Landkreis Harburg

ADFC-Test: Radler erteilen schlechte Noten

Buchholz, Winsen und die Gemeinde Seevetal schneiden bei einem vom ADFC initiierten "Fahrradklimatest 2012" nur mit "ausreichend" ab.

Buchholz/Winsen/Hittfeld. Schlechte Noten haben die Städte Buchholz und Winsen sowie die Gemeinde Seevetal bei dem vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) initiierten "Fahrradklimatest 2012" bekommen. Die Stadt Buchholz bekam bei den befragten Radfahrern die Durchschnittsnote 3,8, die Stadt Winsen die Note 3,9 und Seevetal die Note 4,2.

In Niedersachsen wurden die Werte in 26 Kommunen unter 100.000 Einwohnern abgefragt. Dabei lag Winsen auf Platz 20, Buchholz auf Platz 24 und Seevetal auf dem vorletzten Platz 25. Zum Vergleich: Lüneburg landete mit der Note 3,7 auf Platz 16, Stade mit der Note 3,9 auf Platz 22.

"Die Umfrage zeigt eindeutig, dass aus Sicht der Bürger im Landkreis Harburg noch viel zu wenig für den Radverkehr getan wird", resümierte der ADFC-Kreisvorsitzende Volker Bandke, 59, aus Ramelsloh. "Die Noten wären sogar noch schlechter ausgefallen, wenn es für die Kategorien 'Erreichbarkeit des Stadtzentrums' und 'zügiges Fahren möglich' nicht vergleichsweise gute Noten gegeben hätte."

Besonders schlecht schnitten Winsen, Buchholz und Seevetal ab in den Kategorien "Werbung für das Radfahren", "Falschparker auf Radwegen", "Ampelschaltungen für Radfahrer", "Reinigung und Winterdienst auf Radwegen", "Breite und Oberfläche der Radwege", "Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln" sowie "öffentliche Leihfahrräder".

"Einige Radwege im Landkreis Harburg sind für Radler fast unbefahrbar", monierte ADFC-Mann Volker Bandke. "Das heißt nicht, dass alle Radwege schlecht sind, aber die Gesamtheit der schlechten Radwege prägt sich leider nachhaltiger im Gedächtnis ein."

Winsens Stadtsprecher Theodor Peters kritisierte die Studie indes. "In Winsen haben nur 59 Personen an der Umfrage teilgenommen, das ist nicht repräsentativ." Peters räumte ein, dass Winsens Radwegenetz "noch verbesserungsfähig" sei. Deshalb investiere die Stadt in diesem Jahr 310.000 Euro für einen Rad- und Gehweg in der Bürgerweide und 170.000 Euro für weitere Radwege; hinzu kommen 100.000 Euro für Unterhaltungsmaßnahmen.

Radfahren in Buchholz - aus Sicht der Buchholzer Liste ist das ein Thema, das die Stadtverwaltung bisher eher stiefmütterlich behandelt habe. Sie wundert sich deshalb nicht darüber, dass Buchholz beim ADFC-Fahrradklimatest auf dem vorvorletzten Platz bei den Kommunen unter 100.000 Einwohner in Niedersachsen landete. Erstaunlich ist es nach Meinung der Buchholzer Liste nur, dass Buchholz noch im vergangenen Jahr als "fahrradfreundlichste Kommune Niedersachsens" ausgezeichnet wurde - auch wenn das Schwerpunktthema damals ausschließlich das Fahrradparken war.

Mithilfe eines Positionspapiers wollen die Mitglieder der Buchholzer Liste nun frischen Wind in die Sache bringen. Das Papier soll heute Abend bei der Fortsetzung des Mobilitätskonzepts diskutiert werden (siehe Infokasten) und dabei helfen, die Stadt bis zum Jahr 2020 tatsächlich in eine "fahrradfreundliche Kommune" zu verwandeln. Die zentrale Botschaft müsse lauten, dass auch in der vermehrten Nutzung des Fahrrads ein Schlüssel zu einer spürbaren und nachhaltigen Verbesserung der innerstädtischen Verkehrssituation in Stoßzeiten besteht, heißt es in dem fünfseitigen Schriftstück.

Zu den Forderungen der Buchholzer Liste zählt deshalb, dass die Stadt die Förderung des Radverkehrs zur Chefsache macht und eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Bürgermeisters bildet. Das Umdenken könnte beispielsweise die Anschaffung von Dienstfahrrädern für innerstädtische Fahrten der Verwaltungsmitarbeiter dokumentieren.

Weitere Forderungen: Schüler sollen als Fahrradexperten des Alltags ebenso wie Fahrrad- oder Bahnpendler in die Planung des Radwegenetzes eingebunden werden. Die Schulzentren, der Bahnhof und die Gewerbegebiete sollen über eine Radewegeführung, die ein schnelles Radfahren ermöglicht, erreichbar sein, und am Bahnhof soll eine Fahrradstation entstehen. Die Station sollte möglichst von einem Beschäftigungsträger wie der Jugendwerkstatt "Chancen" schaffen betrieben werden.

Zudem setzt sich die Buchholzer Liste dafür ein, dass es deutliche und einheitliche Fahrbahnmarkierungen in Wohngebieten und an Kreuzungen sowie Straßeneinmündungen gibt und dass Buchholz regelmäßige Kongresse, und Fahrradaktionstage veranstaltet.

Deutschlandweit nahmen 252 Kommunen unter 100.000 Einwohnern am ADFC-Fahrradklimatest teil. Hier landete Winsen auf Platz 137, Buchholz auf Platz 161 und Seevetal auf Platz 227. Nummer eins in Deutschland war Bocholt mit der Gesamtnote 2,2 - Nummer eins in Niedersachsen war Bad Bentheim mit der Note 2,8.