Harburg

Ein Kunstkaufhaus für den Binnenhafen

Investor Rolf Lengemann will das "neue" Kaufhaus aus dem Jahr 1826 sanieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen

Harburg. Immer mehr Investoren entdecken den alten Charme des Harburger Binnenhafens. Nachdem der Musiker und Journalist Werner Pfeifer seine Pläne für die alte Fischauktionshalle vorgestellt hat, soll nun ein weiteres altes Gebäude im Binnenhafen im Zuge der Quartiersentwicklung zu neuem Glanz kommen. Rolf Lengemann, Inhaber des "neuen" Kaufhauses in der Blohmstraße 22 rechnet mit einer Investitionssumme von rund 700.000 Euro, um aus Hamburgs größten und ältesten Großspeicher ein neues Kulturzentrum zu machen. Auch wenn der gebürtige Harburger Lengemann, ehemals Geschäftsführer der alteingesessenen Harburger Heizungsfirma Lengemann & Eggers, jetzt in Mainz lebt, und nach eigener Aussage sogar schon Gefallen am Mainzer Karneval findet, will "ein altes Stück Harburg an der Stelle, wo es immer stand, der Öffentlichkeit zugänglich machen", sagt er.

Mehr als 100.000 Euro für die Sanierung sollen aus dem Topf Städtebauliche Denkmalsanierung kommen. Lengemann plant ein "Kunstkaufhaus" für Konzerte, Vorträge und Veranstaltungen im Sommerbetrieb. Ziel ist es, das sich der Betrieb selbst trägt. Der Unternehmer Lengemann rechnet langfristig nicht mit einnahmen aus dem "Kunstkaufhaus". Geplant sind Musik-Festivals. Mit einem Musikprogramm, bei dem eher klassische Musik im Mittelpunkt stehen soll, hofft Rolf Lengemann nicht nur auf Gäste aus Harburg, sondern auch von nördlich der Elbe und der gesamten Metropolregion Hamburg. Der Mainzer ist bereits mit einem Festival-Experten im Gespräch, der die Leitung des "Kunstkaufhauses" übernehmen könnte. Angedacht ist unter anderem, Konzerte der etablierten Musik-Festivals Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im Binnenhafen zu etablieren. Neben klassischer Musik sollen hier künftig auch die Hard-Beat, Techno, Funk, Soul, Rap und HipHop Szenen bedient werden. Ein Restaurant oder Café ist in Planung.

Wenn Lengemann seine Pläne realisiert, und Werner Pfeifer, der ebenfalls ein kulturelles Zentrum plant, die alte Fischauktionshalle saniert und umbaut, hätte der Bezirk Harburg damit in seiner alten Industriebrache Binnenhafen ein echtes kulturelles Highlight zu bieten. Pfeifer plant unter anderem Ausstellungen für junge, weniger bekannte Künstler in der alten Fischauktionshalle und einen Skulpturenpark.

Gebaut wurde der Großspeicher mit drei Ebenen à 440 Quadratmetern im Jahr 1826. Dass der Wahl-Mainzer es mit solchen Ankündigungen ernst meint, zeigt, dass er bereits vor einigen Jahren rund 1,4 Millionen Euro in die Sanierung der alten Villa im italienischen Renaissance Stil neben dem Kaufhaus investierte. Im Oktober 2013 sollen die Sanierungsarbeiten beginnen und rechtzeitig zur Festspielsaison 2014 abgeschlossen sein. Es müssen ausreichend breite und sichere Treppen eingebaut werden, der Brandschutz muss modernen Anforderungen genügen. Die Architekten haben die Aufgabe, ihre Planungen so zu erarbeiten, dass der Charme des Gebäudes nicht verloren geht.

Im Zuge der Überlegungen, was aus dem Kaufhaus werden solle, so Rolf Lengemann, sei auch die Idee geboren worden, das Gebäude abzubauen und dem Freilichtmuseum am Kiekeberg zu überlassen. "Aber das Argument, was ein altes Harburger Gebäude auf dem Kiekeberg solle, hat mich dann doch überzeugt", sagt Rolf Lengemann. "Da gehört es nicht hin." Damit bleibt nun eines der bedeutendsten Denkmäler Harburgs dem Harburger Binnenhafen erhalten.