Harburg

Ein Zuhause für die Landkreis-Polizei

Foto: Anima Berten

Nach vier Jahren Bauzeit ist die Inspektion Harburg jetzt endlich in Buchholz unter einem Dach

Buchholz. "Das Zuspätkommen zieht sich wie ein roter Faden durch diese Baumaßnahme", sagte Uwe Schünemann (CDU) am Mittwochabend in seiner Festrede. Niedersachsens Minister für Inneres und Sport hatte auf dem Weg nach Buchholz im Stau gestanden, war eine halbe Stunde zu spät zur Einweihung des neuen Polizeidienstgebäudes der Polizeiinspektion Harburg gekommen. Eine halbe Stunde mehr oder weniger warten, das dürfte für die Polizeibeamten kaum einen Unterschied gemacht haben.

Rund vier Jahre haben die Bauarbeiten in der Schützenstraße 17 gedauert - nun ist das neue Polizeigebäude endlich fertig. Auf etwa 4100 Quadratmetern Gesamtfläche erstrecken sich ein viergeschossiger Neubau und der sanierte Altbau, ihre Nutzfläche: 2800 Quadratmeter. 160 Mitarbeiter leisten hier in Zukunft ihren Dienst, in einem Gebäude, das sich sehen lassen kann.

In einem kriminaltechnischen Labor sollen in Zukunft verschiedene Bedampfungsgeräte und forensische Lichtquellen unsichtbare Spuren sichtbar machen. Zwei DNA-Räume ermöglichen die getrennte Aufbewahrung von Täter- und Opferspuren. In einem Besprechungsraum werden bei besonderen Einsätzen, wie Entführungen oder Großbränden, einem Krisenstab modernste Kommunikationstechniken geboten. Außerdem wurden sogenannte Kombizonen eingerichtet: Akten und technische Geräte werden aus den einzelnen Büros ausgelagert und in einem "Gemeinschaftsraum" allen Kollegen eines Fachbereichs gleichermaßen zugänglich gemacht. Glaswände trennen die angrenzenden Zweierbüros von den Gemeinschaftsflächen. Ein Eltern-Kind-Zimmer unterstreicht die Familienfreundlichkeit der Polizeiinspektion Harburg.

"Wir können stolz auf so einen hochmodern ausgestatteten Arbeitsplatz sein, der für andere Polizeiinspektionen Modell stehen wird", freute sich Uwe Lehne, Leiter der Polizeiinspektion Harburg.

Erste Überlegungen zu einem Umbau hat es bereits vor 20 Jahren gegeben. Seitdem schloss sich ein Provisorium an das nächste an, so war der Ermittlungsdienst Jahrzehnte lang in Bürocontainern untergebracht. Darüber hinaus sollte die Leitungsebene der Inspektion an einem Ort angesiedelt werden. Der Polizeiinspektions-Chef und der Einsatzchef saßen damals in Winsen, der Chef des Zentralen Kriminaldienstes in Buchholz. Keine optimale Lösung.

Ausschlaggebend für den ersten Spatenstich in der Schützenstraße war eine Anschubfinanzierung der Stadt Buchholz über 300 000 Euro. Das Land Niedersachsen investierte insgesamt neun Millionen Euro in den Neubau, die Sanierung und Aufstockung des Altbaus. Die Baumaßnahmen begannen Ende 2006. Etwa zwei Jahre später konnten die Beamten umziehen, aus dem Alt- in den Neubau. Wenige Wochen später startete die Kernsanierung des Altbaus.

Warum das alles so lange gedauert hat? "Wir mussten aus Platzgründen Schritt für Schritt vorgehen", erklärt Uwe Lehne, "erst Neubau, dann Altbau." Außerdem habe Schnee und Eis im Winter 2008 die Bauarbeiten verzögert. Und nicht nur das. So wurde im Zuge der Altbausanierung der Bodenbelag zur Sanierungsbremse. "Das Fundament hatte nicht die nötige Tragfähigkeit. An einigen Stellen war es dicker als an anderen", so der PI-Chef. Die Folge: Der Boden musste komplett aufgeschüttet werden - und zwar Teilstück für Teilstück. Dabei gingen Monate ins Land. "Aber die Hoffnung haben wir nie aufgegeben", so Uwe Lehne.

Tatsächlich: Seit diesem Sommer arbeiten alle unter einem Dach, das Polizeikommissariat mit Einsatz- und Streifendienst, der Zentrale Kriminaldienst sowie die Einsatzleitstelle mit Tatortgruppe sowie Polizeiinspektion.

Einer der größten Vorteile dabei seien die kurzen Wege, so Wilfried Haensch. Der Einsatzleiter des Zentralen Kriminaldienstes hatte mit seinen Mitarbeitern vor dem Umzug in den Neubau in einem gemieteten Gebäude in der Schützenstraße 18 gesessen. Dass nicht jeder Kollege über die neuen Verhältnisse, wie die gläsernen Bürowände, glücklich sei, tut er mit einer Handbewegung ab. "Manche haben um ihre Privatsphäre gefürchtet, aber seitdem hier gearbeitet wird, höre ich fast nur noch positive Stimmen."