Der Wurm ist raus

Unter einem 800 Quadratmeter großen Zelt wird das Holz der alten Stellmacherei auf 80 Grad erhitzt, um Schädlinge abzutöten

Langenrehm. Der erste Bauabschnitt zur Restaurierung der alten, leer stehenden Stellmacherei in Langenrehm ist beendet. Eine Spezialfirma aus Scheeßel hat gestern die Schädlingsbekämpfung an dem 172 Jahre alten Wohnhaus abgeschlossen. In etwa zweieinhalb bis drei Jahren will das Freilichtmuseum am Kiekeberg den Holzbaubetrieb als Zentrum für historischen Holzwagenbau betreiben, um das beinahe ausgestorbene Handwerk des Kutschen-, Wagen- und Schubkarrenbauers zu erhalten.

Holzfresser wie der gescheckte Nagelkäfer und der Hausbock müssen vor der eigentlichen Restaurierung vertrieben werden - deshalb hat die Firma S&A das Wohnhaus der Stellmacherei unter einer 800 Quadratmeter großen Silagefolie verpackt und die Luft unter diesem Zelt auf bis zu 120 Grad erhitzt. Bei böigem Wind hat das Aufziehen der 80 Kilo schweren Folie acht Stunden gedauert.

Etwa 60 Stunden hat es anschließend gebraucht, um die hölzerne Bausubstanz des Gebäudes auf 80 Grad zu erwärmen. Bei dieser sogenannten thermischen Holzschädlingsbekämpfung sterben die Käfer, Würmer und ihre Larven - das Eiweiß gerinnt in ihnen. "Wenn wir raus sind, ist das Gebäude clean", sagt S&A-Geschäftsführer Wolfgang Szemjonneck.

22 000 Euro hat die Schädlingsbekämpfung gekostet. Finanziert haben sie die Gemeinde Rosengarten, der Landkreis Harburg, die Sparkasse Harburg-Buxtehude, der EU-Fonds ELER und die Bingo Umweltstiftung Niedersachsen.

Etwa 600 000 Euro wird die Sanierung insgesamt kosten. Der vordere Teil des Wohnhauses werde als Museum genutzt werden. Im hinteren Teil entstehe ein Café, sagt Theda Boerma-Pahl, die Abteilungsleiterin Handwerk des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Anfang 2013 soll die Restaurierung beginnen.

Der Betrieb der Familie Peters stammt aus dem Jahr 1840. Die Werkstatt, wie sie noch heute existiert, ist um 1920 errichtet worden. In ihrer besten Zeit, das war 1930 bis 1940, hat die Stellmacherei bis zu fünf Beschäftigte gehabt. Sie produzierten Kutschen, Wagen und Räder aus Holz.

Etwa bis 1970 hielt sich das Unternehmen am Markt. Der Stellmacher Heinz Peters hat noch bis vor seinem plötzlichen Tod im Jahr 2009 die Werkstatt genutzt. Die Gemeinde Rosengarten hat die Stellmacherei anschließend der Erbengemeinschaft für etwa 200 000 Euro abgekauft.

Die ehemalige Wagenbauwerkstatt sei laut Museumsdirektor Rolf Wiese mittlerweile einzigartig in Deutschland. Er will den Beruf des Holzwagenbauers erhalten. Rolf Wiese sieht Chancen, dass ein Stellmacher, der noch ausgebildet werden muss, später Kutschen für den Reitsport repariert.