Harburg

Harburger Apotheker gibt in der Hölertwiete auf

Kopfschmerztabletten, Wundsalbe und Pflaster: Zum letzten mal bedient und berät Apotheker Gerhard Mützelburg (64) eine Kundin in seiner Apotheke am Markt an der Hölertwiete.

Harburg. Fünf Jahre lang war er dort im Haus der Kirche mit seinen fünf Mitarbeitern für Wohl und Wehwehchen der Harburger da. "Jetzt geht es einfach nicht mehr", sagt er traurig und packt die Arzneien in eine Papiertüte. Ab heute ist die Apotheke geschlossen.

Der 64-Jährige betreibt eine weitere Apotheke an der Heimfelder Straße 42. Trotzdem ist ihm die Entscheidung schwer gefallen, sich von seiner Dependance an der Hölertwiete zu trennen. Doch der Konkurrenzdruck wurde zu hoch. "Besonders die Apotheke in den Arcaden, die rund um die Uhr geöffnet hat, machte uns hier am Standort zu schaffen. Notdienst anzubieten lohnte sich für uns deshalb schon gar nicht. Einen Bestellservice konnte ich mir ebenfalls sparen, weil die Leute, wenn ich hier ein Medikament nicht vorrätig hatte, einfach einige Schritte weiter zur nächsten Apotheke gegangen sind."

Außerdem ging ihm die Einstellung vieler Kunden an die Berufsehre. "Einige Harburger hier legen eine fatale Billig-Mentalität an den Tag. Die wollen möglichst Kopfschmerztabletten oder andere Medikamente für einen Euro. Beratung oder Präparate, die nicht so preisgünstig, dafür aber viel gesundheitsverträglicher sind - werden nicht gekauft." Ein anderes Problem sei die Bevölkerungsstruktur und die Attraktivität der Hölertwiete als Einkaufsstraße. "Der Wochenmarkt, der Kunden zu uns bringt, läuft leider nur bis Mittag. Das Standangebot könnte außerdem vielfältiger sein."

Immer wieder bat Mützelburg beim Kirchenkreis, der die 200 Quadratmeter großen Räumlichkeiten vermietet, darum, weniger Miete zahlen zu müssen. "Dem wurde auch zugestimmt. Ich zahle nun zehn Euro pro Quadratmeter, aber das nützte zum Schluss auch nichts mehr." Es sei für ihn nicht mehr wirtschaftlich. Eigentlich besteht der Mietvertrag noch bis Februar 2011. "Ich hatte gehofft, dass mir der Kirchenkreis vielleicht ein wenig entgegenkommt, damit die Räumlichkeiten nicht leer stehen. Doch das war nicht der Fall." Heute räumt der 64-Jährige mit seinen Angestellten seinen Laden aus. Zwei Mitarbeiterinnen arbeiten künftig in seiner Apotheke in Heimfeld mit, drei haben gekündigt.

"Wir bedauern, dass die Apotheke ausziehen muss, haben aber vermutlich bis zum Ende des Jahres einen Nachmieter für die Räumlichkeiten", sagt Kirchenkreis-Pressesprecherin Susanne Gerbsch. Das neue Gewerbe soll zum Bildungsangebot der Diakonie passen und wird "bestimmt kein Ein-Euro-Shop sein", sagt Gerbsch.