Kommentar

Von Gruken und Geschneken

Eine Glosse von Andreas Burgmayer

Es ist mit meinen Wurstfingern ja nicht besonders einfach, diese Miniatur-Buchstaben auf der Touchscreen-Tastatur meines Smartphones zu treffen. Macht aber nix. Die Dinger mit ihrer automatischen Texterkennung schreiben ja eh fast schon alles alleine.

Früher schrieb ich mit meinem alten Mobiltelefon noch so nette SMS-Preziosen wie: "Hsat du schno alle Geschneke frü dei Eltren eignekufat?" oder "Huete Abned mach ich Nulden mit Totamensosse, dazu Schintzel und Grukensalta". Kryptisch, aber hey - meine Frau wusste, was ich wollte und machte Sympathie-Bonuspunkte in ihrer Firma, in der sie für ihre Lachanfälle beim SMS-Lesen bekannt war.

Grukensalta und Geschneke lässt mir mein neuer - mit Verlaub - Klugscheißer unter den Telekommunikationsendgeräten jetzt aber nicht mehr durchgehen. Er erkennt jeden Fehler, bevor ich überhaupt daran gedacht habe, ihn zu tippen. Das ist ja eigentlich ganz nett, aber auch schrecklich bevormundend. Manchen Wort-Eigenkreationen verweigert er sich völlig, korrigiert sie während des Schreibens, besonders schlimm ist das bei nett gemeinten Kraft-Ausdrücken.

Wenn ich "Bratze" schreibe, will er "Brotzeit" machen, und "Vollhonk" macht er zu "Vollmond". Anderen da draußen scheint es ähnlich zu gehen. Überschrieb doch kürzlich ein Interviewpartner seine Terminabsage wegen Krankheit mit der Anrede "Lieber Herr Büromaterial". Weil sein Klug-Phone Burgmayer nicht akzeptieren konnte.