg erstellte das Unternehmen vor zwei Jahren das erste Reihenhausprojekt am Höpengrund 4 a bis 4 o in Sinstorf. "Die Häuser waren alle rasch verkauft", sagt Behn. Auch das neue Vorhaben am Zehntland werde seinen Worten nach gelingen: "Wir sind vom Standort völlig überzeugt und freuen uns auf unser zweites Projekt in Hamburg. Auf dieser Fläche wollen wir das umsetzen, was in Politik und Verwaltung auch angedacht war. Es entsteht bezahlbarer Wohnraum für Familien in der Stadt."

An Zehntland und Flutende sollen Reihenhäuser der Typen "Lebensfreude" mit 81 Quadratmeter Wohnfläche sowie "Familienglück" mit 141 Quadratmetern entstehen. Zu den Kaufpreisen gibt es noch keine Aussagen. Zum Vergleich: Im Wohnpark "Altes Hospital" in Bremen kostete ein Reihenhaus "Lebensfreude" 109.990 Euro, im Wohnpark "Mainblick" in Kelsterbach 164.990 Euro. Die Reihenhäuser "Familienglück" kosteten dort jeweils 161.990 und 226.990 Euro.

Zu den Besonderheiten der Wohnparks zählt unter anderem die Unabhängigkeit von Strom- und Wärmeversorgung. Achim Behn: "Wir haben ein spezielles Energiekonzept in unseren Wohnparks. Von der Technikzentrale der Siedlung aus versorgen wir alle Häuser per Leitungsnetz mit Strom, Wärme, Kaltwasser, Telefon, Internet und Satellitenfernsehen. Wir nutzen Kraft-Wärmekopplung. In den Technikzentralen arbeitet ein Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme erzeugt."

Auf dem künftigen Baugelände sind die leer stehenden Behelfsheime mit Bauzäunen abgeriegelt, die Erdgeschossfenster sind vernagelt. 1927 waren die für 50 Bewohner ausgelegten Häuser ursprünglich nur für kurze Nutzungsdauer gebaut worden. Die Unterkünfte in den Häusern erfüllten nur die geringsten Ansprüche. Auf dem Nachbargrundstück der Behelfsheime, auf dem Gelände der von "Fördern und Wohnen" betriebenen Wohnunterkunft für Obdachlose, gab es schon vor mehr als hundert Jahren eine Polizeikaserne, ein Stadtgefängnis und Armenhaus sowie ein Barackenlager.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg lebten dort zeitweise mehr als 300 Obdachlose.