Harburg
Randnotiz

Das Dilemma der doppelten Wortbedeutung

Da lese ich neulich dieses Wort: Bartreiben. Aber was kann das nur sein, dieses Bartreiben?

Auf den ersten Blick lese ich Bar-Treiben. Es könnte also gemeint sein, dass in irgendeiner Bar vergnügte Menschen einen vergnügten Abend verleben und miteinander lustig und fröhlich sind.

Aber ich lese auch Bart-Reiben. Das ist in der Tat ein Unterschied! Sich den Bart zu reiben oder sich an einem Bart reiben, hat nichts damit zu tun, dass es in einer Bar lustig hergeht. Es kommt also auf den Zusammenhang an, in dem dieses Wort benutzt wird.

Am Ende verstehe ich: Hier ist Bart-Reiben gemeint, denn die Schreiberin redet davon, dass sie es immer genießt, wenn sie sich beim Schmusen an dem Bart ihres Partners reiben kann. Das mag sie.

Nun ja, die Geschmacksrichtungen sind verschieden und Frauen und die Mode zumal haben unterschiedliche Meinungen dazu, ob sie Bärte lieben oder nicht.

Nehmen wir für die Länge dieses Textes einmal an, Sie liebe Damen, haben eine Vorliebe für männliche Bärte, stehen somit auf der Seite der zitierten Geschlechtsgenossin. Nehmen wir weiterhin an, Sie besuchen mit Ihrem Partner auch ab und zu einmal eine Bar.

Wenn das so ist, ergeben sich wunderbare Bedeutungsebenen mit beiden Begriffsinhalten - denn Bart-Reiben beim Bar-Treiben soll schon mal vorgekommen sein. Und es ist ganz klar, dass ich in diesem Fall nicht übertrieben habe, denn angenehmes Bar-Treiben ist durchaus in der Lage, das Bart-Reiben zu fördern. Ebenso ist es auch umgekehrt.

Was lehrt uns dieses Beispiel an Sprachverwirrung? Babylon ist überall! Seid wachsam beim Bartreiben mit dem Bartreiben.