Easynet verlässt den Binnenhafen

In der Hamburger City Süd kann der Service-Provider mit derzeit 160 Mitarbeitern expandieren

Harburg. In der ersten Januarwoche schloss sich das Harburger Kapitel eines der wichtigsten und größten Arbeitgeber im Binnenhafen: Der Service-Provider Easynet hat die geschichtsträchtige Adresse Schloßstraße 1 aufgegeben und ist in die Hamburger City Süd im Stadtteil Hammerbrook gezogen. "Wir hatten uns durchaus in Harburg verliebt", sagte Geschäftsführer Diethelm Siebuhr dem Abendblatt. "Doch als innovatives und dynamisches Unternehmen müssen wir uns auch neuen Herausforderungen stellen und expandieren. Das aber war im Binnenhafen nicht möglich."

Im Bürokomplex "Cambium" am Nagelsweg 33 bis 35 hat Easynet nun ein neues Domizil gefunden. Dort steht den 160 Mitarbeitern auf rund 4000 Quadratmetern jetzt etwa 20 Prozent mehr Fläche zur Verfügung, "mit größeren Büros, neuen Lounges und Think Tanks für eine bessere, direktere Kommunikation", wie es Siebuhr formuliert. Hier könne die Firma auch personell wachsen, bis auf 200 Mitarbeiter.

Easynet bietet Hosting-, Netzwerk- und Cloud-Lösungen vor allem für große Unternehmen an. Büros unterhält die Firma auf allen Kontinenten. "Wir ergänzen globale Erreichbarkeit mit lokaler Expertise und bieten eine große Kundennähe", sagt Siebuhr. Zum internationalen Kundenstamm zählen unter anderem Ölmulti Agip, der Reifenhersteller Bridgestone, aber auch das Dänische Bettenlager, der Discounter Netto, Tchibo und Spiegel online. Heute gehört Easynet zum britischen Private-Equity-Unternehmen Lloyds TSB Development Capital unter dem Dach der Lloyds Banking Group.

Das war nicht immer so. Als deutsche Keimzelle von Easynet gilt die 1998 gegründete Ision-Internet-AG. Mit ihr wurde Alexander Falk, Filius und Erbe des gleichnamigen Bergedorfer Stadtplanherstellers in den 90er-Jahren zum gefeierten Internetstar. Im Harburger Binnenhafen ließ Falk ein großes Rechenzentrum errichten, in dem in besten Zeiten bis zu 350 Mitarbeiter - bundesweit waren es mehr als 800 - arbeiteten.

Im Januar 2001 verkaufte Falk 75 Prozent seiner Firma an das britische Unternehmen Energis - für aberwitzige 850 Millionen Euro. Und avancierte damit zu Hamburgs jüngstem Euro-Milliardär. Die Fallhöhe geriet unterdessen gewaltig. Denn als die Internetblase platzte und Energis selbst in finanzielle Schieflage geriet, wurde Falk wegen manipulierter Umsätze verklagt. Vier Jahre musste Falk ins Gefängnis, ist seit August 2011 wieder auf freiem Fuß. Im September 2012 sprach das Landgericht Hamburg Energis überdies 209 Millionen Euro Schadenersatz zu.

Easynet war im Juli 2002 zur Stelle und übernahm vom Insolvenzverwalter die Reste der einstigen Falk-Firma Ision für vergleichsweise überschaubare 3,4 Millionen Euro. Auch 115 Mitarbeiter wurden seinerzeit übernommen.

"Wir wären wirklich gern in Harburg geblieben, haben uns sogar Büros am Veritaskai angesehen", sagt Diethelm Siebuhr. Doch geeignete Flächen seien leider nicht dabei gewesen. Wer ins Gebäude an der Harburger Schloßstraße 1 ziehen wird, ist bislang noch nicht entschieden.