Harburg
Verkehr

Radwege kommen aus der Mode

Radler sollen primär auf der Straße kurbeln. Kostenloses Ferienseminar für Neun- bis 13-Jährige. Kaum noch Benutzungspflicht für Radwege.

Harburg. Das runde, blaue Schild mit dem weißen Fahrrad - in Harburg wird es immer mehr zum Auslaufmodell. Weil es ist im Wortsinn aus der Mode gekommen ist. Separate Radwege werden immer seltener. Und nur noch in Ausnahmefällen neu angelegt, "wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine erheblich erhöhte Gefährdung für die Verkehrsteilnehmer besteht", wie es in Paragraf 45, Absatz 9 der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt.

So ist nach der zweiten Radverkehrsnovelle, die am 1. September 2009 in Kraft trat, in vielen Harburger Straßen die Benutzungspflicht für Radwege, angezeigt durch das blaue Schild mit der amtlichen Kennung "Z 237", in den zurückliegenden Jahren aufgehoben worden. Mit dem übergeordneten Ziel, den Radverkehr weitgehend auf die Straße zu bringen.

+++ Diese Radwege sind in den Bezirken geplant +++

"Alle seriösen Studien belegen, dass Radfahrer auf der Fahrbahn am besten aufgehoben sind. Weil sie dort tatsächlich am sichersten unterwegs sind", sagt Armin Lehnhoff, Sachbearbeiter der Straßenverkehrsbehörde beim Harburger Polizeirevier 46. "Deshalb gibt es in Harburg keine zehn Straßen mehr, in denen es überhaupt noch eine Benutzungspflicht für Radwege gibt." Dazu zählen unter anderen die B 73, die Bremer Straße (B 75), die Maldfeldstraße (K 80) und der Fürstenmoordamm. Allesamt Hauptverkehrsadern, die auch von sehr vielen Lastkraftwagen genutzt werden.

+++ Ab aufs Rad, aber sicher! +++

+++ Das Ziel sind bessere Fahrradwege +++

Am Harburger Ring, eine der am stärksten befahrenen Straßen im Zentrum Harburgs, ist die Benutzungspflicht des Radwegs übrigens schon seit 2008 hinfällig. Dass die blauen Schilder dort noch hängen, ist einzig der Tatsache geschuldet, dass in diesem Zusammenhang auch die Ampeln neu programmiert werden müssen. "Da ein Radfahrer eine Kreuzung in der Regel deutlich langsamer passiert als ein Auto, muss die Taktung angepasst werden", erklärt Lehnhoff. Dies sei mit der Umstellung auf die moderne LED-Technik inzwischen geschehen. Weshalb das Bezirksamt die Schilder wohl in absehbarer Zeit entfernen werde.

Das bedeutet aber nicht, dass Radfahrer entlang des Harburger Rings künftig auf der Straße fahren müssen. "Solange es die Radwege noch gibt, dürfen sie natürlich genutzt werden", sagt Lehnhoff. Dass Radfahrer dort allerdings tatsächlich sicherer unterwegs sind, bezweifelt der Polizeibeamte entschieden: "Angesichts der zahlreichen Bushaltestellen in diesem Bereich mit oftmals vielen wartenden Fahrgästen rundherum ist das Radfahren auf der Straße keineswegs gefährlicher."

Ganz anders stellt sich die Situation freilich dar, wo es gar keine Radwege gibt - oder wo sie zurückgebaut worden sind, wie zuletzt in der Heimfelder Straße. Dort müssen alle Radler vom zehnten Lebensjahr an regulär auf der Straße kurbeln.

Um vor allem Kinder und Jugendliche auf die (neuen) Anforderungen im Straßenverkehr vorzubereiten, sind Polizeiverkehrslehrer nicht nur an Kindertagesstätten und Schulen aktiv. Erstmals bieten sie jetzt auch ein kostenloses Fahrradseminar in den Ferien an. "Vom 9. bis 13. Juli erfahren Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren bei uns alles über das sichere Radfahren auf der Straße", sagt Axel Stadie vom Polizeikommissariat 46. An drei Stunden pro Tag stehen vor allem viele praktische Übungen auf dem Programm. Zum Auftakt werden die mitgebrachten Räder hinsichtlich ihrer Verkehrstüchtigkeit gecheckt und optimal eingestellt.

"Am zweiten und dritten Tag geht es auf die Straße, wo mögliche Gefahren erläutert und die wichtigsten Verkehrsregeln genau erklärt werden", so Stadie. In der Schule Schwarzenbergstraße wird aber auch ein Film gezeigt, der das Thema "Toter Winkel" behandelt. Besonders spannend verspricht Tag vier zu werden. Da wird mit dem "Melonentest" zuerst vorgeführt, wie wichtig beim Radfahren das Tragen eines Helms ist. Anschließend demonstriert ein Dekra-Mitarbeiter mittels eines Dummys noch, welch fatale Folgen der Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Radfahrer haben kann.

"Nach einer Tour im Realverkehr am Freitag sollten dann alle Teilnehmer für das sichere Fahrradfahren auf der Straße gerüstet sein", sagt Axel Stadie. Und wünscht sich, dass möglichst viele Kinder an dieser besonderen Ferienaktion der Polizei teilnehmen.

Fahrradseminar der Polizei Harburg für Kinder von 9 bis 13 Jahren. Montag, 9. Juli, bis Freitag, 13. Juli, jeweils 10 bis 13 Uhr an der Schule Schwarzenbergstraße. Fahrrad und Helm müssen mitgebracht werden. Telefonische Anmeldung unter 040/428 65 46 36 notwendig. Teilnahme kostenlos.