Eltern wollen auch nach Trennung ihre Kinder sehen

Teilnehmer aus ganz Deutschland demonstrieren in Lüneburg

Lüneburg. Für mehr Kinderrechte demonstrierten am Sonnabend "Entsorgte Eltern und Großeltern" in Lüneburg. Die etwa 70 Teilnehmer aus ganz Deutschland fordern unter anderem, dass Jugendämter und Richter anders mit Sorge- und Umgangsrechtstreiten umgehen.

Peter Witkowski ist einer der Organisatoren der Demonstration vor dem Kreisjugendamt. Am Sande gibt es eine Kundgebung von Betroffenen und Organisatoren, dann geht es zum Amts- und Landgericht. "Das ist bereits die dritte Demo in Lüneburg. Trotzdem sieht man immer wieder neue Gesichter", sagt der Vorsitzende der Selbsthilfegruppe "Entsorgte Eltern und Großeltern.". Im Bewusstsein der Bevölkerung sei das Problem von Eltern, die ihre Kinder nicht sehen dürften, nicht angekommen. "Viele denken, bei solchen Problemen wendet man sich ans Jugendamt oder ans Familiengericht. Dass man da scheitert, auch wenn man im Recht ist, ist ihnen nicht bewusst", sagt er. Der Vater einer 12-jährigen Tochter will, dass das sogenannte Cochemer Modell in ganz Deutschland umgesetzt wird. Dort setzten sich alle Beteiligten, die Familie, das Jugendamt, Anwälte und Psychologe, an einen Tisch. Die Eltern müssten sich einigen. Wer das boykottiere, bei dem werde die Erziehungsfähigkeit angezweifelt.

Am Donnerstag hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Rechte leiblicher Väter mit einem Urteil gestärkt. Geklagt hatte ein Mann aus Fulda, dem deutsche Gerichte einen Vaterschaftstest und den Umgang mit seinem Sohn verweigert hatten. Das Gericht gab dem Mann Recht und rügte die deutsche Justiz.

"Was der Gerichtshof entscheidet ist geltendes Recht, alle nationalen Gerichte müssen sich unmittelbar daran halten", sagt der Lüneburger Rechtsanwalt Peter Luths. Peter Witkowski glaubt nicht daran. "Vor einem Jahr gab es ein ähnliches Urteil, das wird bis heute nicht in Deutschland umgesetzt", sagt er.

Auch die abberufene Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar, Monika Ebeling, marschiert mit. Sie hat ihren Posten verloren, weil sie sich für die Rechte der Männer einsetzte. "Ich glaube wir haben nicht nur eine gläserne Decke in den Chefetagen. Es gibt auch eine gläserne Decke in der Rechtsprechung, die wirkt sich negativ für die Männer aus", sagt sie. Das werde sich auch mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht ändern. Auch sie glaubt nicht an eine schnelle Umsetzung.

Silke Feller ist auf der Demonstration eine der wenigen betroffenen Frauen. Wie im falschen Film habe sie sich zuerst gefühlt, sagt Silke Feller. "Die Richter sind nicht richtig geschult", sagt Silke Feller, "und das Jugendamt glaubt den Lügen meines Expartners." Silke Fellers elfjähriger Sohn kommt alle drei Wochen übers Wochenende zu ihr. Konrad Möller, ihr Lebensgefährte, sieht seine Tochter zwei Stunden in der Woche unter Aufsicht. Die Lösung sehen beide darin, dass die Jugendamtsmitarbeiter sich in den Familien ein Bild machen.