Harburg
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Mauer-Kunstwerk wird gedreht

Beim Abriss des alten Polizeikommissariats an der Knoopstraße ist auch Fingerspitzengefühl gefragt

Harburg. Es kracht und staubt: Im ehemaligen Polizeikommissariat 46 an der Knoopstraße 33 gehen Männer mit Brecheisen, Hämmern und Schraubendrehern kräftig zur Sache. Die Vorbereitungen für den Abriss des Gebäudes laufen auf vollen Touren.

Von "Entkernung" des Gebäudes ist derzeit die Rede. Deckenverkleidungen fallen zu Boden, Holzlatten fliegen hinterher. Demnächst sind Elektro- und Wasserleitungen an der Reihe, danach die Stahltüren, hinter denen früher Festgenommene in den Zellen auf Ausnüchterung oder Vernehmung warten mussten. Zum Schluss werden Eingangstüren und Fenster ausgebaut. Baumaterialien werden für das Recycling sortenrein gehäuft.

In etwa vier Wochen werde die Entkernung beendet sein, schätztb Harburgs Baudezernent Jörg Heinrich Penner. Nach Ostern wird der Abriss des alten, bis auf die Rohbausubstanz geräumten Kommissariats beginnen.

Aber der Abriss ist auch noch mit einer ganz besonderen Herausforderung verbunden. Die Leute vom Bau werden nicht rundum mit grobem Werkzeug hantieren können, denn das ansonsten eher triste Polizeikommissariat aus graubraunen Waschbetonplatten der 1970-er Jahre beherbergt auch ein Kulturdenkmal: Es grenzt an den Hinterhof, steht neben dem Bauamt beim Harburger Rathausplatz. Dort ist auch eine Bronzeplatte des Harburger Kunstpfads in den Gehweg eingelassen und ein silberfarbenes Schild im Blumenbeet am Gehwegrand zeigt an: "Johannes Ufer (1912-1987), 1981, ohne Titel - Mauerrelief, Ziegel, Freie und Hansestand Hamburg". Der meist eilige Passant wird das vom Künstler sechs Jahre vor seinem Tod geschaffene Kunstwerk im Vorbeigehen kaum wahrnehmen.

Doch das Relief im Mauerwerk, das vom Künstler durch herausstehende Ziegel an der Rückseite der alten Polizei-Fahrzeugremise geschaffen worden war, soll eine Zukunft haben.

Als Eigentümer des Kunstwerks könnte der Bezirk die Mauer ganz einfach abreißen lassen. Baudezernent Jörg Heinrich Penner: "Wir wollen die künstlerische Arbeit aber erhalten. Wir müssen das Relief für die künftige Nutzung des Geländes Stein für Stein zerlegen und anschließend originalgetreu, nur um 90 Grad versetzt, wieder aufbauen lassen, damit die Blickachse zum neuen Rathausforum hergestellt werden kann".

Auf dem Gelände soll bis 2016 das neue "Kundenzentrum" - früher hieß es Einwohnermeldeamt - gebaut werden. Noch befindet sich das Kundenzentrum in der Harburger Rathauspassage. Die Finanzierung des Neubaus ist bislang noch nicht gesichert. Die CDU hatte für die Übergangszeit eine Parkplatznutzung für das Gelände beantragt. Der Antrag war wegen der Kürze der Nutzungsdauer abgelehnt worden.

Künstler Johannes Ufer hatte auch die Betonsäule und Wandreliefs am Gloria-Tunnel geschaffen. Die Arbeiten werden derzeit gereinigt.