Harburg

Vor dem Studium ins Ehrenamt

Foto: Evelin Hartmann

Bundesprojekt fördert im Landkreis freiwillige Helfer

Buchholz. Lennart hat vergangenes Jahr seinen Bruder verloren. Um über den Tod und seine Trauer sprechen zu können, kommt Lennart jeden zweiten Mittwochnachmittag zu den Treffen des Vereins "traudich - Treffpunkt für trauernde Kinder Buchholz e.V." ( www.traudich-buchholz.de ) in das Mehrgenerationenhaus Kaleidoskop. Hier kümmern sich 15 Ehrenamtliche um Kinder und Jugendliche, die einen nahen Verwandten oder einen guten Freund verloren haben - spenden Trost, spielen mit ihnen oder hören einfach zu.

Acht Mitglieder von "traudich" sind bereits im Programm

Ein anspruchvolles Ehrenamt, das psychische Stabilität aber auch fachliche Schulungen erfordert.

Seit dem ersten Oktober werden acht Mitglieder durch das Bundesprojekt "Freiwilligendienst aller Generationen" gefördert. "Das unterstützt unsere Arbeit sehr", sagt Dietmar Koop, Vorsitzender von traudich. Ein halbes Jahr lang bekommen die Ehrenamtlichen fünf Fortbildungstage à 40 Euro bezahlt.

Vor dem Studium, während der Babypause oder nach der Pensionierung: Dass immer mehr Menschen solche Umbruchzeiten nutzen, um sich gemeinnützig zu engagieren - auf dieser Annahme basiert das neue Ehrenamts-Modell des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde: Der Freiwilligendienst aller Generationen (FDaG).

Ein halbes Jahr lang verpflichten sich freiwillige Helfer ab 18 Jahren, mindestens acht Stunden pro Woche in einer gemeinnützigen Einrichtung zu arbeiten - unentgeltlich. Durch diese Verpflichtung solle eine Verbindlichkeit geschaffen werden, die den Trägern und damit den Kommunen eine Planungssicherheit verschafft. Gleichzeitig stehe dem Ehrenamtlichen ein Versicherungsschutz sowie 30 Stunden Qualifikations- bzw. Fortbildungsmaßnahmen zu. Dafür stehen bis einschließlich 2011 rund 25 Millionen Euro zur Verfügung. "In Niedersachsen können 370 Vereinbarungsmöglichkeiten im Jahr vergeben werden, und wir haben die Zielmarke auch fast erreicht", so Bernd Ziegler, Projektleiter des Freiwilligendienstes für das Land Niedersachsen. Die Diskussion, ob durch solche Maßnahmen immer mehr Fachkräftige durch unbezahlte Ehrenamtliche ersetzt werden sollen, ist ihm bekannt. "Nein, das kann nicht unser Ziel sein", betont er, "wir wollen darauf achten, dass es keine Hauptamtlichen trifft." Eine Erhebung, wie viele und welche Einrichtungen und Vereine an der Maßnahme teilnehmen, wie alt die Ehrenamtlichen sind, laufe noch.

Vereinsmitglieder können jetzt gefördert werden

Von den etwa 50 Ehrenamtlichen des Fördervereins Integration und Migration Nordheide e.V. ( www.foerdervereinium.de ) haben zwölf eine solche Vereinbarung unterschrieben. "Wir haben uns zusammengeschlossen, da die Stelle der Migrationsberaterin des Diakonischen Werks der Kirchenkreise Hittfeld und Winsen bedroht ist", so Wilfried Bolte, erster Vorsitzender des Vereins. "Durch Haushaltskürzungen fehlen 2011 etwa 25 000 Euro pro Jahr, um diese wichtige Arbeit aufrecht zu erhalten." Er freut sich sehr, dass Vereinsmitglieder durch den "Freiwilligendienst aller Generationen" nun auch gefördert werden. Im November beginnen die Schulungen für die traudich-Mitarbeiter. Gerade rechtzeitig: Denn nach den Herbstferien beginnt die nächste Gruppen-Sequenz, in die neue Kinder und Jugendliche einsteigen können (Infos unter Telefon: 04181/29 25 16).