Harburg
Randnotiz

Eine Frage der Gene

Man muss schon ein Held sein, um nach der Schlemmerei der Festtage auf die Waage zu steigen.

Ich bin so unerschrocken und falle fast rückwärts wieder runter. Verdammt, zwei Kilo mehr! Dabei war ich doch fest entschlossen, mich diesmal zu mäßigen. Aber der Gänsebraten, die mit Marzipan gefüllten Bratäpfel, der Christstollen, Berge von selbst gebackenen Plätzchen - da haben mich meine heldenhaften Vorsätze wieder verlassen. Nach diesen Erfahrungen werde ich das Abnehmen lieber gleich aus der Liste meiner Vorsätze zu Silvester streichen. Es wird ja doch nichts, denn im Januar sind wir dreimal zum Grünkohlessen und zu zwei Geburtstagen eingeladen.

Doch es gibt Hoffnung. Amerikanische Forscher haben ein Gen entdeckt, das für die Gewichtszunahme verantwortlich sein soll. Wenn dieses Gen mit dem Namen Crtc3 fehlt, darf man sich der sinnlosen Völlerei hingeben und bleibt trotzdem schlank. Das funktionierte zunächst nur bei Mäusen, denen man das Crtc3-Gen weggezüchtet hatte. Gleichzeitig fanden die Forscher aber heraus, dass dieses Gen bei Menschen mit Neigung zu Übergewicht besonders aktiv ist.

Zwar möchte ich grundsätzlich nicht an meinen Genen herumfummeln lassen, aber hier könnte ich mir eine Ausnahme vorstellen. Immer hinein mit dem Braten mit dicker Soße, Sahnetorte, Schokolade, und ich passe trotzdem in die schlanken Anzuggrößen hinein, kann mich hinter einem Laternenpfahl umziehen. Und wenn das doch nicht klappt? Dann denke ich an das Schild auf dem Tresen eines Kaffee- und Süßwarengeschäfts: Das Leben ist viel zu kurz, um dünn zu sein.