Spiegel, die aus dem Rahmen fallen

Künstlerin Ilona Hoffmann aus Heimfeld setzt ihre Ideen mit Kupferfolie, Draht und Lötkolben um

Harburg. Eigentlich wollte Ilona Hoffmann, 46, nur ein Geburtstagsgeschenk basteln. Es sollte ein persönliches und kostengünstiges Präsent sein. Also kam sie auf die Idee, mit einem Lötkolben den Rahmen eines Spiegels zu verzieren und schenkte ihn einem Freund. Das ist 25 Jahre her. Seitdem hat die Künstlerin so viel Freude daran gefunden, Spiegelrahmen zu gestalten, dass sie ihre Werke ausstellt und verkauft. "Meine erste Ausstellung war im Consortium hier in Harburg 1989, in Holland habe ich auch schon ausgestellt", sagt sie.

Für einen Spiegel könne fast alles verwendet werden. So bestehe der Rand eines Spiegels meistens aus Verpackungsglas, welches von ihr eingeschmolzen und anschließend in den Rahmen eingefasst wird. Mit Kupferfolie, Draht und einem Lötkolben wird alles verziert und fertiggestellt. "Ich habe schon Murmeln geschmolzen, eine Parfümflasche oder ein Schnapsglas." Aber auch mit Gipsabdrücken und Mosaiktechnik kann man einen Rahmen gestalten. "Auf meiner Geburtstagsfeier habe ich von jedem meiner Freunde einen Gipsabdruck der Nase genommen. Ich bin gespannt, welche Nasen auch nächstes Jahr zu meinem Geburtstag erscheinen."

Im Schnitt brauche sie für einen Spiegel zwei Monate, um ihn fertigzustellen. Meist hat jedes Werk von ihr auch einen Hintergrund. Beispielsweise versuchte sie in einem Spiegel die Elemente Wasser und Luft miteinander zu verbinden. Auch einen "Doppelkopf" habe sie gemacht. "Auf der einen Seite habe ich den Kopf hell beleuchtet, auf der anderen habe ich ihn dunkel gelassen. Jeder Mensch hat zwei Gesichter, doch meist zeigt man nur eines."

Früher hat Ilona Hoffmann zerschelltes Elbglas gesammelt. Die Scherben bedeuten für sie mehr als nur Abfall. So stehe ihrer Meinung nach hinter jeder zerbrochenen Flasche das Schicksal einer Person, die das Glas zerschellen ließ. "Ich wollte Licht in diese Geschichten bringen und beleuchtete meine Spiegel."

Aber die Künstlerin kann noch mehr, als Rahmen zu gestalten. Sie spinnt Wolle. "Das habe ich mir selbst beigebracht". Die Wolle wird gewaschen, gefärbt und aufgearbeitet. Daraus entstehen dann zum Beispiel Handpuppen, wie ein Strauß, ein Frosch, ein Hund. Auch zur Freude ihres heute 13 Jahre alten Sohnes. "Er hatte viel Spaß mit den Handpuppen", sagt Ilona Hoffmann.

Bevor sie Kunst machte, hat Ilona Hoffmann Tierpsychologie und Homöopathie für Hunde und Pferde studiert. Danach jobbte sie ein paar Jahre und wurde Mutter. Ilona Hoffmann verdient heute ihren Lebensunterhalt mit der Kunst. Ihre Arbeiten sind in einer Dauerausstellung - mit gelegentlichem Objektwechsel - in der Galerie von Erich Gerer, Cuxhavener Straße 128b, zu sehen.