Harburg
Randnotiz

Verreisen ist Ansichtssache

Ich reise für mein Leben gern. Genauso wie mein Mann, unsere Eltern und Großeltern. Klar, meine Großeltern sind höchstens bis zu den Alpen gekommen, bei meinen Eltern war es ähnlich. Für mehr reichte das Geld nicht. In manchen Jahren reichte das Geld nicht einmal dafür.

Schon als Kind genoss ich es, unterwegs zu sein. Es war eine Abwechslung, die es höchstens einmal im Jahr gab. Wir lernten Neues kennen, und unsere Eltern waren entspannter als sonst. Als Jugendliche fuhren wir durch Europa und campten wochenlang. Wir waren begeistert davon, neue Länder und Städte kennen zu lernen.

Einige Freunde machten mit der Interrail-Karte Rundreisen durch Europa, andere fuhren das eine Jahr mit der Karte in den Süden, das nächste Jahr in den Norden, immer mit einem riesigen Rucksack unterwegs. Je nach Geschmack schliefen sie im Zelt, in der Jugendherberge oder im Süden einfach nur am Strand. Die passenden Freunde lernten sich während der Reise kennen.

Auch heute ist Reisen für mich etwas Besonderes, eine Möglichkeit sich weit weg vom Alltag mit seinen Pflichten zu erholen.

Aber unseren Kindern ist es egal. Wahrscheinlich haben wir sie schon zu oft herumgeschleppt. Und wenn sie doch einmal fahren, dann wollen sie es bequem haben. Für unseren einen Sohn käme Zelten nicht in Frage, wenn schon Urlaub, dann doch bitte ein bisschen luxuriös. Der Zweite ist schon ein paar Mal mit Freunden an die Ostsee zum Zelten gefahren. Aber bloß nicht länger als eine Woche. Auf der Luftmatratze ist es doch so unbequem. Da bleiben sie in den Ferien lieber zu Hause, schlafen im bequemen Bett und spielen den ganzen Tag am Computer. So ändern sich die Zeiten.