Veddel schafft Platz für Asylbewerber

Starker Zustrom von Flüchtlingen sorgt in der Hansestadt Hamburg für einen Engpass

Veddel. Die frühere Auswandererinsel wird neue Heimat für Zuwanderer: Die Stadt Hamburg will nach Angaben der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) 168 zusätzliche Plätze für Asylbewerber und Wohnungslose auf der Veddel schaffen. Sie sollen bis zum Frühjahr in Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Saga/GWG in der Straße An der Hafenbahn untergebracht werden. Nach Informationen des SPD-Bezirksversammlungsabgeordneten Klaus Lübke von der Veddel würden dazu bereits Wohnungen gekündigt, die Unternehmen für Saisonarbeiter angemietet hätten.

Klaus Lübke will die künftige Nutzung der Gebäude An der Hafenbahn in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte zum Thema machen. "Ich möchte voranbringen, dass dort ein Wohnheim für Auszubildende entsteht", sagt der SPD-Politiker.

Die Stadt Hamburg will insgesamt 1000 Plätze in der sogenannten öffentlich-rechtlichen Unterbringung für Asylbewerber und Wohnungslose in ganz Hamburg schaffen - davon allein 168 auf der Veddel. In den anderen Elbinsel-Stadtteilen Wilhelmsburg und Kleiner Grasbrook liegen laut Sozialbehörde keine Pläne vor, zusätzliche Unterkünfte für Asylbewerber zu schaffen.

Ihn störe, dass eine so große, zentrale Unterkunft auf der Veddel geschaffen werde, sagt Klaus Lübke. Im Januar waren nach Angaben der Stadt 188 Menschen in den Unterkünften An der Hafenbahn untergebracht. Davon waren 40 Asylbewerber. Die übrigen seien Wohnungslose und Menschen mit anderem Status, zum Beispiel Männer und Frauen, deren Abschiebung vorübergehend ausgesetzt ist.

Zu den 188 von der Stadt untergebrachten Menschen würden 168 hinzukommen. Die Elbinsel Veddel hat nur 4887 Einwohner, davon haben 70,1 Prozent einen Migrationshintergrund. Nirgendwo ist Hamburg internationaler. "Wir sind stolz auf das Zusammenleben so vieler Nationen in unserem Stadtteil", sagt Klaus Lübke. Aber irgendwann, mahnt er, könne die Einwohnerschaft auch mal überfordert werden. Der SPD-Politiker rät, die geplanten zusätzlichen 168 Plätze für Asylbewerber und Wohnungslose flächendeckender zu verteilen. Bei den Planungen für neu zu schaffende Plätze werden in der Regel sieben Quadratmeter pro Person berücksichtigt, heißt es bei der BASFI. Bei bereits bestehenden Gebäuden werden "die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort" berücksichtigt.

"Durch den starken Zustrom von Flüchtlingen gibt es in der Freien und Hansestadt Hamburg auch weiterhin einen Engpass bei der Unterbringung von Asylbewerbern und wohnungslosen Menschen", sagt BASFI-Sprecher Olaf Dittmann. Seit Juli 2012 habe sich die Zahl der Asylsuchenden im Vergleich zum Vorjahr um rund 50 Prozent bis zum Dezember 2012 erhöht. Die BASFI erwartet, dass sich die Zuwandererzahlen voraussichtlich auf diesem Niveau halten werden. Die vorhandenen Kapazitäten der Stadt würden deshalb nicht ausreichen. Die Behörde setze daher die Planungen um, kurzfristig in allen Bezirken der Stadt zusätzliche Unterkünfte zu schaffen.