Lösung in Sicht

Neue Hoffnung für Horneburger Herrensitz

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Kerstin Lorenz

Reparaturkosten von 503.000 Euro nötig. Eigentümer der Villa soll Fördergeld bekommen, um dringende Sanierung zu beginnen.

Horneburg. Für den baufälligen Herrensitz, das sogenannte "Horneburger Schloss", zeichnet sich jetzt eine Lösung ab, die Fachwerkvilla vor dem gänzlichen Verfall zu retten. Somit könnte das Ortsbild des Fleckens zwischen Marschdamm und Gutspark deutlich sichtbar aufgewertet werden.

Denn noch bietet die denkmalgeschützte Villa einen dramatischen Anblick: Mit von Randalierern zerstörten Fensterscheiben, verrotteten Dachrinnen, verzogenem Mauerwerk, marodem Gebälk schreitet der Verfall voran. Wegen drohender Einsturzgefahr der Westfront des Baudenkmals musste die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises bereits eine Nutzungsuntersagung verfügen.

Sollten nicht bald die nötigen Sanierungen vorgenommen werden, will der Landkreis im Haushaltsentwurf für 2013 und in die Planungen für das Jahr 2014 jeweils 100 000 Euro im Rahmen der Gefahrenabwehr einkalkulieren, so Lothar Giesler, Bauamtsleiter des Landkreises. Dies sei eine Planung für den Fall, dass eine Sanierung wieder an der Finanzierung scheitern würde, weil der Eigentümer nicht genügend Geld investieren könne, so Giesler. "Das Gebäude hat derzeit keinen großen Restwert, aber das 2000 Quadratmeter große Grundstück bietet ausreichend Sicherheit. Zudem würde sich der Landkreis für diesen Fall einen Eintrag im Grundbuch sichern."

Zur Rettung des zweigeschossigen Herrenhauses, das am Marschdamm 1886 im Tudor-Stil erbaut wurde, wären nach derzeitigen Berechnungen 503 000 Euro nötig. Dafür würden der Landkreis und die Europäische Union aus Leader-Fonds öffentliche Mittel beisteuern", sagt Giesler. "Die Rahmenbedingungen zur Rettung des Hauses sind gut, wenn der Eigentümer es sich nicht wieder anders überlegt."

Wenn der inzwischen gestellte Antrag des Gebäudeeigentümers Hans-Jürgern Kammer bewilligt wird, könnten 150 920 Euro aus dem EU-Fördertopf fließen. Kammer selbst müsste 302 000 Euro beisteuern. "Wir hoffen, dass Herr Kammer nun seine Chance nutzt ", sagt Samtgemeindebürgermeister Gerhard Froelian mit Blick auf das Sorgengebäude des Fleckens. Beim zuständigen Amt für Landentwicklung werde Kammers Antrag auf EU-Fördermittel derzeit geprüft, um die Höhe der Fördersumme festzusetzen, bestätigt Lienhard Varoga vom Amt für Landentwicklung. Noch in diesem Jahr sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Auch der Flecken Horneburg, der Landkreis und das Niedersächsische Amt für Denkmalpflege wollen sich finanziell an der Instandsetzung des denkmalgeschützten Gutshauses beteiligen. Dann sei Kammer am Zug. Er müsse finanziell in Vorleistung treten und zügig mit den dringend nötigen Sanierungsarbeiten am Dach, der Westfassade, dem Fachwerk und im Treppenhaus beginnen. Anschließend bekäme Kammer einen Teil seiner Kosten erstattet.

Herrensitzeigentümer Kammer will sich indes nicht Untätigkeit vorhalten lassen. "Es gab mehrere Anläufe das Haus zu sanieren, die an der Finanzierung, Hürden des Denkmalschutzes und der Bürokratie gescheitert sind", sagt Kammer. Der Hamburger Galerist hatte seit dem Kauf des Gebäudes 1982 geplant, eine Galerie sowie Künstlerwohnungen in der Villa einzurichten.

"Ich hätte mich seinerzeit mit enorm hohen Zinssätzen bis zu zwölf Prozent verschulden müssen, was gegen alle Vernunft gewesen wäre", erklärt Kammer den mehrfachen Aufschub dringender Reparaturen an seinem Gutshaus. Nun sehe er gute Voraussetzungen, die Gründungsarbeiten an der Westfassade, die Dachsanierung und Renovierung der Innenräume anzugehen. So könnten im Erdgeschoss eine Galerie und ein Atelier entstehen und die oberen Wohnräume wieder nutzbar gemacht werden.

"Beginnen kann und darf ich aber erst, wenn ich den Bewilligungsbescheid für die Förderung in den Händen halte", sagt Kammer.

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